Frankreich will eigenes Tastaturlayout standardisieren

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Tastaturlayout FRankreich (Bild: Shutterstock/Markus Mainka)

Die französische Regierung bereitet eine landesspezifische Norm für Computertastaturen vor. Grund ist einerseits, dass es in Frankreich anders als in Deutschland oder Großbritannien mit der Qwertz- oder Qwerty-Tastatur nicht ein einheitliches System gibt. Andererseits sind auf den verwendeten Tastaturen französisch-typische Zeichen oft nur kompliziert aufrufbar.

In Frankreich plant einem Bericht des Parlaments zufolge das Ministerium für Kultur und Kommunikation eine Norm für die Standardisierung von Tastaturen im Informatikbereich einzuführen. Ein entsprechendes Projekt beim Afnor (Association française de normalisation) – dem Pendant zum Deutschen Instutit für Normung (DIN) – wurde bereits angestoßen. Der finale Normungsentwurf soll im Sommer 2016 der Öffentlichkeit zur Diskussion vorgelegt werden.

Die Vorlage wird gleich mit mehreren Argumenten begründet. Zum einen sei es mit den derzeit verwendeten Tastaturen oft schwierig, gewisse, im Französischen vorkommende Zeichen einzugeben. Dazu gehörten etwa Großbuchstaben mit Akzenten, die Ligaturen æ und œ in Klein- und Großbuchstaben sowie die sogenannten französischen Anführungszeichen. Besonders merkwürdig ist das derzeit verwendete System für Außenstehende bei der Eingabe von Zahlen: Verfügt die Tastatur über keinen Nummernblock, muss jedes Mal die Umstelltaste gedrückt werden, um sie über die oberste Reihe der Tasten aufrufen zu können.

Neben diesen nun festgestellten Mängeln an der Hardware – zu denen noch die Heterogenität aufgrund der Vielzahl der Hersteller kommt, die teilweise eigene Tastenbelegungen favorisieren – gibt es laut ITespreeso.fr auch diverse Probleme durch die Software. Je nach Betriebssystem sind bestimmte Zeichen, die sich unter Windows aufrufen lassen, unter OS X gar nicht oder lediglich unter anderen Tastenkombinationen verfügbar. Umgekehrt gilt übrigens dasselbe.

Brother-Deluxe-650-TR (Bild: ITespresso.de/Peter Marwan)
Die QWERTY-Tastaturen stammen aus der Zeit der Schreibmaschinen – in der es weder die Tastenkombination “Alt+Strg+Entf” noch Windwos- odr Apfel-Tasten gab (Bild: ITespresso.de/Peter Marwan).

In Frankreich wird, ebenso übrigens wie in Belgien, der Schweiz und Kanada, wo ähnliche Normierungsvorschläge gemacht wurden, angestrebt, “neue Möglichkeiten zu schaffen beziehungsweise Besonderheiten der Schrift berücksichtigen zu können, um auf die Erfordernisse des Marktes zu einzugehen.” Prämisse dabei ist generell, die gewohnte AZERTY-Tastatur beizubehalten – also an der Anordnung der Buchstaben des Alphabets auf der Tastatur, wie sie Franzosen seit über einem Jahrhundert kennen.

Ein 1907 unternommener Versuch mit “ZHJAYSCPG”-Tastaturen blieb ebenso erfolglos wie zwei weitere, spätere Reformansätze. Allerdings ist auch die AZERTY-Tastatur nur eine Abwandlung der amerikanischen QWERTY-Variante, die gegen Ende der 1870-er-Jahre aufkam und damals für Schreibmaschinen gedacht war. Ziel war es, Tippfehler weitgehend zu vermeiden, indem die am häufigsten benutzen Buchstaben möglichst weit auseinander platziert wurden, um so Verwechselungen zu vermeiden.

Ein erster Versuch zur Erneuerung des Tastaturlayouts wurde in Frankreich 1985 unternommen. Damals sollte im Rahmen eines “Informatik für alle” genannten Konzepts logische Blöcke gebildet werden – etwa indem Buchstaben mit Akzenten, Interpunktionszeichen und Ziffern zusammengefasst wurden. In die Praxis umgesetzt wurde das offenbar nie.

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