Jolla durch neue Finanzspritze vorerst gerettet

UnternehmenVenture Capital
Jolla-Tablet-Detail (Bild: Jolla)

Eine erfolgreich abgeschlossene Serie-C-Finanzierungsrunde erlaubt dem Entwickler des Mobilbetriebssystems Sailfish OS weiterzumachen. Nächster Schritt ist die Auslieferung eines Tablets. Außerdem sind einige Lizenzvereinbarungen in Aussicht, die langfristig zu einer stabileren Finanzierung beitragen könnten.

Trotz einiger, erheblicher Schwierigkeiten hat Jolla seine Serie-C-Finanzierungsrunde nun doch noch erfolgreich abgeschlossen. Wie das das finnische Start-up heute mitgeteilt hat (PDF) ist damit die Finanzierung vorerst gesichert. Zur Höhe des Investments und zu den dahinterstehenden Geldgeber hat das Unternehmen keine Angaben gemacht. Mit dem neuen Kapital soll nun zuerst das bereits verzögerte, per Crowdfunding mitfinanzierte Tablet fertiggestellt und schnellstmöglich ausgeliefert werden.

Jolla Sailfish OS (Bild: Jolla)
Das Jolla-Tablet kommt als erstes Gerät mit Sailfish OS 2.0 (Bild: Jolla).

Konkrete Termine nannte CEO und Mitgründer Antti Saarnio allerdings noch nicht. Er antwortet lediglich auf Kritik daran, dass ein Großteil des per Crowdfunding eingenommene Geldes für Software-Entwicklung ausgegeben worden ist: “Sailfish OS ist unser Produkt, unsere Kronjuwelen, das wir für alle von Euch perfekt machen wollen – während die Tablet-Hardware lediglich eine Plattform für die Software ist.

Allerdings soll künftig die Last der Entwicklung von Sailfish OS einerseits und der Entwicklung und Vermarktung der damit ausgestatteten Geräte andererseits nicht mehr alleine auf den Schultern von Jolla liegen. Offenbar sind Gespräche mit mehreren möglichen Lizenznehmern, insbesondere in Russland und Indien, bereits weit fortgeschritten. Vor allem in Russland komme man konkreten Projekten inzwischen recht nahe, zu denen man aber erst “ein bisschen später” etwas sagen könne.

Jolla-Smartphone mit Sailfish OS (Bild: Jolla)
Das im November 2013 von Jolla vorgestellte Smartphone mit Sailfish OS (Bild: Jolla).

Nachdem Ende November ein wichtiger Investor seine Zusage zurückgezogen hatte, drohte die für Dezember angepeilte Serie-C-Finanzierungsrunde zu scheitern. Ein Großteil der Belegschaft musste zunächst entlassen und Gläubigerschutz beantragt werden. Laut Saarnio fehlten dem Unternehmen bereits fest eingeplante 10 Millionen Euro. “Jolla kämpft jetzt um sein Überleben. Schlüssel in diesem Kampf ist, dass wir die Finanzierung für den Dezember schaffen. Wenn uns das gelingt, kann auch das, Tablet-Projekt erfolgreich werden”, so der CEO damals.

Die Schwierigkeiten bei diesem Projekt waren offenbar auch der Auslöser für die Absage des Investors. Die Markteinführung des Tablets hatte sich vor allem wegen Hardwareproblemen verschoben. Mehrere gerade erst entlassene Mitarbeiter hatten bereits vor drei Wochen ihre Bereitschaft bekundet, in besseren Zeiten zu dem Unternehmen zurückzukehren.

Mit dem Anspruch, eine Alternative auf dem Markt für Betriebssysteme zu bieten, steht Jolla nicht alleine da. Erst kürzlich hat Telefónica als erster europäischer Provider ein Smartphone mit Cyanogen OS angekündigt. Das Modell BQ Aquaris X5 wird in Spanien bereits verkauft, in Deutschland und Großbritannien soll es demnächst erhältlich sein. Der Preis dürfte knapp über 200 Euro liegen. Wie schwierig der Markt ist, zeigt sich auch daran, dass Mozilla seine Pläne für Firefox OS auf Smartphones kürzlich erst aufgegeben hat. Canonical hat mit Ubuntu auf Smartphones grundsätzlich mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen, wie Mozilla und Jolla.

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