Amazon geht Bloatware-Partnerschaft mit Mobilcom-Debitel ein

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Zu viel Apps auf einem Smartphone (Bild: Shutterstock/Kmannn)

Die Amazon-App ist nun auf allen Android-Smartphones vorinstalliert, die in den Shops von Mobilcom-Debitel, in Media- und Saturn-Märkten, sowie in weiteren Vertriebsstellen des Mobilfunkvermarkters angeboten werden. Die beiden Partner machen damit einen Schritt, von dem die Branche generell wieder Abstand nimmt.

Kunden, die bei Mobilcom-Debitel ein Android-Smartphone erwerben, finden darauf nun schon beim Kauf ein Icon mehr und haben dafür etwas weniger Speicherplatz zur freien Verfügung. Grund dafür ist eine diese Woche angekündigte Partnerschaft des Unternehmens mit Amazon, wonach auf all diesen Geräten die Amazon-App vorinstalliert sein wird. Für Amazon sei das attraktiv, weil der Onlinehändler so potenziell die rund 13 Millionen eignen Kunden erreiche, teilt der Mobilfunkvermarkter mit, der Smartphones und Mobilfunkdienste in 570 eigenen Shops, über die Media- und Saturn-Märkte, sowie in rund 6000 weiteren Vertriebsstellen anbietet.

Mobilcom-Debitel (Grafik: Mobilcom-Debitel)

“Unser Blick richtet sich bei dieser Kooperation auf den Serviceaspekt für unsere Kunden: Im Bereich Digital-Lifestyle-Dienste bieten wir inzwischen ja eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte an. Das reicht von der mobilen Musikflat, über Audio- und E-Books, Online-Spiele bis zu zahlreichen weiteren spannenden Entertainment-Angeboten”, erklärt Antonius Fromme, Leiter Digital-Lifestyle-Services bei Mobilcom-Debitel, in einer Pressemitteilung.

Mit der neuen Kooperation sei dann der Schritt zum Kauf bei Amazon für Mobilcom-Debitel-Kunden “nur noch einen Klick auf ihrem Android-Smartphone entfernt.” Das wäre allerdings auch dann noch der Fall, wenn Kunden die Wahl gelassen würde, ob sie die App installieren wollen oder nicht – zumindest nach dem einmaligen Installationsvorgang, den aber sicher auch die meisten Mobilcom-Debitel-Kunden selbständig bewältigen können.

Amazon App-Icon (Grafik: Amazon)

Insgesamt geht der Trend weltweit nämlich eher weg von derartigen Marketingaktionen mit sogennanter Bloatware. In China haben Verbraucherschützer wegen vorinstallierter Apps schon gegen Smartphone-Hersteller geklagt. Allerdings kam da erschwerend hinzu, dass die sich nicht löschen ließen.

Eine derartige Praxis ist In Südkorea ist seit Anfang vergangenen Jahres durch Richtlinien des zuständigen Ministeriums verboten. Dort wird Mobilfunkanbietern vorgeschrieben, dass es Smartphone-Käufer möglich sein muss, vorinstallierte aber unerwünschte Apps zu löschen. Lediglich Anwendungen, die für eine WLAN-Verbindung sorgen oder für die Geräteeinstellungen, die Nahfunktechnik NFC und einen App Store erforderlich sind, dürfen fest auf dem Gerät verankert werden.

Zu viel Apps auf einem Smartphone (Bild: Shutterstock/Kmannn)

Widerstand regt sich auch in den USA. Vor einem Jahr hatten dort Nutzer eine Klage gegen Google angestrengt In den USA haben Smartphone-Besitzer Klage gegen Google eingereicht. Sie werfen dem Konzern vor, Hersteller von Android-Geräten zu verpflichten, seine eigenen Apps nicht nur aufzuspielen, sondern auch als Standard-Apps voreinzustellen und so Drittanbieter-Anwendungen zu behinderen. Die Kläger sind der Meinung, dass Google damit gegen Wettbewerbsgesetze verstoße.

In Deutschland hatte ebenfalls schon im vergangenen Jahr die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vor der Zunahme von Bloatware bei Android-Smartphones und -Tablets gewarnt. Dort sei das Problem noch ärgerlicher als bei PCs, weil sich die betreffenden Apps von Herstellern, Netzbetreibern und Drittanbietern sowie viele Google-Anwendungen nicht nur wie beim PC lediglich nur schwer, sondern oft gar nicht löschen lassen. Insbesondere bei Geräten mit wenig Speicher, die sich zudem nicht per SD-Karte erweitern lassen, könne das zum ernsthaften Problem werden.

Cyanogen-Smartphone BQ Aquaris X5 (Bild: Telefónica)
Das BQ Aquaris X5 mit Caynogen OS und ohne Bloatware-Apps wird in Deutschland demnächst bei O2 angeboten (Bild: Telefónica).

Aufgrund der vielfältigen Kritik und drohender rechtlicher Probleme hat Google seine Praxis seit kurzem etwas gelockert. Dennoch finden Alternativen, darunter insbesondere Cyanogen OS immer mehr Freunde. Dessen Vorteil ist, dass es zu den Anwendungen von Google Play vollständig kompatibel ist. Nutzern steht also die gewohnt Vielfalt an Apps zur Verfügung – sie sind aber nicht gezwungen, alle Apps auf ihrem Smartphone zu haben, die Google dort gerne platzieren möchte.

In Deutschland wird demnächst Telefónica als erster Netzbetreiber ein Cyanogen-OS-Smartphone anbieten. Das BQ Aquaris X5 wird seit Anfang November in Spanien mit Cyanogen OS 12.1 verkauft. Das Telefon ist laut BQ mit Android ab 239 Euro zu haben. Ohne Vertrag mit Cyanogen kostet es in Spanien bei Movistar 209 Euro. Was es zur Markteinführung bei O2 kosten wird, ist noch nicht offiziell bekannt.

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