KMU verschenken durch halbherzige Digitalisierung viel Potenzial

IT-Projekte
Digitalisierung (Bild: Shutterstock/Peshkova)

Nach Ansicht der Förderbank KfW ist der deutsche Mittelstand in einer frühen Phase der Digitalisierung gefangen. Zwar haben 80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen bereits Digitalisierungsprojekte umgesetzt, diese hatten aber meist nur geringen Umfang. Sie laufen nun Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Der deutsche Mittelstand ist noch nicht über eine frühe Phase der Digitalisierung hinausgekommen und vergibt damit erhebliche strategische Potenziale. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) laufen so Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das geht aus einer Studie von KfW Research und einer repräsentativen Umfrage hervor. Sie wurde von der Förderbank KfW beauftragt und zusammen mit dem Infas-Institut durchgeführt.

Jörg Zeuner (Bild: KfW Bildarchiv / Gaby Gerster)
KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner (Bild: KfW Bildarchiv / Gaby Gerster)

Demnach zählt nur jedes fünfte Unternehmen zu den digitalen Vorreitern, während ein Drittel sich noch im Grundstadium befindet. Zwar hätten 80 Prozent der Mittelständler bereits Digitalisierungsprojekte umgesetzt, aber überwiegend mit relativ geringem Umfang. Insbesondere kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern setzten dafür weniger als 10.000 Euro jährlich ein und planen oft auch keine höheren Ausgaben. Besonders häufig zählen der Studie zufolge Mittelständler mit weniger als 50 Mitarbeitern zu den Nachzüglern der Digitalisierung.

Als Grundstadium der Digitalisierung sieht die KfW, wenn bei Firmen selbst grundlegende Anwendungen wie ein eigener Internetauftritt unterdurchschnittlich verbreitet sind. Die Hälfte der Unternehmen, die das Mittelfeld besetzen, nutzt etwa einzelne Anwendungen digital vernetzter Information und Kommunikation. Digitale Vorreiter sind als Unternehmen definiert, die schon auf digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen.

83 Prozent  der mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Mit 98 Prozent gilt dies für nahezu jedes Unternehmen mit 150 oder mehr Beschäftigten. Bei den kleinen Unternehmen gilt dies dagegen nur für 78 Prozent (Grafik: KfW).
83 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Mit 98 Prozent gilt dies für nahezu jedes Unternehmen mit 150 oder mehr Beschäftigten. Bei den kleinen Unternehmen gilt dies dagegen nur für 78 Prozent (Grafik: KfW).

“Die mittelständische Wirtschaft schöpft das Potenzial der Digitalisierung bisher bei weitem noch nicht aus”, so Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. “Die meisten mittelständischen Unternehmen bauen ihre Digitalisierung zwar aus, gehen dies jedoch überwiegend in kleinen Schritten an.”

Als größte Hemmschuhe für eine weitere Digitalisierung gaben 67 Prozent der Unternehmen mangelnde IT-Kenntnisse der Mitarbeiter an. 62 Prozent beklagten Anforderungen von Datenschutz und Datensicherheit, 58 Prozent eine mäßige Internetgeschwindigkeit. 59 Prozent scheuten aus ihrer Sicht hohe Investitions- und Betriebskosten. 32 Prozent der Mittelständler verweisen auf Finanzierungsprobleme. “Der Finanzierungsbedarf in der Breite des Mittelstandes wird sich erhöhen, wenn die Unternehmen in Zukunft eine stärkere Dringlichkeit der Digitalisierung wahrnehmen”, so Zeuner.

Ein positivere Sicht lieferte kürzlich eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). Demnach sind deutsche KMU beim Thema Digitalisierung im europäischen Vergleich ganz vorne dabei. Sie setzen demnach besonders häufig Software für Enterprise Resource Planning (ERP) sowie Customer Relationship Management (CRM) ein. Allerdings stagniert offenbar die Verbindung der Geschäftsprozesse mit denen ihrer Zulieferer und Kunden. Das IfM führt das auf mangelndes Vertrauen in die Cloud zurück.