GoPro kauft für insgesamt 105 Millionen Dollar auf Videobearbeitung spezialisierte Start-ups

ÜbernahmenUnternehmen
Action-Cams von GoPro (Bild: GoPro)

Sowohl Stupeflix als auch Vemory stellen mit Replay respektive Splice Anwendungen bereit, die es erlauben, Videomaterial auf Mobiltelefonen zu schneiden und von dort zu veröffentlichen. Mit den Zukäufen adressiert der zuletzt schwächelnde Action-Kamera-Hersteller sein wohl größtes Problem.

GoPro hat die Start-ups Stupeflix und Vemory übernommen. Das hat GoPro-CEO Nicholas Woodman gegenüber Forbes erklärt. Ihm zufolge hat der Action-Kamera-Hersteller für beide Unternehmen zusammen 105 Millionen Dollar in Bargeld und Aktien investiert. Mit dem Kauf will GoPro seine Position im Bereich der Videobearbeitungssoftware verbessern.

Action-Cams von GoPro (Bild: GoPro)
Action-Cams von GoPro (Bild: GoPro)

Beide Start-ups stellen generell Programme bereit, die es Anwendern ermöglichen, selbst gedrehtes Videomaterial auf ihren Smartphones zu schneiden und von ihren Mobiltelefonen aus zu veröffentlichen. Das Pariser Unternehmen Stupeflix steht hinter der Videobearbeitungsapplikation Replay, die es erlaubt, von Nutzern ausgewählte einzelne Videoclips und Fotos automatisch in ein vollständiges Video samt Übergängen, Effekten und Musik umzuwandeln. Das im texanischen Austin ansässige Start-up Vemory zeichnet hingegen für die Anwendung Splice verantwortlich, die Nutzern ein manuell zu bedienendes Videobearbeitungswerkzeug verfügbar macht.

Die Frage, wie viel GoPro für die beiden Start-ups jeweils bezahlt hat, ließ Woodman gegenüber Forbes unbeantwortet. Gleichermaßen bedeckt hielt er sich bei der Frage, wie genau die mit den Unternehmen hinzugekauften Anwendungen mit den aktuellen Software-Angeboten von GoPro integriert werden sollen.

“Splice und Replay werden in unser Produkt-Portfolio aufgenommen und mit der GoPro-Erfahrung verschmolzen. Für den Verbraucher wird es somit zukünftig zu einem eindeutigen GoPro-Erlebnis werden”, sagt er gegenüber dem Online-Portal des Wirtschaftsmagazins lediglich, als er gefragt wurde, ob die beiden Anwendungen auch künftig in ihrer jetztigen Form existieren werden.

Mit den neu erworbenen Produkten will der Action-Kamera-Anbieter wohl insbesondere Nutzern entgegenkommen, die ihre selbst gedrehten Videos bislang direkt auf den GoPro-Kameras bearbeitet haben. In dem Kontext hat Woodman laut Forbes während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des vierten Quartals immerhin eingeräumt, dass Videobearbeitung an sich eine “Unannehmlichkeit” sei.

Die GoPro Hero+ Wi-Fi gehört zu den aus dem GoPro-Produktangebot gestrichenen Kameramodellen (Bild: GoPro)
Die GoPro Hero+ Wi-Fi gehört zu den kürzlich aus dem GoPro-Produktangebot gestrichenen Kameramodellen (Bild: GoPro).

So sagte er dem Online-Portal am Montag: “Videobearbeitung war schon immer ein großes Problem und eine Herausforderung, und zwar nicht nur für GoPro, sondern für jedes Unternehmen, das in diesem Geschäftsfeld aktiv ist.” Sie sei entwicklungtechnisch keine einfach zu nehmende Hürde. Außerdem gebe es gerade im mobilen Bereich gewisse Einschränkungen. Somit stehen die aktuellen Übernahmen laut Forbes auch für ein Umdenken bei Woodman, der nun bekannt gab, dass Nutzer mit den Splice- und Replay-Applikationen auch zukünftig in der Lage sein werden, mithilfe von Smartphones aufgenommens Material zu bearbeiten und sie womöglich sogar mit via GoPro-Kameras gedrehten Videoclips zu kombinieren.

In der Vergangenheit schreckte der GoPro-Chef noch davor zurück, seine Produkte mit Mobiltelefonen zusammenzuführen. Auch Kritiker fürchteten stets, dies könne GoPros Position im Video- und Bildaufnahmemarkt “kannibalisieren”. “Großartige Inhalte verfügbar zu machen, heißt nicht, diese nur von einem spezifischen Gerät aus bereitzustellen”, erklärt der Firmenchef nun aber. Des Weiteren will GoPro mit den Übernahmen wohl auch zeigen, dass es seine Probleme zielgerichtet angeht. Schwierigkeiten hatte der Kamerahersteller zuletzt insbesondere mit schwachen Quartalszahlen.

Besonders im Weihnachtsquartal hatte GoPro deutlich weniger Kameras als erwartet verkauft, was es schleppenden Verkäufen im Handel zuschrieb, “vor allem in der ersten Hälfte des Quartals”. Denkbar ist aber auch, dass es mit seinen Actionkameras eine gewisse Marktsättigung erreicht hatte. Als Folge davon wurden alle Kameramodelle bis auf die drei hochwertigsten aus seinem Angebot gestrichen. In der Folge der schlechten Nachrichten ist die GoPro-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 70 Prozent eingebrochen. Außerdem musste das Unternehmen 7 Prozent seiner Belegschaft entlassen.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen