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Das WLAN-Taxi für mobile Arbeiter

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Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets sind die Renner in der IT-Branche. Hightech-Gurus und Marktforscher schwärmen vom flexiblen Arbeiten unterwegs. Doch der Alltag sieht anders aus. Die Großstädte ignorieren die Bedürfnisse der mobilen Arbeiter. Ein Weckruf für Stadtplaner und Verkehrsexperten.

Haben Sie ein bisschen Geld übrig? Wollen Sie sich selbstständig machen und suchen nach einer Geschäftsidee? Hier ist eine. Frei Haus.

Auf dem Deckblatt des Businessplans würde stehen: “WLAN-Taxi für Mobil-Nutzer”. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Wer täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro fährt und dabei einen Platz sucht, an dem er eine Viertelstunde lang mit dem Notebook arbeiten kann, wüsste so ein WLAN-Taxi sicher zu schätzen.

Es könnte helfen, eine Lücke wenigstens teilweise zu schließen, die der Mobilgeräte-Boom in den letzten Jahren geöffnet hat. Die Lücke zwischen der Technik einerseits, die das Arbeiten unterwegs möglich macht und den äußeren Bedingungen in unseren Städten andererseits, die das mobile Arbeiten allzu oft unmöglich machen.

Mobiles Arbeiten ist fast unmöglich

Bei dem ganzen Hype um Mobility wird leider vergessen, dass in Deutschland im Allgemeinen und den Großstädten im Besonderen keine geeignete Infrastruktur vorhanden ist, die mobiles Arbeiten in der Praxis möglich machen würde.

Das wird deutlich, wenn man sich einmal das Arbeiten unterwegs konkret ansieht. O.k., wenn man zu Fuß die Straße entlang geht, kann man sein Smartphone nutzen, SMS verschicken, und vielleicht E-Mails lesen. Auch wer als Außendienstmitarbeiter beim Kunden sein Notebook aufklappt oder abends im Hotel seine E-Mails abarbeitet, hat kein Problem. Hinzu kommen die Lounges an Flughäfen oder Bahnhöfen oder die (kostenpflichtigen) Hotspots in Cafés. Das war’s eigentlich schon.

Wenig öffentliche Hotspots

Aber wie ist es, wenn man sich an öffentlichen Plätzen oder in den Verkehrsmitteln aufhält? Öffentliche Hotspots, die unabhängig von Cafés sind, gibt es kaum, hier ist mobiles Arbeiten also schon mal schwierig.

Noch ungünstiger ist die Situation in Verkehrsmitteln. Da gibt es häufig die Notwendigkeit umzusteigen, was logischerweise den Arbeitsfluss unterbricht. Zum anderen sind die in vielen Städten chronisch defizitären Verkehrsmittel gerade im Berufsverkehr zumeist überfüllt. Wer nicht gerade an einer Endstation einsteigt, hat oft keine Chance, einen Sitzplatz ergattern, auf dem er zehn oder 15 Minuten seinen Tablet-PC nutzen könnte. Mobilfunkempfang ist in Bus und Stadtbahn natürlich möglich, aber Internetzugang nicht. In den meisten U-Bahnen herrscht Funkstille oder bestenfalls lückenhafter Mobilfunkempfang.

Die Hersteller von Smartphones, Notebooks und Tablet-PCs ignorieren das Problem geflissentlich, sie verkaufen ihre Mobilgeräte ja sowieso. Das schicke Design der Geräte täuscht darüber hinweg, dass es in der Praxis gar nicht so weit her ist mit dem mobilen Arbeiten.

Genau hier setzt die Geschäftsidee an. Sie baut darauf, dass es viele Leute gibt, die auf dem Weg ins Büro gerne ein Viertelstündchen bequem arbeiten würden und bereit wären, dafür einen gewissen Aufpreis zu bezahlen.

Die Bahn bietet Internetnutzung auf ausgewählten Strecken.
Die Bahn bietet Internetnutzung auf ausgewählten Strecken.

Businessplan fürs WLAN-Taxi

Aber der Reihe nach. So ein Businessplan muss ja schön systematisch sein. Im ersten Schritt müsste man Plätze in der Stadt oder am Stadtrand mit besonders vielen Bürohäusern oder Gewerbegebieten identifizieren. Anschließend müsste man Routen festlegen, an denen die WLAN-Taxis entlangfahren.

Dieser erste Schritt wäre wahrscheinlich der komplizierteste und es ist sogar möglich, dass das Projekt scheitert, weil es nicht gelingt, eindeutige Routen in der Stadt zu identifizieren. Am Bedarf für solche Business-Taxis würde das aber nichts ändern.

Die Taxis selbst wären speziell ausgestattete Vans mit jeweils sechs bis acht großzügig bemessenen Sitzplätzen, Steckdosen für Notebooks oder Tablets und einem Tischchen als Ablage. Der Wagen wäre eine Art fahrender Hotspot, der beispielsweise über den schnellen Mobilfunkstandard LTE mit maximal 300 Megabit pro Sekunde ans Internet angeschlossen ist.

Damit beim Arbeiten auch ein bisschen Behaglichkeit aufkommt, darf natürlich auch der Kaffeeautomat im rasenden WLAN-Taxi nicht fehlen. Die Nutzer würden an festgelegten Haltestellen einsteigen und könnten im Idealfall bis vor die Haustür ihres Arbeitgebers fahren oder wenigsten den größeren Teil ihres Arbeitsweges in einem rollenden Büro verbringen.

Zielgruppe und Preis

Zielgruppe des Angebots wären nicht die CEOs und Topmanager, die haben einen eigenen Chauffeur oder einen Limousinen-Service. Zielgruppe wäre vielmehr das Heer der Kollegen aus dem mittleren oder unteren Management, die einerseits auch schon ganz selbstverständlich Smartphones, Notebooks und Tablets benutzen, andererseits aber nicht das Geld für einen Limousinen-Service oder das tägliche Taxi haben.

Abgesehen davon sind die meisten Taxis ohnehin kein geeigneter Platz zum ungestörten Arbeiten. Zu eng, umständliche Bezahlprozedur am Schluss und notorisch gesprächige Taxifahrer. Der Preis für das WLAN-Taxi würde sich irgendwo zwischen den Tarifen für Bus und Bahn und den Kosten für eine Taxifahrt bewegen. Vielleicht gibt der Arbeitgeber ja einen Zuschuss. Sollte das Projekt Erfolg haben, könnte man auch größere Busse in fahrende Hotspots verwandeln oder das Angebot ausweiten, in dem man beispielsweise einzelnen Unternehmen einen maßgeschneiderten Service für mobile Mitarbeiter anbietet.

Internet im ICE

Solch ein Angebot würde auch deutlich machen, wie wenig sich bisher bei der mobilen Internetnutzung getan hat. Im ICE, dem klassischen Mobil-Arbeitsplatz, gibt es durchaus Hotspots – allerdings nur auf einigen ausgewählten Strecken. Und zwar zwischen den Städten Dortmund, Düsseldorf, Köln, Frankfurt/M., Stuttgart, Hannover, Hamburg und München. Außerdem ist das Angebot mit 30 Euro für 29 Tage Nutzungsdauer nur etwwas für zahlungswillige Geschäftsleute.

Die mobile Zukunft der Städte

Auch den Städten und Gemeinden im Hightech-Standort Deutschland würde es gut zu Gesicht stehen, wenn sie in Zukunft mehr dafür täten, dass die digitalen Nomaden ihre Mobilgeräte nutzen können. Es reicht nicht, das Feld einfach den Internet-Cafés und den Mobilfunkanbietern zu überlassen.

Ein Vorbild könnte Barcelona sein. Die zweitgrößte spanische Stadt ist ein echter Hightech-Standort geworden und hat an mehr als 400 öffentlichen Plätzen Hotspots eingerichtet, die kostenlos nutzbar sind. Bemühungen in Berlin gehen zwar in eine ähnliche Richtung, stecken aber noch in den Kinderschuhen.

Auch bei der Planung der öffentlichen Verkehrsmittel kann es nicht schaden, wenn die Verantwortlichen sich überlegen, wie sie den mobilen Geschäftsleuten den Job erleichtern. Denkbar wäre zum Beispiel, dass in Stadtbahnen, Bussen und U-Bahnen eigene Abteile oder Sitzreihen fürs Business reserviert wird. Mit Internetanschluss und Steckdose, versteht sich. Man könnte sogar überlegen, ob man auf bestimmten Strecken einen Waggon anhängt, in dem die Notebook- und Tablet-Nutzer unter sich sind. Gegen Aufpreis natürlich.

Barcelona hat 439 öffentliche Hotspots eingerichtet. Die Nutzung ist kostenlos.
Barcelona hat 439 öffentliche Hotspots eingerichtet. Die Nutzung ist kostenlos.

Mobility prägt die Stadt

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass es nicht Aufgabe der Politik und schon gar nicht Aufgabe der Städte und Gemeinden sei, jeder Hightech-Mode hinterherzulaufen oder für Samsung, Toshiba und Co den Erfüllungsgehilfen zu spielen. Doch wenn eintritt, was alle Marktforschungsunternehmen und ein Großteil der Arbeitsmarktforscher voraussagen, dann werden wir unsere Arbeit in Zukunft zu einem guten Teil außerhalb der Büros erledigen. Das wäre ein bedeutender Wandel der Arbeitswelt – und eine Entwicklung, die Stadtplaner und Verkehrsexperten nicht mehr ignorieren können.

(Bildnachweis kleines Bild: Volkswagen Multivan)

    1. Hallo Thomas Miller,
      der Beitrag ist ein Gedankenspiel unseres Autors – aber ein wohl begründetes. Die Aussage, bereits heute sei “fast überall irgendwo ein kostenloser WLAN Hotspot zu finden”, ist unserer Erfahrung nach auch so nicht richtig. Versuchen Sie es doch mal in der Praxis, zum Beispiel in München, da hilft Ihnen dann auch das von Ihnen angepriesene Portal nicht viel weiter …

      Peter Marwan
      Redaktion ITespresso