Die Cloud und der deutsche Mittelstand

Cloud

Der Hype ist lange vorbei, die Diskussion nicht. Obwohl Cloud Computing bei Unternehmen zum Geschäftsalltag gehört, sind Experten noch skeptisch. Einige behaupten sogar, kleinere Firmen hätten ihre Verantwortung bei der Cloud-Nutzung noch nicht verstanden. ITespresso.de hat dazu Salesforce-Manager Harald Esch befragt.

Seit Jahren gehört Cloud Computing zu den Megatrends nicht nur der IT-Branche, sondern der ganzen Wirtschaft. Der Hype ist längst vorbei, für viele Unternehmen gehört die Cloud zum Alltag. Andererseits gibt es immer noch zahlreiche Skeptiker, die lautstark vor den Sicherheitsproblemen warnen oder auf die mangelnde Akzeptanz der Cloud bei kleineren Unternehmen hinweisen.

Das Marktforschungsunternehmen Crisp Research fasst das in einer Studie gut zusammen. Demnach setzen sich über 85 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen “intensiv mit dem Thema auseinander und befinden sich in der Planung, Implementierung oder bereits im produktiven Betrieb”. Laut Crisp setzt eine Mehrheit der deutschen Mittelständler auf “hybride und Multi-Cloud-Architekturen”.

Andererseits fehle dem deutschen Mittelstand “das Verständnis für die eigene Verantwortlichkeit im Rahmen der Public-Cloud-Nutzung”. Die Manager schieben laut Crisp-Analyst René Büst “die Verantwortung für den Betrieb und die Sicherheit der eigenen Applikationen und Systeme auf den Anbieter.”

Liegt hier also einiges im Argen? Wie steht es um die Cloud-Nutzung mittelständischer Unternehmen in Deutschland? Welche Probleme gibt es? Und was kann man Unternehmen raten, die beispielsweise ihre Geschäftsprozesse und ihr Customer Relationship Management (CRM) mit einem Cloud-Dienstleister organisieren?

Fragen an den Salesforce-Manager

Diese Fragen beantwortet Salesforce-Manager Harald Esch im Interview mit ITespresso. Salesforce gehört zu den größten Anbietern im Cloud-Geschäft. Das 1999 von Marc Benioff in San Francisco gegründete Unternehmen gilt auch als führender Anbieter im Bereich von Customer Relationship Management und ist in dem Segment ein direkter Konkurrent von SAP. Harald Esch ist bei Salesforce als Area Vice President Commercial Sales für die Betreuung der klassischen Mittelständler und der kleinen Unternehmen mit 1 bis 100 Mitarbeitern zuständig.

Das Unternehmen, das die Cloud schon im Logo hat. Salesforce, der CRM- und Cloud-Spezialist aus San Francisco, wird auch auf der CeBIT 2016 präsent sein (Screenshot: Mehmet Toprak)
Das Unternehmen, das die Cloud schon im Logo hat. Salesforce, der CRM- und Cloud-Spezialist aus San Francisco, wird auch auf der CeBIT 2016 präsent sein (Screenshot: Mehmet Toprak).

ITespresso: In einer Studie behauptet das Marktforschungsunternehmen Crisp, der Mittelstand schiebe die Verantwortung für den Betrieb und die Sicherheit der eigenen Applikationen und Systeme auf den Anbieter ab. Wie sehen Sie das?

Harald Esch: Viele Mittelständler verfügen anders als große Konzerne gar nicht über die notwendigen Ressourcen, um sich wirksam vor den immer ausgefeilteren Angriffen von weltweit agierenden Hackern zu schützen. Daher sehe ich das nicht als Abschieben von Verantwortung, sondern es ist wichtig und sinnvoll, wenn Mittelständler im Bereich der Datensicherheit auf Unterstützung ihres Cloud-Anbieters setzen. So sehen wir bei Salesforce auf jeden Fall unsere Rolle und setzen dementsprechend auf allerhöchste Sicherheitsstandards.

ITespresso: Wie findet man als kleines Unternehmen zwischen den Konzepten Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud das richtige Modell?

Harald Esch: Eine Private Cloud bietet nicht das Maß an Skalierbarkeit, das Unternehmen von einer Cloud-Lösung erwarten können und sollten. Wenn man die Vorteile des Cloud Computing also voll ausschöpfen möchte, sollte man auf eine Hybrid oder Public Cloud setzen.

In unserer Salesforce Enterprise Cloud haben Kunden alleinigen Zugriff auf ihre Daten und verwalten die Zugriffsrechte. Infrastrukturen und Datenbanken wiederum werden geteilt, damit die Skalierbarkeit gegeben ist. Die Salesforce Cloud verfügt über höchste Sicherheitsstandards und hat außerdem das Siegel des TüV Rheinland. So verbinden wir maximale Sicherheit für sensible Geschäftsdaten mit den Vorteilen der Cloud.

ITespresso: Muss man für die Nutzung der Cloud und insbesondere die Umstellung auf neue Geschäftsprozesse sehr viel Geld investieren?

Harald Esch: Die nötigen Investitionen sind in Relation zum Nutzen zu sehen. Die Cloud ist ja kein Selbstzweck, ebenso wenig wie die Anpassung althergebrachter Prozesse. Beides steht stattdessen im Kontext mit der Frage nach der Strategie für eine erfolgreiche Zukunft von Unternehmen.

Als Entscheider sollte man sich daher einige wichtige Fragen stellen. Wie muss ich mein Geschäftsmodell verändern, um mich den heutigen Marktanforderungen anzupassen? Wie schaffe ich es, die Erwartungen meiner Kunden so genau wie möglich zu kennen und mein Angebot so zu gestalten, dass ich weiter wettbewerbsfähig bleibe? Kann ich die notwendigen Veränderungen, beispielsweise die stärkere Nutzung mobiler Geräte und die damit verbundene orts-unabhängige Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen, ohne Cloud besser und günstiger erreichen?

Eine Investition in die Cloud ist meiner Überzeugung nach der beste Weg, die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen und sogar eine zwingende Voraussetzung, um überhaupt im Geschäft zu bleiben. Das gilt insbesondere für den Mittelstand, der ohne Cloud seine Digitale Transformation nicht mit dem nötigen Tempo vorantreiben könnte.

Auch für kleine Unternehmen und Startups hat Salesforce eine CRM-Lösung im Angebot (Screenshot: Mehmet Toprak).
Auch für kleine Unternehmen und Startups hat Salesforce eine CRM-Lösung im Angebot (Screenshot: Mehmet Toprak).

ITespresso: Die Anzahl der Cyberattacken auf Mittelständler nimmt kontinuierlich zu. Ist es da wirklich sinnvoll, immer mehr Daten in die Cloud zu schieben?

Harald Esch: Die Cyberattacken sind gerade für Mittelständler kein Grund, die Cloud zu meiden, sondern im Gegenteil ein wichtiges Argument dafür, in die Cloud zu gehen. Schließlich sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Salesforce weit höher als jene, die von den meisten Unternehmen aufgrund begrenzter Ressourcen in ihren eigenen Rechenzentren realisiert werden können.

Bei uns sind die Daten unserer mehr als 200.000 Kunden so stark abgesichert, dass selbst wir keinen Zugriff darauf haben. Dieser Zugangsschutz in Kombination mit starker Verschlüsselung bietet maximale Sicherheit. Der TÜV Rheinland hat unser Angebot übrigens gerade im Rahmen der Zertifizierung als “Certified Cloud Service” unter die Lupe genommen und festgestellt, dass Salesforce “Sicherheit, Datenschutz und Compliance sehr ernst” nimmt. Das zeigt, dass Unternehmen uns beim Thema Sicherheit guten Gewissens vertrauen können.

ITespresso: Worauf muss man als Kunde achten, wenn man die Unternehmensdaten bei der Cloud-Nutzung sichern will?

Harald Esch: Das kommt darauf an, was Sie unter “sichern” verstehen. Bei der sicheren Speicherung der Daten ist auf die vom Provider eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen zu achten. Empfehlenswert sind zum Beispiel IP-Einschränkungen, zweistufige Authentifizierung, Kennwertrichtlinien, Sitzungsschwellenwerte und Identitätsbestätigungen etwa per SMS. Bei der Datensicherung im Sinne von Backup sollte der Provider über ein zweites, gespiegeltes Rechenzentrum an einem weiter entfernten Ort verfügen, um auch bei größeren Katastrophen wie Erdbeben oder Flut keine Daten zu verlieren.

ITespresso: Salesforce bietet CRM-Lösungen für kleine Unternehmen und Start-ups. Sind Angebote wie Service Cloud oder Marketing Cloud für die ganz kleinen weniger geeignet?

Harald Esch: Unsere Lösungen sind grundsätzlich für alle Unternehmensgrößen geeignet. Schließlich sind auch wir vor wenigen Jahren als kleines Unternehmen gestartet und agieren noch heute praktisch wie ein Start-up. Inzwischen werden unsere Lösungen weltweit von mehr als 200.000 Unternehmen eingesetzt, dazu gehören Start-ups, Mittelständler und Konzerne aus unterschiedlichen Branchen.

Aufgrund der Modularität unserer Lösungen können kleine Unternehmen genau die Produkte einsetzen, die sie benötigen, und sie später bei Bedarf erweitern. Während der Einstieg beispielsweise oftmals über die Sales Cloud erfolgt, kommen dann später schrittweise Service Cloud und Marketing Cloud hinzu.

"Eine Investition in die Cloud ist eine zwingende Voraussetzung, um überhaupt im Geschäft zu bleiben." Salesforce-Manager Harald Esch betreut mittelständische Unternehmen und kennt daher die Probleme der kleinen und mittelständischen Unternehmen, wenn es um die digitale Transformation geht (Foto: Salesforce).
“Eine Investition in die Cloud ist eine zwingende Voraussetzung, um überhaupt im Geschäft zu bleiben.” Salesforce-Manager Harald Esch betreut mittelständische Unternehmen und kennt daher die Probleme der kleinen und mittelständischen Unternehmen, wenn es um die digitale Transformation geht (Foto: Salesforce).

ITespresso: Wie unterstützt ein seriöser Cloud-Anbieter ein kleines Unternehmen?

Harald Esch: Er unterstützt es einerseits durch seine hochklassigen und auch für kleine Unternehmen einsetzbaren Produkte, andererseits durch Zusatzservices wie Vertriebsunterstützung sowie Beratung, Konzeption und Implementierung über eine vielfältige Partnergemeinde.

ITespresso: Welche Rolle spielt das Thema Datenkompatibilität, gerade im Hinblick darauf, dass ein Unternehmen auch mal den Anbieter wechselt oder Daten von einer Cloud in die andere transferiert?

Harald Esch: Datenkompatibilität spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Cloud-Providers, um den gefürchteten Vendor-Lock-In zu vermeiden. Da wir alle gängigen Schnittstellen unterstützen und offene Interfaces nutzen, funktioniert die Übertragung der Daten bei Salesforce stets reibungslos. Die Herausforderung liegt aber in deren Logik, also in der Verknüpfung der Daten untereinander und mit Prozessen. Auch diese Übertragung ist heute immer möglich, kann aber Zeit und Geld kosten.

ITespresso: Gerade in Deutschland werden fehlende Bandbreiten oft al ein Problem für Unternehmen genannt, die beim Cloud Computing auf schnelle Datenleitungen angewiesen sind. Sehen Sie das auch so?

Harald Esch: Nach aktuellen Studien von Statista und Cisco liegt Deutschland tatsächlich nicht in der Spitzengruppe, hauptsächlich aufgrund größerer weißer Flecken in ländlichen Regionen sowie der oft mangelhaften mobilen Verbindung. Wer häufiger im Zug unterwegs ist oder in Häuserschluchten mit seinem Smartphone surfen will, kennt das Problem. Hier besteht also noch Verbesserungspotenzial, auch wenn die Bandbreite für die meisten Unternehmen in Städten und größeren Gemeinden in Ordnung ist.

Immerhin schon 52 Prozent der Unternehmen mit 100 - 499 Mitarbeitern nutzen Cloud Computing. Das zeigt eine Bitkom-Studie von 2015 (Grafik: Bitkom).
Immerhin schon 52 Prozent der Unternehmen mit 100 – 499 Mitarbeitern nutzen Cloud Computing. Das zeigt eine Bitkom-Studie von 2015 (Grafik: Bitkom)

ITespresso: Benötigt die Cloud in Europa mehr Standardisierung?

Harald Esch: Nein. Wir Deutsche tendieren oft dazu, nach Standardisierung zu rufen, aber in der Regel bringt sie uns nicht wirklich weiter. Im Gegenteil: Heute kommt es darauf an, schnell auf neue Marktgegebenheiten reagieren zu können. Hier sind starre Regularien eher hinderlich. Die neue digitale Währung neben Daten ist Geschwindigkeit, und deswegen können wir auf eine langwierige Standardisierung oft nicht warten.

ITespresso: Welche Vorteile hat der Mittelstand durch Cloud-Nutzung, außer, dass er mit dem allgemeinen Trend mithalten kann?

Harald Esch: Natürlich lassen sich hier die bekannten Vorteile aufzählen wie höhere Schnelligkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit. Doch Cloud ist nicht gleich Cloud. So gibt es reine Infrastruktur-, Plattform- oder Anwendungs-Services, Basisdienste oder höherwertige Lösungen. Diese bringen je nach Szenario weitere Vorteile wie durchgängige Business-Prozesse, transparentere Nutzung oder Abfederung von Spitzenlasten.

ITespresso: Salesforce hat Desk.com und SalesforceIQ in eine einheitliche Lösung integriert. Warum ist das für den Kunden besser? Kann man die zwei Dienste trotzdem auch getrennt nutzen?

Harald Esch: Ja, man kann die Dienste auch eigenständig nutzen, gemäß unserem modularen Lösungsansatz. Die Integration von Desk.com und SalesforceIQ überwindet aber nicht nur Grenzen zwischen Service- und Sales-Teams für eine einheitliche Kundensicht, sondern gibt Unternehmen auch Informationen über Zusammenhänge. Durch die Integration profitieren kleine und mittelständische Unternehmen von intelligenteren Kundenservices, detaillierteren Vertriebsinformationen sowie der schnellen Vernetzung von Kundenservice und Vertrieb.

Besser als gedacht: Zwar nutzen nur 16 der Unternehmen eine Public Cloud, doch 73 Prozent dieser Unternehmen haben positive Erfahrungen gemacht. 39 Prozent bevorzugen die Private Cloud, von diesen haben 78 Prozent positive Erfahrungen gemacht. Das zeigt eine Bitkom-Studie von 2015 (Grafik: Bitkom).
Besser als gedacht: Zwar nutzen nur 16 der Unternehmen eine Public Cloud, doch 73 Prozent dieser Unternehmen haben positive Erfahrungen gemacht. 39 Prozent bevorzugen die Private Cloud, von diesen haben 78 Prozent positive Erfahrungen gemacht. Das zeigt eine Bitkom-Studie von 2015 (Grafik: Bitkom).

ITespresso: Einige Studien sagen, dass durch die Digitalisierung viele Jobs verloren gehen.

Harald Esch: Tatsächlich werden in bestimmten Bereichen Arbeitsplätze verloren gehen, doch an vielen anderen Stellen auch neue entstehen. Die Bilanz wird dabei deutlich positiv sein. So ergab eine von uns bei IDC in Auftrag gegebene Studie, dass alleine Salesforce-Kunden und das Ökosystem der Salesforce-Partner bis Ende 2018 weltweit mehr als 1 Million Jobs erzeugen.

In Deutschland sind über 10.000 neue Arbeitsplätze zu erwarten und ein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 3,4 Milliarden Euro. Schon dies zeigt, dass Deutschland ein sehr wichtiger Markt für Salesforce ist. Entsprechend haben wir nicht nur in unser neues Rechenzentrum investiert, sondern uns entschlossen, als Partner der Deutschen Messe unsere Salesforce World Tour in diesem Jahr im Rahmen der CeBIT 2016 zu veranstalten.

ITespresso: Wie wichtig ist der Faktor “Vertrauen” in der digitalen Wirtschaft?

Harald Esch: Die Sicherheit, Verfügbarkeit und Performance von Anwendungen und Daten sind heute der wichtigste Bestandteil einer Firma. Schließlich sind praktisch alle Geschäftsbereiche für die Abwicklung ihrer Business-Prozesse abhängig von Technologie. Wir bieten nicht nur eine 99,99-prozentige Verfügbarkeit, sondern auch eine hohe Sicherheit der Daten, indem wir sie verschlüsseln und in der Salesforce-Cloud noch einmal beschreiben, so dass sie für einen potentiellen Spion keinen Sinn ergeben. Mehr Informationen zu unseren zusätzlichen Sicherheitskomponenten gibt es auf unserer Trust-Seite.

Tipp der Redaktion: Ab in die Cloud – steht dieses Motto bei Ihrer Firma auch ganz oben auf der Liste? Über Kurz oder Lang führt womöglich kaum ein Weg daran vorbei. Doch stürzen Sie sich nicht planlos ins Abenteuer. ITespresso.de erklärt, worauf kleine und mittelständische Unternehmen achten sollten.