Peer-to-Peer-Marktplatz OpenBazaar verlässt Testphase

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Das Projekt wirbt damit, dass es bei weder Gebühren noch Beschränkungen gibt. Bezahlt werden kann nur mit Bitcoins. Die Macher positionieren OpenBazaar klar gegen Marktplätze wie Alibaba, Amazon und Ebay. Sie werden von Investoren wie Andreessen-Horowitz und Union Square Ventures unterstützt.

Der im Vorfeld und auch während der Testphase in den vergangen Monaten durch wilde Spekulationen über seine tatsächliche Ausrichtung immer wieder in die Diskussion geratene Online-Marktplatz OpenBazaar hat nun die Testphase verlassen und kann von jedermann genutzt werden. Das dahinterstehende Unternehmen OB1 wird von renommierten Investoren wie Andreessen-Horowitz und Union Square Ventures unterstützt. Die haben wohl auch darauf gedrängt, dass nicht wie von manchen Beobachtern erwartet, mit OpenBazaar ein Nachfolger von durch die Behörden geschlossenen Untergrundmarktplätzen wie SilkRoad entsteht, sondern in erster Linie ein Markt für jedermann.

OB1 positioniert OpenBazaar ganz klar gegen etablierte Marktplätze wie Amazon, Ebay und Alibaba, stellt aber im Gegensatz zu diesen keine Plattform bereit, auf denen Händler ihre Angebote einstellen, sondern eine Open-Source-Software, die heruntergeladen und installiert werden muss. Der Marktplatz als solcher ist dann ein großes Peer-to-Peer-Netzwerk. Dadurch kann OB1 damit werben, dass es darauf keine Einschränkungen gibt. Außerdem werden keine Gebühren verlangt. Kosten entstehen lediglich, wenn Nutzer Zusatzangebote wie “Moderatoren” in Anspruch nehmen wollen, die in Streitfällen vermitteln. Aber auch das ist nicht verpflichtend.

OpenBazaar verlässt Testphase (Screenshot: ITespresso)
Der Peer-to-Peer-Marktplatz OpenBazaar hat nun die Testpahse verlassen (Screenshot: ITespresso).

Weil es keine Firma oder Organisation gibt, die OpenBazaar betreibt, gibt es auch niemanden, der von Ihnen für die Listung Ihrer Produkte Gebühren verlangen kann oder bei dem Sie ein Konto anlegen müssen. Die “Allgemeinen Geschäftsbedingungen” werden zwischen Käufer und Verkäufer individuell ausgehandelt, statt durch eine allgemeine Regelung festgelegt. Es ist, als ob Sie an jemanden oder von jemandem etwas persönlich kaufen oder verkaufen – nur dass Sie es online tun”, erklären die Entwickler.

Seit dem Start der Testversion der OpenBazaar-Software am ersten März ist diese den Entwicklern zufolge rund 25.000 Mal heruntergeladen worden. Nutzer fänden sich in 126 Ländern. Sie hätten bislang im Rahmen der Testphase rund 3000 Produkte eingestellt. Eine Anleitung für interessierte Verkäufer steht online bereit.

Musterangebote bei OpenBazaar (Screenshot: OB1)
Musterangebote bei OpenBazaar (Screenshot: OB1)

Bezahlt werden kann nur mit Bitcoins. Das wird sich offenbar auch mittelfristig nicht ändern, da die OpenBazaar-Macher es für die verfolgten Ziele am besten geeignete Zahlungsform halten. Sie loben Anonymität und Sicherheit und räumen Bedenken, das Bitcoin an seine Grenzen stoßen könnte, mit dem Hinweis darauf aus, dass bereits daran gearbeitet werde, diese Grenzen zu erweitern.

“Seitdem das Internet der dominierende Ort zum Handeln geworden ist, konnte man beobachten, dass zentralisierte Institutionen hineingedrängt und ihren Einfluss durch Gebühren und Beschränkungen dessen, was gehandelt werden kann, ausgeübt haben. OpenBazaar ist ein Weg, um wieder zu einem Handel zwischen den Menschen direkt zurückzukehren”, erklärt Sam Patterson, einer der führenden Köpfe hinter OpenBazaar, anlässlich des Starts gegenüber The Daily Dot.

Dass das Projekt vielfach kritisch gesehen wird, erstaunt nicht. Gründe dafür gibt es viele. Einer ist dieVerschlüsselung der Kommunikation und der zwischen den Teilnehmern ausgetauschten Nachrichten sowie die Nutzung von Anonymisierungsmöglichkeiten wie “Invisible Internet Project” und dem TOR-Netzwerk. Ein anderer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass es keinen zentralen Verantwortlichen für OpenBazaar gibt, an den sich Behörden wenden könnten, wenn etwa in ihrem Land unerlaubte Waren darüber gehandelt werden oder mit dem Handel gegen Gesetze verstoßen wird, besipielsweise in Bezug auf Marken- oder Urheberrechte.

Schließlich dürften den Handel bei OpenBazaar – sobald er einen gewissen Umfang angenommen hat – auch die Finanzbehörden argwöhnisch begutachten. Schließlich haben sie durch die Zahlung per Bitcoin und die mögliche Anonymität der Anbieter anders als bei Ebay oder im Amazon Marketplace keinerlei Handhabe, falls aus dem gelegentlichen Verkauf von privat an privat ein florierendes Gewerbe wird. Dass sie billigend in Kauf nehmen, dass auch illegale Geschäfte über OpenBazaar abgewickelt werden, haben die Macher in früheren Interviews schon eingeräumt. Sie sehen das aber offenbar als unvermeidlichen Kollateralschaden ihres Ansatzes und gehen davon aus, dass die Vorteile letztendlich überwiegen.

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