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Attraktives Profilbild bei Facebook erhöht Jobchancen

Favebook (Grafik: Facebook)
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Ob sie es zugeben oder nicht: Personalverantwortliche suchen sehr wohl in sozialen Netzwerken nach Bewerbern. Außerdem lassen sie sich bei der Vorauswahl der Kandidaten vom Facebook-Profilbild beeinflussen. Das geht aus einer vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichten Studie hervor.

Das durch das Profilbild bei Facebook vermittelte Eindruck von Aussehen und Charakter einer Person fließt maßgeblich in die Entscheidung von Personalverantwortlichen darüber ein, wen sie zum Vorstellungsgespräch einladen. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftlern der belgischen Universität Gent in einem umfangreichen Feldversuch gekommen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen wurden jetzt vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht (PDF).

Den Forschern zufolge ist aus Umfragen bekannt, dass Personalverantwortliche auch in sozialen Netzwerken nach Informationen über Bewerber suchen, um sich einen Eindruck von ihnen zu verschaffen. Bislang habe es jedoch keine belastbaren Erkenntnisse darüber gegeben, wie groß der Einfluss des so gewonnenen Eindrucks auf die Auswahl von Kandidaten für ein Vorstellungsgespräch ist.

Darauf achten Personaler in Sozialen Netzwerken (Grafik: Bitkom)
Darauf achten Personaler in Sozialen Netzwerken (Grafik: Bitkom)

Die Forscher der Universität Gent verschickten für ihren Feldversuch über 2000 fiktive Bewerbungen auf echte Stellenanzeigen aus unterschiedlichen Branchen. Für jede Stelle wurden zwei inhaltlich gleichwertige Bewerbungen männlicher Hochschulabsolventen verschickt. Deren fiktive Namen waren so gewählt, dass die Suche bei Google oder Facebook ausschließlich zu einem von vier von den Forschern angelegten Facebook-Profilen führten. Die Einstellungen der Facebook-Konten waren so gewählt, dass lediglich die Profilbilder öffentlich eingesehen werden konnten. Sie unterschieden sich durch die “körperliche Attraktivität und die durch das Foto vermittelten Charaktereigenschaften”. Dazu hatten die Forscher die Fotos in einer vorangegangenen Studie bewerten lassen.

Der Bewerbung waren keine Fotos beigefügt. Sie waren nur über Facebook zu finden. Der Bewerber mit dem in der Vorstudie als “attraktivsten” eingestuften Profilbild bei Facebook erhielt in dem Feldversuch über 20 Prozent mehr positive Rückmeldungen als der fiktive Bewerber mit dem unattraktivsten Bild. Eine direkte Einladung zum Vorstellungsgespräch bekamen die gut aussehenden Bewerber sogar fast 40 Prozent öfter.

Der Studie zufolge wird bei Stellenausschreibungen mit höheren Qualifikationsanforderungen zudem tendenziell eher zur Recherche bei Facebook gegriffen. Ob bei der zu besetzenden Stelle regelmäßiger Kundenkontakt zu erwarten war, spielte dagegen keine Rolle. Die Personalverantwortlichen führten ihre Recherchen also nicht durch, um sich zu vergewissern, wie ein Kandidat auf Kunden wirken könnte.

“Obwohl sicher nicht alle Arbeitgeber auf Facebook surfen, beeinflusst das Profilbild die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch in gleichem Maße wie ein Bild im Lebenslauf. Denn die Selbstdarstellung auf Facebook gilt im Vergleich zur idealisierten Darstellung im Lebenslauf als realistischer und ehrlicher”, resümiert Stijn Baert, Wirtschaftsprofessor an der Universität Gent und Autor der Studie. Er hält daher die Suche nach Zusatzinformationen auf Facebook für wirtschaftlich durchaus für effizient. Ob sie auch ethisch vertretbar ist, will er dagegen nicht beurteilen. Er verweist lediglich darauf, dass schließlich jeder Nutzer seine Privatsphäre-Einstellungen selbst in der Hand habe.

Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler der Universität Tübingen untersucht, wie glaubwürdig die Selbstdarstellung von Stellensuchenden bei Xing ist. Dazu wurden Besitzer von Xing-Profilen mit Hilfe Persönlichkeitsfragebögen zu ihrem realistischen Selbstbild befragt, andererseits aber auch danach, wie sie sich gerne sehen würden. Beide Darstellungen wurden dann durch unabhängige Gutachter mit ihren Xing-Profilen verglichen.

In der Tübinger Studie stimmte die Fremdeinschätzung in hohem Maße mit den von den Versuchspersonen abgegebenen realistischen Selbstzuschreibungen überein. Die Tübinger Wissenschaftler haben ihrer Ansicht nach damit empirisch belegt, dass sich Xing-Nutzer in ihren Profilen realistisch und nicht idealisiert präsentieren. Berufliche Netzwerke seien daher für Personalverantwortliche ein aussagekräftiges Mittel, um die Persönlichkeit von Kandidaten einzuschätzen.

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Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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