Rohde & Schwarz Cybersecurity kauft DenyAll

Sicherheit

Mit dem französischen Anbieter bekommt Rohde & Schwarz Cybersecurity nicht nur Produkte und Expertise für Webapplikationen und Schwachstellenmanagement ins Haus, sondern baut auch die Präsenz außerhalb Deutschlands aus. Erklärtes Ziel bleibt es, der führende europäische Anbieter für Cybersecurity zu werden.

Rohde & Schwarz Cybersecurity hat kurz vor Weihnachten die Übernahme von DenyAll abgeschlossen. Wie das deutsche Unternehmen jetzt mitgeteilt hat, wurde die Transaktion von AGC Partners begleitet und durch die Wagniskapitalgeber Truffle Capital und Omnes Capital, die Hauptinvestoren bei Deny All, unterstützt. Das bisherige Management-Team von DenyAll unter CEO Jacques Sebag wird die Aktivitäten der Tochtergesellschaft künftig vom bisherigen Sitz des Unternehmens in Paris aus leitet. Das kombinierte Produktportfolio soll bereits ab Ende Januar auf Branchenveranstaltungen, darunter der RSA-Konferenz im Februar in San Francisco und der CeBIT im März in Hannover präsentiert werden. Zum Kaufpreis haben die beteiligten Parteien keine Angaben gemacht.

Rohde & Schwarzz Cybersecurity

DenyAll ging 2001 aus der Société-Générale-Gruppe, einem der drei großen französischen Banken- und Versicherungskonzerne, hervor. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren stets Gewinne erzielt. Aktuell kann es auf über 600 Kunden in 30 Ländern verweisen. Das ursprüngliche Angebot, eine Web Application Firewall wurde durch die vond en Investoren unterstützten Übernahmen von VulnIT (2012) und BeeWare (2014) um Produkte für das Schwachstellenmanagement und Web Access Management erweitert.

“Webapplikationen sind ein Kernbestandteil zukünftiger Cloud-Geschäftsmodelle und damit Grundlage für die digitale Transformation praktisch aller Wirtschaftszweige”, begründet Ammar Alkassar, CEO von Rohde & Schwarz Cybersecurity, die Übernahme in einer Pressemitteilung. Mit dem Schwachstellenmanagement, der Firewall für Web-Applikationen und den Produkten für das Zugangsmanagement von DenyAll könne man Kunden diese “unverzichtbare Grundlage für Geschäftsprozess-Innovationen” künftig aus einer Hand anbieten, so Alkassar weiter, der zudem den verhaltensbasierten und applikationszentrierten Ansatz von DenyAll hervorhebt.

DenyAll

DenyAll erwirtschaftet nach wie vor den Großteil seines Umsatzes im Heimatland Frankreich. Aktuell stammt lediglich ein Drittel des Umsatzes aus dem Ausland. Mit der weltweit bekannten Marke Rohde & Schwarz sowie der Infrastruktur für Vertrieb und Service des deutschen Unternehmens soll nun das internationale Geschäft ausgebaut werden. Umgekehrt erhofft sich der Käufer natürlich für seine anderen Produktlinien Zugang zu den DenyAll-Kunden in Frankreich.

Erst im Herbst hatte sich Rohde & Schwarz Cybersecurity am Aachener Router- und WLAN-Spezialisten Lancom beteiligt. Mit der Beteiligung stieg Rohde & Schwarz bei einem gut etablierten Anbieter mit funktionierendem Vertrieb in Deutschland und einigen anderen Ländern ein. Bei Lancom wurde Rohde & Schwarz durch den Kauf der Anteile der S-UBG AG Aachen, einem regionalen Anbieter von Beteiligungskapital, sowie einer privaten Investorengemeinschaft strategischer Partnern. Beide waren seit der Gründung im Jahr 2002 an Lancom beteiligt.

Der Aufbau von Rohde & Schwarz Cybersecurity war schon schon 2014 mit dem Kauf des Leipziger Unternehmens Adyton Systems, ein Spezialist für Netzwerksicherheit, sowie der Hamburger Firma Gateprotect, ein Anbieter von Security-Appliances, begonnen worden. Die Übernahme der Sirrix AG, eines Spin-Offs des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, brachte dann vor allem Technologie in das neue Unternehmen ein.

Da die aktuelle Übernahme “nur” als ein “bedeutender Schritt” auf dem Weg, “der führende europäische Anbieter für vertrauenswürdige Cybersecurity-Lösungen” zu werden bezeichnet wird, darf wahrscheinlich im Laufe dieses Jahres noch mit weiteren Übernahmen gerechnet werden. Sofern das der Fall ist, wird es sich auch bei den weiteren Zukäufen um Firmen handeln, die durch erfolgreich durchlaufene Prüfprozesse nationaler europäischer Zertifizierungsstellen, so wie dem BSI in Deutschland, nachgewiesen haben, dass ihre Produkte für den Einsatz auch im Behördengeschäft und in Branchen mit hohen Sicherheitsanforderungen tauglich sind.

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