Abmahnwelle droht: Weiterempfehlungs-Button auf Webseiten wettbewerbswidrig

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Gerichtsurteil (Bild: Shutterstock/ER_09)

Das hat jetzt das Oberlandesgericht Hamm entscheiden. Mit dem aktuellen Urteil bestätigt es die aus einem früheren Verfahren beim selben Gericht von Beobachtern abgeleitete Interpretation der Rechtslage. Allerdings hatten Juristen die bezweifelt. Sie rechnen nun mit einer neuen Abmahnwelle.

Verkäufer bei Amazon verstoßen gegen das Wettbewerbsrecht, wenn mit E-Mails, die durch die Weiterempfehlungsfunktion der Plattform versandt werden, für ihr Verkaufsangebot gegenüber Dritten geworben wird, die zuvor dem Erhalt der Werbe-E-Mails nicht ausdrücklich zugestimmt haben. Auf eine entsprechende Entscheidung (Aktenzeichen 4 U 59/15) hat das Oberlandesgericht Hamm jetzt hingewiesen. Es hatte damit das Urteil des Landgerichts Arnsberg bestätigt.

Weiterempfehlungs-Button auf Webseiten ist wettbewerbswidrig (Bild: Shutterstock/Gunnar Pippel)

Die Richter des OLG Hamm sehen in den bei Marktplätzen wie Amazon und Ebay versendbaren Empfehlungs-Mails eine unzulässige Belästigung der Empfänger, die nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verboten ist. Der Verkäufer müsse sein eigenes Angebot und das Portal auf mögliche Rechtsverstöße prüfen und beim Betreiber darauf drängen, dass Mängel abgestellt werden, erklären die Richter aus Hamm.

“Diese Entscheidung wird dazu führen, dass alle Anbieter auf Ebay und Amazon und vergleichbaren Portalen in den kommenden Wochen mit Abmahnungen zu rechnen haben”, erklärt der Berliner Anwalt Johannes von Rüden von der Kanzlei Werdermann | von Rüden. “Denn nach der Argumentation des OLG Hamm mache sich der Nutzer die Funktionen des Portals zu eigen. Es ist damit zu rechnen, dass Portale wie Ebay in den kommenden Wochen ihre Portale überarbeiten und die Empfehlungsfunktion abschaffen werden.“

Johannes von Rüden Rechtsanwalt
“Diese Entscheidung wird dazu führen, dass alle Anbieter auf Ebay und Amazon und vergleichbaren Portalen in den kommenden Wochen mit Abmahnungen zu rechnen haben”, befürchtet der Berliner Anwalt Johannes von Rüden (Bild: Abmahnhhelfer.de).

Damit hat sich nun ein Anbieter von Sonnenschirmen mit seiner Ansicht vor Gericht wirklich durchgesetzt. Er hatte im September 2014 erstmals Mitbewerber wegen dieser Funktion bei Amazon und Ebay abgemahnt. In den Abmahnungen wurde auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12. September 2013 (Aktenzeichen I ZR 208/12) Bezug genommen. In der Entscheidung führen die Richter des BGH aus: “Schafft ein Unternehmen auf seiner Website die Möglichkeit für Nutzer, Dritten unverlangt eine sogenannte Empfehlungs-E-Mail zu schicken, die auf den Internetauftritt des Unternehmens hinweist, ist dies nicht anders zu beurteilen als eine unverlangt versandte Werbe-E-Mail des Unternehmens selbst.” Diese Rechtsauffassung untermauerte der BGH dieses Jahr bereits noch einmal, indem er auch der Klage einer Verbraucherschutzorganisation wegen der Funktion “Freunde finden” bei Facebook stattgegeben hat.

Ein erstes Verfahren wurde bereits im Dezember 2014 ohne Entscheidung vor dem OLG Hamm abgeschlossen (Aktenzeichen I-4 U 154/14). Damals kam es nicht zu einem Urteil, weil die Parteien sich darauf geeinigt hatten, dass eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben wird. Das Gericht musste daher nicht mehr über den Unterlassungsanspruch entscheiden, wie Ehssan Khazaeli von der Kanzlei Werdermann | von Rüden gegenüber ITespresso mitgeteilt und das Gericht auf Nachfrage bestätigt hat. Die Einsicht der unterlegenen Partei war aber damals offenbar darauf zurückzuführen, dass das Gericht dem Händler erklärt hat, dass er seiner Ansicht nach auch für Rechtsverstöße von Amazon haftet, wenn er dessen Marketing-Tools verwendet und wenn die Mails letztlich von einem Nutzer ausgelöst werden.

Diese Sichtweise zweifelten andere Juristen bereits damals an. Sie gingen davon aus, dass der Händler zumindest bei Amazon nicht belangt werden könne, da ihm der Versand der Mail nicht zuzurechnen sei. Er trete in der Empfehlungs-E-Mail schließlich nicht als Absender in Erscheinung und werde weder im Betreff noch im Inhalt erwähnt. Möglicherweise auch deshalb ließ es ein anderer Abgemahnter nun doch darauf ankommen und führte eine Entscheidung herbei.

Nicht nur auf diversen Marktplätzen, auch auf Firmen-Websites sieht man die nun vom OLG Hamm beanstandete Empfehlungfunktion häufig. Hier ein Beispiel von der Website des Discounters Penny (Screenshot: ITespresso).
Nicht nur auf diversen Marktplätzen, auch auf Firmen-Websites sieht man die nun vom OLG Hamm beanstandete Empfehlungfunktion häufig. Hier ein Beispiel von der Website des Discounters Penny (Screenshot: ITespresso).

Die fiel jetzt zu seinem Nachteil aus. Nach Auffassung des OLG Hamm enthält die Weiterempfehlungs-E-Mail doch Werbung, “da sie die zum Verkauf angebotenen Sonnenschirme der Beklagten mit ihrem Produktnamen abbilde und auf die Produktangebotsseite der Beklagten verlinke. Mit dem Aufrufen des Links werde auch die Beklagte als werbende Anbieterin sichtbar.”

Anwalt von Rüden gibt allerdings immer noch zu bedenken: “Die Weiterempfehlungs-E-Mail stammt nicht von dem Portal selbst, sondern ist eine vorgegebene E-Mail, die an jemand anderen weitergeleitet werden kann. Das wäre vergleichbar mit der Möglichkeit, einfach einen Link zu dem Produkt manuell per E-Mail zu versenden. Insoweit dürfte das Handeln eines Nutzer, der die Funktion nutzt, nicht dem Portal und dem Verkäufer zuzurechnen sein”, sagt von Rüden. “Umso überraschender ist es aber, dass das OLG Hamm das anders sieht.”

Verwenden Nutzer zum Beispiel die Empfehlungsfunktion bei Penny, erhalten sie solch ein bereits teilweisee vorausgefülltes Forumlar angeboten. Hat der Empfänger dem Erhalt derartiger E-Mails nicht vorab ausdrücklich zugestimmt, sind sie nach Ansicht des OLG Hamm rechtswidrig (Screenshot: ITespresso).
Verwenden Nutzer zum Beispiel die Empfehlungsfunktion bei Penny, erhalten sie solch ein bereits teilweisee vorausgefülltes Forumlar angeboten. Hat der Empfänger dem Erhalt derartiger E-Mails nicht vorab ausdrücklich zugestimmt, sind sie nach Ansicht des OLG Hamm rechtswidrig (Screenshot: ITespresso).

Die bei der Münchner Protected Shops GmbH beschäftigte Katrin Trauzold hatte den Sachverhalt beim Blog Shopanbieter.de anlässlich der ersten, bekannt gewordenen Abmahnung ähnlich gesehen. Ihrer Ansicht nach stellen die Marktplätze lediglich die technische Möglichkeit des bequemen Versands einer Empfehlungs-Mail in Form einer “Laienwerbung” zur Verfügung. “Ob das allerdings als Belästigung im rechtlichen Sinne zu beurteilen ist, muss sich erst noch – durch entsprechende gerichtliche Entscheidungen – zeigen. Derzeit erscheint es unwahrscheinlich”, so Trauzold damals. Ihre Ansicht untermauerte sie mit dem Verweis darauf, dass durch die Art und Weise des Versands keine Gefahr der ausufernden Werbung per E-Mail bestehe. Genau die wolle die Rechtsprechung aber verhindern. Auch diesbezüglich ist das OLG Hamm nun also etwas strenger gewesen, als erwartet.

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