ÜbernahmenUnternehmen

Sharp lässt sich nun doch von Foxconn kaufen

Foxconn kauft Sharp (Grafik: ITespresso)
1 0 Keine Kommentare

Der Kaufpreis liegt bei 6,2 Milliarden Dollar und damit gut eine Milliarde über dem im Zuge der Übernahmegerüchte im Januar kolportierten Kaufpreis. Der Sharp-Aufsichtsrat hat dem Angebot von Hon Hai Precision Industry bereits zugestimmt. Japanische Bemühungen, die Kontrolle über Sharp nicht an ein taiwanisches Unternehmen abzugeben scheiterten.

Der Aufsichtsrat des Elektronikkonzerns Sharp hat ein Angebot des taiwanischen Unternehmens Hon Hai Precision Industry, das auch als Foxconn bekannt ist, angenommen. Wie Nikkei.com berichtet liegt der Kaufpreis bei 700 Milliarden Yen (5,66 Milliarden Euro). Das sind knapp eine Milliarde mehr, als bei den Übernahmegerüchten im Januar im Gespräch waren.

Foxconn kauft Sharp (Grafik: ITespresso)

Update, 25. Februar 2016, 12 Uhr 55: Inzwischen ist offenbar eine Liste mit möglichen Kosten aus ungeklärten Rechtstreitigkeiten aufgetaucht. Laut Wall Street Journal sollen sich die Positionen darauf auf insgesamt 350 Milliarden Yen summieren. Foxconn habe deshalb die erforderliche Unterschrift unter den Vertrag vorerst verweigert. Grundsätzlich könnte der Vertrag nun daran scheitern. Da sich die beiden Firmna aber bereits weitgehend geeinigt hatten, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Modalitäten und der Höhe der Zahlungen. Außerdem könnte der von einem Betrugsversuch nur schwer zu unterscheidende Fauxpas einige Sharp-Manager ihren Posten kosten.

Versuche der von der japanischen Regierung unterstützten Innovation Network Corp. of Japan, Sharp durch eine Finanzspritze in Höhe von 300 Milliarden Yen und Kreditzusagen in Höhe von weiteren 200 Milliarden Yen zu sanieren, müssen damit als gescheitert betrachtet werden. Die Bemühungen sollten verhindern, dass ein ausländisches Unternehmen die Kontrolle über einen der großen, japanischen Elektronikkonzerne und dessen geistiges Eigentum übernehmen kann. Foxconn hatte bereits 2012 einmal offiziell Interesse an Sharp bekundet. Damals scheiterten die Gespräche aber an unterschiedlichen Vorstellungen über die Zusammensetzung der Führungsebene.

Seitdem hat sich allerdings die Verhandlungsposition für die Japaner deutlich verschlechtert. Die seitdem aufgehäufte Gesamtverschuldung des Konzerns liegt inzwischen bei über 800 Milliarden Yen. Sie ist auf die schlechten Geschäfte von Sharp in den vergangenen vier Jahren zurückzuführen, in denen das Unternehmen Verluste von insgesamt rund 1,1 Billionen Yen geschrieben und dadurch auch seine zuvor vorhandenen Barreserven aufgebraucht hat. Die Schuld an der Misere geben Beobachter der immer stärker werdenden Konkurrenz aus China und Südkorea.

Tatsächlich dürfte der Grund aber Sharps Unfähigkeit sein, angemessen darauf zu reagieren. Das räumt Sharp inzwischen teilweise auch selber ein. Das Unternehmen spricht unter anderem von von fehlenden Restrukturierungsmaßnahmen und mangelndem Anpassungsvermögen an sich rasch wechselnde Marktgegebenheiten insbesondere beim LCD-TV-Geschäft in Amerika, führt aber auch den Preisverfall und die stagnierende Nachfrage im Solargeschäft als Begründung an.

Für Foxconn ist bei Sharp insbesondere Know-how und Technologie von Sharps-LCD-Geschäft interessant (Screenshot: ITespresso).
Kurzfristig ist für Foxconn bei Sharp insbesondere Know-how und Technologie von Sharps-LCD-Geschäft interessant (Screenshot: ITespresso).

Für Foxconnn ist die Übernahme ein wichtiger Erfolg. Das als Auftragsfertiger für Firmen wie Apple und HP groß gewordenen Unternehmen bemüht sich schon seit Jahren, sich zu einem breiter aufgestellten Unternehmen weiterzuentwickeln. Sharp passt gut zu Foxconn, da es nicht nur Fernseher, Drucker, Küchengeräte und Kassensysteme entwickelt und fertigt, sondern auch zu den wichtigsten Herstellern von Displays für Smartphones und Tablets zählt. Insbesondere an diesem Bereich soll Foxconn Beobachtern zufolge interessiert sein, könnte es damit doch seinen Kunden, darunter Apple, Amazon und Xiaomi, eine größere Fertigungstiefe anbieten.

Know-how und Technologie von Sharp in diesem Bereich wird voraussichtlich in zwei Foxconn-Werke in Zhengzhou in Mittel-China beziehungsweise Guizhou in Südwest-China einfließen. Sie werden geplant beziehungsweise eingerichtet und sollen 2018 respektive 2017 mit der die Serienproduktion kleiner und mittelgroßer LCD-Panel mit LTPS-Technologie (Low Temperature Polysilicon) beginnen. Diese Technologie benötigt weniger Energie, bietet aber bessere Auflösung und mehr Farbbrillianz als TFT-LCDs.

Sharp-Gründer Tokuji Hayakawa (rechts), beim Test von Radiogeräten Mitte der Zwanziger Jahre. Der Erfinder hatte zuvor einen stets scharfen, mechanischen Stift (daher der Firmenname „Sharp“) entwickelt und auf den Markt gebracht und erweiterte das Geschäft dann als erster Anbieter von Radios in Japan in den Elektronikbereich (Bild: Sharp).
Sharp-Gründer Tokuji Hayakawa (rechts), beim Test von Radiogeräten Mitte der Zwanziger Jahre. Der Erfinder hatte zuvor einen stets scharfen, mechanischen Stift (daher der Firmenname “Sharp”) entwickelt und auf den Markt gebracht und erweiterte das Geschäft dann als erster Anbieter von Radios in Japan in den Elektronikbereich (Bild: Sharp).

Allerdings will sich Foxconn offenbar nicht nur die für es selbst wertvollsten Rosinen herauspicken und den Rest von Sharp abwickeln, sondern hat sich mit dem Sharp-Management bereits auf Pläne für die Neuorganisation (PDF) auch anderer Bereiche geeinigt. Neben Investitionen von 200 Milliarden Yen in Serienfertigung und Vermarktung von OLED-Produkten sowie 100 Milliarden Yen für Forschung und Entwicklung bei der Display-Sparte sind auch 4,5 Milliarden Yen für die Weiterentwicklung von Dies und Formen im Bereich Consumer-Elektronik und IoT-Geräten sowie 12 Milliarden Yen für Verbesserungen in der Produktion bei Sharps Geschäft im Bereich Automotive und Internet der Dinge eingeplant.

50 Milliarden Yen sollen aufgewendet werden, um das Geschäft mit Druckern, insbesondere Multifunktionsgeräten, wieder anzuschieben. Diesbezüglich ist aber vor allem der Ausbau von Vertrieb und Lösungsgeschäft anvisiert. Außerdem soll von dem Betrag ein Teil in zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie Robotik gesteckt werden. Möglicherweise stellt Sharp aber das Geschäft – zumindest mit einzelnen Produktkategorien – in Europa noch einmal auf den Prüfstand. Die gut 32 Milliarden Yen, die für Werbung und Verbesserung der Markenbekanntheit eingeplant sind, sollen nämlich schwerpunktmäßig in Japan, China und weiteren Ländern in Asien investiert werden.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

Folgen