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Tech Center a-drive soll in Ulm autonomes Fahren erforschen

Die baden-württembergische Forschungsministerin Theresia Bauer lässt sich das Testfahrzeug der Uni Ulm von Professor Klaus Dietmayer, Sprecher des Tech Center a-drive, erklären (Bild: Eberhardt/Uni Ulm)
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Es wurde jetzt von der baden-württembergische Forschungsministerin Theresia Bauer an der Universität Ulm eröffnet. Sie hatte eine Förderzusage des Landes in Höhe von 2,5 Millionen Euro im Gepäck. Weitere 5 Millionen Euro steuert die Daimler AG bei.

Baden-Württembergs Forschungsministerin Theresia Bauer hat am Montag an der Universität Ulm das Tech Center a-drive eröffnet. Mit ihm sollen, unter Federführung der Universität Ulm, die Kompetenzen baden-württembergischer Einrichtungen auf dem Gebiet automatisiertes Fahren gebündelt werden. Neben der Universität Ulm, die bereits seit 2013 Testfahrten mit autonomen Fahrzeugen durchführt, gehören dazu auch das FZI Forschungszentrum Informatik sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Die baden-württembergische Forschungsministerin Theresia Bauer lässt sich das Testfahrzeug der Uni Ulm von Professor Klaus Dietmayer, Sprecher des Tech Center a-drive, erklären (Bild: Eberhardt/Uni Ulm)
Die baden-württembergische Forschungsministerin Theresia Bauer lässt sich das Testfahrzeug der Uni Ulm von Professor Klaus Dietmayer, Sprecher des Tech Center a-drive, erklären (Bild: Eberhardt/Uni Ulm).

Das Tech Center a-drive wird zunächst mit insgesamt 7,5 Millionen Euro gefördert. 5 Millionen davon stammen von der Daimler AG, der Rest kommt jeweils zur Hälfte vom Wissenschafts- und vom Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg. Die Forscher widmen sich vor allem der Aufgabe, die Wahrnehmung und die Handlungsplanung automatisierter Fahrzeuge zu verbessern. “Lassen Sie uns alle gemeinsam – Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – mit aller Kraft eine neue Ära der Automobilität einleiten: effizient, sicher, ökologisch, komfortabel und einfach intelligent”, so Ministerin Bauer bei der Eröffnungsfeier.

Dem Ulmer Universitätspräsident Professor Michael Weber zufolge ist das Tech Center a-drive wichtig, um Baden-Württemberg weiterhin als “Automobil-Land Nummer 1” zu positionieren. “Die erforderlichen Grundlagen sind geschaffen, die beteiligten Partner nehmen allesamt eine Vorreiterfunktion auf dem Gebiet des autonomen Fahrens ein. Die Universität Ulm wird ihrerseits die Forschungsarbeiten mit Nachdruck unterstützen und begleiten”, so Weber in einer Pressemitteilung.

Heutzutage erleichtern Assistenzsysteme das Einparken oder andere Standardmanöver und unter idealen Rahmenbedingungen (PDF) steuern Testfahrzeuge bereits führerlos durch den Straßenverkehr. Dafür ist allerdings ein reibungslos und zuverlässig funktionierendes Zusammenspiel von Sensoren und Kameras nötig, die Umgebungsdaten an den Rechner im Fahrzeug schicken, der die Daten dann analysiert, auf ihrer Grundlage, sinnvolle Handlungen plant und um diese umzusetzen schließlich Lenkung und Gaspedal ansteuert. Noch bringen allerdings veränderte Witterungsbedingungen oder unübersichtliche Verkehrssituationen dieses Zusammenspiel durcheinander. Selbsterklärtes Forschungsziel des Tech Center a-drive ist es daher, die “Robustheit der Wahrnehmungs- und Handlungsplanung automatisierter Fahrzeuge zu verbessern.”

Das Team "Automatisiertes Fahren" forscht seit 2013 am Institut für Mess-, Regel und Mikrotechnik der Universität Ulm, zusammen mit der Daimler AG (Bild: Universität Ulm).
Das Team “Automatisiertes Fahren” forscht seit 2013 unter der leitung von Professor Klaus Dietmayer am Institut für Mess-, Regel und Mikrotechnik der Universität Ulm zusammen mit der Daimler AG (Bild: Universität Ulm).

Ins Tech Center a-drive bringen die Ulmer Wissenschaftler insbesondere ihr Know-how zur Sensorik, zur Sensorsignalverarbeitung, dem Multiobjekttracking und zur Informationsfusion ein. Ziel ist es, ein “umfassendes dynamisches Umgebungsmodell des Fahrzeugs sowie dessen situative Bewertung” zu entwicklen. Professor Christian Waldschmidt vom Institut für Mikrowellentechnik wird im Rahmen von a-drive zudem neuartige adaptive Sensoren entwickeln, die sich der Umgebungserfassung dienen und nicht nur auf einzelne Umweltbereiche oder Objekte ausrichten können, sondern auch unter allen Umweltbedingungen präzise funktionieren.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bringt sich zum einen mit seinem Institut für Mess- und Regelungstechnik ein, das seit Jahren an der Entwicklung autonomer Fahrzeuge forscht. Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT wird zudem die neu entstehenden Formen der Kooperation zwischen Mensch und Technik rechtlich, ethisch und sozial bewerten. Dazu soll in empirischen Studien die Sicht der Bürger untersucht und ermittelt werden, was diese sich von der neuen Technologie erhoffen und wie sie die Veränderungen wahrnehmen.

Dem hat der Bitkom zum Jahresende in einer allerdings etwas weniger umfangreichen Umfrage schon einmal vorgegriffen. Demnach sind gut sechs von zehn Deutschen gegenüber Verkehrsmitteln aufgeschlossen, die von Computern statt Menschen gelenkt werden. Jeder Zweite kann sich vorstellen, eine Straßen- beziehungsweise eine U-Bahn oder einen Zug zu nutzen, wenn kein Mensch am Steuer sitzt. 34 Prozent würden in einen autonomen PKW steigen und 30 Prozent können sich vorstellen, einen selbstfahrenden Bus zu nutzen. Jeder Achte würde sogar ein Flugzeug ohne Pilot besteigen.

Der Bitkom hat zum Jahresende 2015 die Ergebnisse einer Umfrage zum Interesse der Deutschen an autonomen Verkehrsmitteln veröffentlicht (Grafik: Bitkom).
Der Bitkom hat zum Jahresende 2015 die Ergebnisse einer Umfrage zum Interesse der Deutschen an autonomen Verkehrsmitteln veröffentlicht (Grafik: Bitkom).

Außerdem untersuchen die Wissenschaftler des FZI Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe, wie selbstfahrende Autos schnell, zuverlässig und sicher auf unerwartete oder schwer vorhersehbare Situationen reagieren können. Dazu arbeitet das FZI im Rahmen von a-drive unter anderem an der sogenannten Trajektorienplanung. Ziel dieser Arbeit ist es, dass die Fahrzeuge nicht nur kollisionsfrei und regelkonform, sondern auch sicher, effizient und aus Sicht der menschlichen Verkehrsteilnehmer kooperativ und “natürlich” – und damit für Menschen vorhersehbar – fahren.

“Für den menschlichen Fahrer ist es einfach, auf Verkehrssituationen zu reagieren, die spontan auftreten: ein Fußgänger, der eine Straße überqueren will, oder ein Paketauto, das kurzfristig zum Ausliefern den Fahrstreifen blockiert und zum Überholen über den Fahrstreifen des Gegenverkehrs verleitet. Für ein automatisiertes Fahrzeug sind derartige Fahrmanöver eine Herausforderung. Solche Situationen für das selbstfahrende Fahrzeug beherrschbar zu machen, ohne dabei den Komfort, einen effizienten Verkehrsfluss und die Sicherheit zu vernachlässigen, ist Schwerpunkt unserer Forschung im Tech Center a-drive”, erkläret Professor J. Marius Zöllner, Direktor und Vorstand am FZI Forschungszentrum Informatik.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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