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Toshiba sagt Verkaufsstart seiner Datenbrille ab

Wearvue TG-01 (Bild: Toshiba)
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Ursprünglich war der für 29. Februar geplant. Das Wearvue TG-01 genannte Produkt war noch Mitte Januar offiziell vorgestellt worden. Jetzt fällt es dem umfassenden Restrukturierungsprozess des japanischen Konzerns zum Opfer, der nach Bilanzfälschungsskandal und Rekordverlusten tief in der Krise steckt.

Toshiba hat seine Mitte Januar der Öffentlichkeit präsentierte Datenbrille Wearvue TG-01 kurz vor dem geplanten Verkaufsstart am 29. Februar eingestampft. In einer knappen Mitteilung erklärt das Unternehmen, dass nicht nur der Verkauf nicht begonnen, sondern auch die Entwicklung an dem Produkt eingestellt wird. Begründet wird das mit der Neustrukturierung der Firma.

Wearvue TG-01 (Bild: Toshiba)
Toshiba stampft seine Datenbrille Wearvue-TG01 ein und zieht sich aus dem Markt zurück, bevor es richtig gestartet ist (Bild: Toshiba).

Der zuvor schon angeschlagene Konzern steckt seit Sommer 2015 richtig in der Krise, als der damalige Präsident und CEO Hisao Tanaka die Konsequenzen aus vorangegangenen, geschönten Bilanzen gezogen und seinen Rücktritt erklärt hatte. Zuvor war herausgekommen, dass Toshiba in den Büchern seine Gewinne zwischen 2008 und 2014 um weit über eine Milliarde Euro geschönt hatte.

Im Dezember verklagte eine Gruppe Anteilseigner Toshiba auf 300 Millionen Yen (rund 2,2 Millionen Euro) Schadenersatz, weil in Folge des Skandals der Aktienkurs eingebrochen war und sie somit hohe Verluste erlitten hatten. Die japanische Börsenaufsicht empfahl zudem der ihr übergeordneten Finanzaufsichtsbehörde gegen Toshiba eine Rekordstrafe von 7,37 Milliarden Yen (55 Millionen Euro) zu verhängen.

Kurz darauf berichtete Toshiba – mit mutmaßlich korrekten Zahlen – für 2015 einen dann Jahresverlust von 4,2 Milliarden Euro. Im Rahmen eines Restrukturierungsplanes (PDF) kündigte es zudem an, bis zu 10.000 Mitarbeiter, die meisten davon in der Sparte für Heimelektronik, zu entlassen. Im Zuge der Aufräumarbeiten in dem Unternehmen war zuvor bereits die Sparte für Kamerasensoren für umgerechnet rund 140 Millionen Euro an Sony verkauft worden. In Bezug auf die PC-Sparte wurde zudem schon Anfang Dezember über eine Zusammenlegung mit der von Sony ausgegliederten und nun als Vaio am Markt agierenden PC-Sparte dieses Unternehmens spekuliert.

Moverio BT-300 (Bild: Espon)
Mitbewerber Epson hat zum MWC in barcelona bereist die dritte Generation seiner Reihe Moverio vorgestellt. Möglicherweise traut sich Toshiba nicht zu, diesen Vorsprung, den auch andere Firmen haben, noch aufzuholen (Bild: Epson).

Warum nun die Datenbrille Wearvue TG-01 aufgegeben wird, ist allerdings etwas unklar, zielt sie doch auf ein Marktsegment, mit dem sich in der Branche allgemein große Hoffnungen verknüpfen. Bei der Vorstellung auf der Wearable EXPO in Tokio im Januar hatte Toshiba Einsatzmöglichkeiten für Service-Techniker, im Logistikbereich aber auch der Unterhaltung dargelegt. Möglicherweise sieht man sich aber in der aktuellen Verfassung nicht in der Lage, der zum Betrieb mit einem Windows-Gerät mit mindestens einem Intel AtomZ3735F (1,33 GHz) und 2 GByte RAM konzipierten Datenbrille zum Durchbruch zu verhelfen. Denn schließlich plante Toshiba den Eintritt in einen Markt, in dem Firmen wie Brother (Service-Techniker), die US-Firma Vuzix und die deutsche Firma Ubimax (Logistik) oder auch Epson mit der inzwischen dritten Generation seines Produkts Moverio und etwa Google sowie Sony bei Privatanwendern und im Bereich Unterhaltung schon aktiv sind.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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