Smartphone-Markt: Goldgräberzeiten sind vorbei

MobileSmartphone
Smartphonekauf (Bild: Shutterstock/Christos Georghiou)

IDC zufolge legte der Markt im zweiten Quartal 2016 gemessen an den Stückzahlen um 0,3 Prozent zu. Schuld ist nicht zuletzt die abflauende Kauflaune in China. In Deutschland rechnet der Bitkom 2016 zwar mit einem neuen Absatzrekord, aufgrund niedrigerer Durchschnittspeise aber erstmals auch einem Umsatzrückgang.

Zwischen April und Juni wurden den aktuellen Zahlen von IDC zufolge weltweit 343,3 Millionen Smartphones verkauft. Das sind zwar plus 3,1 Prozent mehr als im ersten Quartal 2016, aber lediglich 0,3 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Samsung konnte vor allem durch den Erfolg der Modelle Galaxy S7 und S7 Edge seinen Vorsprung auf Apple ausbauen. Samsungs Anteil am Smartphone-Markt legte um 1,1 Punkte auf 22,4 Prozent zu, Apples Anteil ging um 2,1 Punkte auf 11,8 Prozent zurück. Huawei baute seinen Anteil um 0,8 Punkte auf 9,4 Prozent und behauptete damit seinen dritten Rang.

Smartphones (Bild: Shutterstock/Maxx-Studio)

Ryan Reith, Vizepräsident beim Marktforschungsunternehmen IDC führt die schwachen Zahlen für den Gesamtmarkt vor allem auf die schwache Entwicklung des Smartphone-Markts in China zurück. Außerdem beobachtet er – ebenfalls dadurch ausgelöst – einen generellen Umbruch im Markt: Vor allem chinesische Hersteller, deren Produkte im unteren Preissegment angesiedelt seien, wichen auf große Märkte mit starkem Wachstum wie Indien, Indonesien und den Nahen Osten aus.

Aber auch in anderen Ländern sind vergleichsweise junge chinesische Hersteller erfolgreich. Das mit Abstand größte Wachstum erzielte Oppo mit 136,6 Prozent. Mit 22,6 Millionen verkauften Smartphones im zweiten Quartal kommt es nun bereits auf 6,6 Prozent des Smartphone-Markts. Auch Vivo erzielte ein überdurchschnittliches Wachstum von 80,2 Prozent. Beide Anbieter behaupteten sich damit in den Top 5, nachdem sie im ersten Quartal Lenovo und Xiaomi daraus verdrängt hatten.

 Smartphone-Markt im zweiten Quartal 2016 laut IDC (Grafik: IDC)
Smartphone-Markt im zweiten Quartal 2016 laut IDC (Grafik: IDC)

In den Industrieländern hält IDC zufolge der Trend an, Smartphones nicht nur mit Hilfe von Subventionen zu verkaufen. Austauschprogramme und auch Angebote wie “Device as a Service” sollen dort verhindern, dass Nutzer die Anschaffung neuer Smartphones hinauszögern.

“Eine Mehrheit der Anbieter, darunter Apple, waren mit Geräten erfolgreich, die im Vergleich zu ihren Spitzenmodellen eher preisgünstig sind”, so IDC Research Manager Anthony Scarsella. “Da die Smartphone-Preise weiter sinken und der Wettbewerb im High-End-Segment eskaliert, müssen Hersteller ‘flaggschiffartige’ Geräte in erschwinglichen Preislagen herausbringen, um häufigere Neuanschaffungen anzuregen.” Mit dieser Strategie seien bereits chinesische Anbieter wie Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi erfolgreich.

Entwicklung des Smartphone-Marktes in Deutschland

In Deutschland geht der Bitkom geht davon aus, dass der Smartphone-Markt in diesem Jahr mit voraussichtlich 27,9 Millionen verkauften Geräten einen neuen Absatzrekord aufstellen wird. Die Prognose liegt 6 Prozent über den 26,2 Millionen verkauften Geräten des Vorjahres. Allerdings ist auch hierzulande zu beobachten, dass Verbraucher vermehrt zu günstigen Geräten greifen. Daher rechnet der Bitkom beim Umsatz erstmals mit einem Rückgang. Die Prognose geht von einem Minus von 2 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro aus. 2015 berichtete der Verband in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten IDC und GfK noch von einem Wachstum von 25 Prozent.

Die Smartphone-Verkäufe sollen 2016 um 6 Prozent zulegen, der Umsatz jedoch um 2 Prozent zurückgehen (Grafik: Bitkom).
Die Smartphone-Verkäufe sollen 2016 um 6 Prozent zulegen, der Umsatz jedoch um 2 Prozent zurückgehen (Grafik: Bitkom).

Laut Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder sinkt der Durchschnittspreis in diesem Jahr um voraussichtlich 30 Euro auf 374 Euro. Der Trend hin zu Geräten mit Displays mit Diagonalen von 5 Zoll oder größer setze sich jedoch fort. Zudem werde LTE zum Standard. Verbraucher, die ein altes Gerät ersetzten, kauften oft “größere und technisch leistungsfähigere Smartphones”, so Rohleder weiter. Aktuell nutzen laut Bitkom 76 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren ein Smartphone. Vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei 55 Prozent.

Auch weltweit soll der Smartphone-Markt 2016 nur im einstelligen Bereich wachsen. Ihre Prognose begründen die Marktforscher mit einer Durchdringung von 90 Prozent in Nordamerika, Westeuropa, Japan und einem Teil der asiatisch-pazifischen Region. Die Nutzer dort neigten außerdem dazu, ihre Geräte nicht mehr so regelmäßig zu ersetzen wie früher. Bei Premium-Smartphones habe sich der durchschnittliche Nutzungszeitraum auf zweieinhalb Jahre verlängert, was sich in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht wesentlich ändern wird.

Tipp: Wie gut kennen Sie das iPhone? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen