Hightech-Japan in der Krise

Unternehmen

Bei japanischen Herstellern wie Toshiba, Sony oder Sharp häufen sich in den letzten Jahren schlechte Nachrichten. Die einstigen Marktführer geraten durch die Konkurrenz aus Südkorea und China immer mehr unter Druck. Was haben die Japaner falsch gemacht? Ist Besserung schon in Sicht?

Wenn ich an Länder denke, die im Bereich Hightech Großes geleistet haben, fallen mir spontan drei ein: Deutschland, USA und Japan. Deutschland hat mit Persönlichkeiten wie Konrad Zuse, Heinz Nixdorf, Andreas von Bechtolsheim (Mitgründer von Sun Microsystems und Entwickler der ersten Workstation) oder Karlheinz Brandenburg, dem “MP3-Erfinder“, entscheidende kreative Impulse zur IT-Entwicklung beigesteuert.

Die US-Amerikaner sind bis heute zentraler Motor der Hightech-Entwicklung. Ihre kreative Stärke liegt zumeist eher im Bereich Produktentwicklung und Vermarktung als in der eigentlichen Erfindung.

In den Reihen japanischer Unternehmen waren vielleicht nicht die genialen Erfinder und nicht die cleveren Vermarkter, aber in jeden Fall die genialen Tüftler. Und an guten Ideen hat es auch nie gefehlt, wenn man beispielsweise an Sonys Walkman denkt, den Vorläufer der heutigen Lifestyle-Gadgets.

Probleme bei Sony

In den letzten Jahren häufen sich die Negativmeldungen über japanische Hightech-Konzerne. Sony beispielsweise zog sich 2014 vom PC-Markt zurück und verkaufte die Vaio-Produktlinie an Japan Industrial Partners, darunter auch die Vaio-Notebooks. Auch das einst so glorreiche Fernsehgeschäft musste Sony umstrukturieren, um Geld zu sparen.

Fernseher mit der "Trinitron"-Bildröhre und der Walkman halfen, den legendären Ruf des japanischen Hightech-Konzerns Sony zu begründen (Fotos: Sony).
Fernseher mit der “Trinitron”-Bildröhre und der Walkman halfen, den legendären Ruf des japanischen Hightech-Konzerns Sony zu begründen (Fotos: Sony).

Seit einigen Wochen kursiert die Meldung, Sony – wie übrigens auch Samsung – würden die Entwicklung von neuen 3D-Fernsehern stark einschränken oder gar aufgeben. Auf 3D hatten die TV-Gerätehersteller große Hoffnungen gesetzt, inzwischen ist Ernüchterung eingezogen. Die Konsumenten haben 3D ausprobiert und sind zum Schluss gekommen, dass es noch nicht gut genug ist.

Nun sollen Fernseher mit hochauflösender UHD-Technik (Ultra High Definition) den Umsatz wieder in gewohnte Höhen treiben. Ob das auf die Schnelle gelingt, ist eher zweifelhaft, derzeit gibt es noch kaum passende Programmangebote der Sendeanstalten.

Die hochwertigen Smartphones von Xperia-Z-Serie soll es ebenfalls bald nicht mehr geben. Abgelöst wird sie von der X-Serie, die aber technisch nicht mehr ganz so high-endig ausgerichtet ist.

Business-Notebooks haben den Namen Toshiba in Deutschland bekannt gemacht. Das Bild zeigt das Portege Z20t-B (Foto: Toshiba)
Business-Notebooks haben den Namen Toshiba in Deutschland bekannt gemacht. Das Bild zeigt das Portege Z20t-B (Foto: Toshiba

Toshiba zieht Datenbrille zurück

Auch Toshiba hatte vor wenigen Tagen, am 22. Februar, eine wenig erfreuliche Mitteilung zu machen. Die im Januar angekündigte Datenbrille “Wearvue TG-1” kommt jetzt doch nicht auf den Markt. Toshiba will sich offensichtlich auf die Umstrukturierung konzentrieren, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Für 2015 hatte Toshiba, in Deutschland vor allem durch Notebooks und Festplatten bekannt, einen Jahresverlust von 4,2 Milliarden Euro gemeldet.

Foxconn kauft Sharp

Auch Sharp hat es erwischt. Der japanische Konzern wird vom taiwanischen IT-Konzern Foxconn (respektive Hon-Hai Precision Technology) übernommen wird, der Kaufpreis liegt bei 6,2 Milliarden Dollar. Die japanische Regierung hatte offenbar längere Zeit versucht, die Übernahme zu verhindern, ohne Erfolg. Auch Sharp hatte in den vergangenen Jahren enorme Verluste eingefahren.

Casio macht Digicam-Pause in Europa

Noch ein Beispiel gefällig? Nach Presseberichten zieht sich Casio für eine gewisse Zeit aus dem Geschäft mit Digicams in Europa zurück. Die Exilim-Digicams waren Top-Kameras mit echten Hightech-Features. Die Exilim ZR800 etwa bietet einen Zeitlupenmodus von 1000 Bildern pro Sekunde, wenn auch bei stark reduzierter Auflösung. Das ist für eine Consumer-Kamera schon ziemlich einmalig. Zwar steckt Casio nicht in der großen Krise, aber wenn ein Hersteller mit guten Produktem kein gutes Geschäft macht, dann stimmt etwas nicht.

Die Exilim-Digicams von Casio - wie die hier abgebildete Exilim ZR800 - sind exzellente Consumerprodukte mit vielen Hightech-Funktionen. Die ZR800 bietet eine extreme Zeitlupe mit 1000 Bildern pro Sekunde (Foto: Casio)
Die Exilim-Digicams von Casio – wie die hier abgebildete Exilim ZR800 – sind exzellente Consumerprodukte mit vielen Hightech-Funktionen. Die ZR800 bietet eine extreme Zeitlupe mit 1000 Bildern pro Sekunde (Foto: Casio)

Die Fehler von Sony und Co

Was ist da nur schiefgelaufen? Möglicherweise ist es einfach die typische Entwicklung bei Konzernen, die jahrzehntelang ganz oben standen, dass sie irgendwann angefangen haben zu schlafen und neue Entwicklungen zu versäumen. Der Trend zum Smartphone hat praktisch alle Hersteller, die mit Smartphones erst mal nichts am Hut hatten, ins Hintertreffen gebracht.

Bei japanischen Unternehmen kommen die oftmals sehr hierarchische Firmenstruktur und der oft kolportierte Kontrollwahn der Top-Manager als weitere Ursache in Betracht. Dergleichen traditionelle Managementstrukturen können die Agilität und das Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden in Unternehmen fatal ausbremsen.

Hinzu kommt, dass die Verbraucher in den vergangenen zwanzig Jahren auch kulturell sehr stark ins Fahrwasser der Hersteller aus Silicon Valley geraten sind. Coolness, “Can-do”-Mentalität und Lifestyle statt Tasten-Orgien und Elektronik-Gefitzel. Da verlieren die Technik-Tüfteleien aus Tokio und Osaka vielleicht etwas an Faszination. Zugegeben, eine gewagte These, aber vielleicht nicht ganz falsch.

Auf dem Gebiet der LC-Displays besitzt Sharp eine Menge Fertigungs-Know-how, das macht das japanische Unternehmen für Foxconn interessant (Screenshot: Mehmet Toprak)
Auf dem Gebiet der LC-Displays besitzt Sharp eine Menge Fertigungs-Know-how, das macht das japanische Unternehmen für Foxconn interessant. (Screenshot: Mehmet Toprak)

Basteln am Aufschwung

Ganz so schlimm wie es nach Auflistung der schlechten Meldungen aussehen mag, ist die Lage aber nicht. Casios Rückzug aus dem Digicam-Geschäft in Europa ist nicht endgültig, sondern nur zeitweise. Sharp wird von Foxconn nicht einfach geschluckt und eingestampft, vielmehr soll die Marke weiter gepflegt werden.

Und Sony hat zwar die Deutungshoheit im Bereich der Hightech-Geräte eingebüßt, aber technisch solide, und teilweise brillant sind die Fernseher und Home Entertainment-Geräte von Sony immer noch. Die Digicams der Alpha-Serie, darunter auch einige Modelle mit Vollformatsensor, gehören inzwischen zu den Traumkameras eines jeden Hobbyfotografen.

In diesem Geschäftsjahr, das noch bis Ende März dauert, wird Sony voraussichtlich zum ersten Mal nach drei Jahren wieder einen Gewinn vermelden können. Vor allem die Playstation verkauft sich gut. Die Einsparungen und Umstrukturierungen der vergangenen Jahre scheinen sich am Ende doch auszuzahlen. Vielleicht ist der Hightech-Riese nach den sieben mageren Jahre jetzt am Ende der Durststrecke angelangt.

Comeback der guten Ideen

Die japanischen Hightech-Konzerne werden uns also noch lange erhalten bleiben. Hoffentlich, muss man sagen, Toshiba, Sharp, Sony und Casio sind für den Endanwender attraktive Marken, die spannende Alternativen zum Einerlei von Samsung und Apple bieten. Zwar werden in Zukunft chinesische IT-Riesen wie Xiaomi, Coolpad oder Huawei noch stärker in den Vordergrund rücken.

Der Erfolg ist diesen Unternehmen durchaus zu gönnen, schließlich entstehen hier richtig gute Hightech-Produkte, aber bahnbrechende Innovationen sind da erstmal nicht zu erwarten. Zumindest sind keine in Sicht. Was die guten Ideen anbetrifft, sollte man sich bis auf Weiteres an die USA, Deutschland und Japan halten.

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