Lenovo legt Strategie im Mobilfunkbereich dar

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Motorola Lenovo (Bild: Motorola/Lenovo)

Die war nach der Übernahme von Motorola Mobility im vergangenen Jahr bislang recht unklar. Zunächst wurde angenommen, Lenovo führe die gut eingeführte Marke fort, dann wurde berichtet, sie werde nahezu ganz aufgegeben. Jetzt hat das chinesische Unternehmen einen Mittelweg gefunden.

Rick Osterloh, Präsident von Motorola Mobility, hat auf einer Presseveranstaltung am Rande des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona etwas mehr Klarheit in die Zukunft der Marke Motorola gebracht und die Strategie des neuen Besitzers Lenovo im Mobilfunkbereich umrissen. Er bestätigte damit im Wesentlichen Aussagen, die er bereits im Vorfeld der CES Anfang Januar gemacht hatte, präzisierte sie aber noch etwas, wie zum Beispiel Ina Fried bei Recode berichtet.

Motorola Lenovo (Bild: Motorola/Lenovo)

Demnach soll der Name Motorola doch nicht ganz aufgegeben, aber allmählich seltener verwendet werden. Das Unternehmen will sich stattdessen auf die Marke Moto und das an eine Fledermaus erinnernde Logo konzentrieren. Motorola wird demnach als Lenovo-Tochter weiterbestehen und für Design und Fertigung von Telefonen zuständig sein. Im Kontakt mit Verbrauchern könnte der Name Motorola bei den von Verizon als Droid vertriebenen Telefonen weiterbestehen, die schon früher als “Droid by Motorola” verkauft wurden. Derzeit wird darüber mit dem US-Mobilfunkbetreiber offenbar gerade verhandelt.

Moto G3 (Bild: Motorola)
Das Moto G 3 (Bild: Motorola).

Im Hinblick auf die Neuordnung der Produktlinien erklärte Motorola-Präsident Osterloh in Barcelona nun, das die gut eingeführten und sich auch gut verkaufenden Reihen Moto G und Moto E mit günstige Smartphones beibehalten werden sollen. Grundsätzlich ändere sich da nichts im Vergleich zu der Zeit, als Motorola zu Google gehört hatte, so Osterloh. Das Unternehmen werde lediglich anfangen, im Marketing den Namen Lenovo parallel zur Marke Moto zu verwenden.

Wie bereits zur CES angedeutet, wird die Produktreihe Lenovo Vibe künftig für günstige Einsteigergeräte, die Marke Moto eher für teurere Modelle verwendet werden. Ansätze, die Vibe-Familie durch Besonderheiten wie integrierte Projektoren aufzuwerten, sind damit wohl Vergangenheit. Osterloh erklärte nun, Ziel sei es in Zukunft, Neuerungen zuerst in die Moto-Reihen zu integrieren. Die Rolle, die Lücke zwischen beiden Produktlinien zu überbrücken und sich dabei auch teilweise mit ihnen zu überschneiden fällt wohl der Serie Moto E zu.

Insgesamt sollen die Marken Moto und die Marke Vibe ihre “Identität bewahren” – unter der Haube werde man aber Software und Entwicklung angleichen. Außerdem wird es wohl länderspezifische Unterschiede geben. So sollen die Vibe-Produkte zum Beispiel zumindest vorerst nicht in den USA angeboten werden. Ob in Deutschland die Medion-Produkte ihre Rolle übernehmen, ist noch offen.

Beim 2014 vorgestellten  Vibe Z2 experimentierte Lenovo mit Extensions und nahm damit ein bisschen das vorweg, was LG jetzt beim soeben präsentierten G5 - allerdings eleganter - umgesetzt hat (Bild: CNET.de).
Beim 2014 vorgestellten Vibe Z2 experimentierte Lenovo mit sogenannten Extensions und nahm damit ein bisschen das vorweg, was LG jetzt beim soeben präsentierten G5 – allerdings eleganter – umgesetzt hat (Bild: CNET.de).

Das Motorola-Projekt Hint, das intelligente Assistenzfunktionen mit einem herkömmlichen Bluetooth-Headset verknüpfte, wird Lenovo nicht weiter verfolgen. Sony, LG und weitere Firmen zeigen zwar vergleichbare Produkte auf dem MWC, Osterloh wie aber darauf hin, dass der Markt für Bluetooth-Headsets rückläufig sei, da in immer mehr Fahrzeugen bereits deren Hersteller für die Bluetooth-Verbindung zum Mobiltelefon Sorge getragen habe. Hint sei zwar ein tolles Produkt, es sei aber schwer, es angesichts des stark geschrumpften Marktes zum kommerziellen Erfolg zu führen, meint Osterloh.

Cooles Produkt aber kommerziell nicht erfolgreich vermarktbar: Für das Bluetooth-Headset Moto Hint sieht Lenovo keine Zukunft (Bild: Motorola).
Cooles Produkt aber kommerziell nicht erfolgreich vermarktbar: Für das Bluetooth-Headset Moto Hint sieht Lenovo keine Zukunft (Bild: Motorola).

Und der ist natürlich wichtig. Laut Osterloh ist das kombinierte Mobilgeschäft bei Lenovo nun profitabel, musste aber Rückgänge beim Marktanteil in China verkraften. Das führt Osterloh darauf zurück, dass man sehr vom Verkauf über Provider abhängig war, deren Rolle aber wegen geänderter Kaufgewohnheiten der Verbraucher und Verkaufsgewohnheiten anderer Hersteller, womit er wahrscheinlich Firmen wie Xiaomi, Oppo und Coolpad meint, unwichtiger geworden ist. Nehme man China bei den Stückzahlen aus, legten diese zu.

Ein wesentliches Element der Lenovo-Strategie für Mobiltelefone sei es nun 2016 und 2017 das Geschäft in China wieder anzuschieben. Außerhalb des Lenovo-Heimatmarktes wachse man vor allem in Ländern wie Indien, Brasilien, Russland, Mexico und Argentinien. Daran könne man am ehesten sehen, welche Vorteile der Zusammenschluss von Lenovo und Motorola biete. In Europa sieht man davon offenbar noch nicht viel.

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