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Wikipedia sperrt IP-Adresse des französischen Innenministeriums

Internetsperren (Bild: Shutterstock / Matthias-Pahl)
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Es ist nicht das erste Mal, aber mit einer Dauer von einem Jahr die bisher längste Strafe. Als Gründe nennt der zuständige Administrator Vandalismus, unkooperatives Verhalten, die gezielte und anhaltende Korrektur Beiträge anderer Autoren sowie generell „Verarschung“. Verursacher der Sperre sind offenbar mehrere Beamte.

Die französische Wikipedia akzeptiert ein Jahr lang keine Beiträge mehr von der IP-Adresse 212.234.218.196. Es handelt sich dabei um eine dem französischen Innenministerium zugeordnete, feste IP-Adresse. “Jules”, der für die Sperre verantwortliche Administrator begründet das der gestrigen Ausgabe der Wochenzeitung Le Canard enchaîné in erster Linie mit dem “Vandalismus”, einiger Nutzer hinter dieser IP-Adresse. Seine Entscheidung habe er nach reiflicher Überlegung und der ausführlichen Lektüre der Historie dieses Nutzers getroffen, berichtet die französische Tageszeitung Le Monde in ihrer Onlineausgabe.

Wikipedia sperrt IP-Adresse des französischen Innenministeriums (Screenshot: ITespresso).
Mehrfach gewarnt, jetzt ein Jahr lang von Wikipedia ausgesperrt: Die dem franzöischen Innenministerium gehörende IP-Adresse 212.234.218.196 (Screenshot: ITespresso).

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass diese IP-Adresse mehr Probleme bereite als konstruktive Beiträge hervorbringe. Das war schon früher der Fall: Seitdem von dort Aktivitäten ausgehen (2007) wurde sie bereits mehrmals verwarnt und gesperrt, einmal sogar einen Monat lang. Die Begründungen für diese Maßnahmen lesen sich ähnlich wie die für die aktuelle, einjährige Sperre: Gefährlicher Vandalismus, wiederholte Verschlechterung von Beiträgen sowie wiederholtes Entfernen mit Quellen belegter Informationen gehören dazu. 2014 kommentierte das ein Administrator bereits spöttisch mit dem Satz: Es wird Zeit, sich eine andere Beschäftigung zu suchen, im Innenministerium hat man doch bestimmt auch etwas Besseres zu tun.”

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat nun jedoch ein relativ trivialer Vorfall, wie Jules gegenüber Le Monde erklärt. Mehrere Wikipedia-Autoren hätten sich darüber beschwert, dass die Formatierung von Quellenangaben geändert und dabei die Vorgaben nicht beachtet worden seien. Daraufhin sei die IP-Adresse zunächst für eine Woche gesperrt worden. Aufgrund der folgenden, intensiveren Beschäftigung mit der Historie der IP-Adresse habe er dann jedoch beschlossen, das Strafmaß zu verschärfen.

Einer der höheren Beamten des Innenministeriums hat daraufhin gegenüber France Info erklärt, er habe die Wikimedia-Stiftung kontaktiert, um mehr darüber zu erfahren, auf welchen Seiten die Trolle aktiv waren. Man werde die notwendigen Schritte einleiten, um die Urheber zu identifizieren.

Zu den generell als Vandalismus bezeichneten Aktivitäten der IP-Adresse gehörte etwa das Einfügen der Wendung 2dreckiger Bastard2 in einen Artikel oder das Ersetzen der Devise einer Gemeinde in dem über sie verfassten Beitrag durch einen schlüpfrigen Witz. Außerdem wurden offenbar gezielt und wiederholt sofort “Korrekturen” bei Beiträgen oder Änderungen bestimmter Autoren vorgenommen, wodurch sich diese belästigt fühlten und was bei Wikipedia untersagt ist. Schließlich scheint einer der im Innenministerium Beschäftigen ein vehementer Verfechter der sogenannten französischen Anführungszeichen zu sein. Sie wurden von ihm bei zahlreichen Gelegenheiten anstelle der dort verwendeten englischen Form eingefügt.

Wikipedia-Administrator Jules geht mit Bestimmtheit davon aus, dass es sich um mehrere Personen handelt, die von der IP-Adresse aus Unfug bei Wikipedia anstellen. Er weiß aber auch, dass die Sperre sie letztendlich nicht wirklich davon abhalten kann. Sie müssen nur ein neues Konto bei Wikipedia anlegen, um damit fortfahren zu können. Dann aber wenigsten nicht mehr währen der Arbeitszeit, sondern in ihrer Freizeit – oder von einem Mobilgerät aus..

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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