Ascamso bietet Plattform zur individuellen Bewertung von Cloud-Diensten

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Vergleich von Cloud-Services (Bild: Shutterstock/Epsicons)

Die gleichnamige Plattform unterstützt Firmen beim Vergleichen und Auswählen eines für sie geeigneten Infrastructure-as-a-Service-Angebots. Dazu nimmt sie anwendungsfallbezogene Messungen und Bewertungen vor, um die Ist-Leistung von IaaS-Diensten greifbar zu machen. Auch die Dienstanbieter selbst sollen davon profitieren.

Das Frankfurter Start-up Ascamso will mit seiner gleichnamigen, vollständig unabhängigen Cloud-Service-Procurement-Plattform für eine größere Leistungstransparenz bei Cloud-Diensten sorgen. Hierzu nimmt das Unternehmen Messungen zur tatsächlichen Verfügbarkeit und den Leistungsmerkmalen von Infrastructure-as-a-Service-Diensten (IaaS) vor und führt diese Auswertungen mit Experten-Bewertungen zusammen. Daraus werden dann anwendungsfallbezogene und objektive Anbietereinstufungen abgeleitet. Dadurch sind Käufer von Cloud-Diensten in der Lage, den Preisen für die Services deren realen Nutzen für den eigenen Bedarf gegenüberzustellen.

ascamso-logo (Bild: Ascamso)

Bislang sei dies laut Ascamso entweder gar nicht möglich gewesen oder nur zu erheblichen Mehrkosten. Gegenwärtig prüft und bewertet das Start-up, das sein Geschäftsmodell als Kombination aus Software-as-a-Service und Dienstleistungsgeschäft beschreibt, Server, Container, Speicherressourcen und Netzwerkdienste für, in und außerhalb der Cloud. Es richtet sich damit insbesondere an Unternehmen oder Einzelkaufleute, die Rechenzentrumsinfrastruktur oder Netzwerke einkaufen wollen. Wer bereits Cloud-Dienste gekauft hat und diese schlicht überwachen möchte, kann dafür die “Assess”-Funktionen der Plattform verwenden.

Undurchschaubarer Cloud-Service-Markt

“Der Markt für Cloud-Services ist undurchschaubar, ein sogenannter Lemon Market“, erläutert Ascamso-Gründer und Geschäftsführer Jan Thielscher. “Die Preise beziehen sich stets nur auf die Soll-Leistungen der Dienste; die werden im Regelbetrieb aber nicht immer erreicht. Für Kunden kann das ein erhebliches Risiko darstellen, je nachdem, für welchen Anwendungsfall sie einen Cloud-Dienst einsetzen. Mit Ascamso können IT-Verantwortliche dieses Risiko erstmals genau bewerten”, führt Thielscher weiter aus.

Ascamso Home-Screen der Plattform (Screenshot: Ascamso)
Der Zugang zur Cloud-Service-Procurement-Plattform von Ascamso ist grundsätzlich kostenlos. Über ein Credit-System lassen gemäß des Pay-per-Use-Prinzips Dienste wie das Erstellen neuer “Satelliten” auf der Plattform nutzen (Screenshot: Ascamso).

Bisher hätten Cloud-Service-Käufer entweder den Versprechen der Dienstanbieter vertrauen oder auf die meist teuren, eher allgemein gehaltenen Markt-Reports unabhängiger Beobachter zurückgreifen müssen. Viele IT-Verantwortliche zögen daher beides gleichzeitig in Betracht oder setzten umfangreiche Ausschreibungs- und Auswahlverfahren auf, um den bestgeeigneten Dienstanbieter zu ermitteln. Doch diese Verfahren können laut Ascamso Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen und erhebliche Kosten verursachen. Ob dabei wirklich eine präzisere Risikobewertung erreicht wird, ist zudem ungewiss.

Anwendungsfallbezogene Vergleichbarkeit

Genau hier will das Start-up ansetzen. Die Ascamso-Plattform soll auf den jeweiligen Anwendungsfall bezogene Vergleichbarkeit in kürzester Zeit ermöglichen. Die Ascamso-Benutzeroberfläche führt Anwender hierzu von der Bedarfsermittlung und Beschreibung des Anwendungsfalls über einen Leistungsvergleich und eine Dienstanbieter-Vorauswahl („Shortlisting“) hin zu einem abschließenden Preisvergleich, der den jeweils günstigsten Dienst für die zuvor festgelegten Erfordernisse liefert.

Ascamso Match-Ansicht - Anbieter Shortlisting (Screenshot: Ascamso)
Die hier gezeigte “Shortlisting”-Ansicht erlaubt eine Vorauswahl der Provider, etwa anhand des Standorts ihres Rechenzentrums (Screenshot: Ascamso).

Bisher hat Ascamso eigenen Angaben zufolge rund 30 Provider preislich erfasst, davon knapp 20 inklusive Kriterien. Immerhin für 10 Anbieter liegen derzeit Berichte respektive Bewertungen vor. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der überprüften Dienstanbieter bereits auf 100 anwachsen. Das gesamte Provider-Rating sei generell so verständlich gehalten, dass auch weniger IT-versierte Nutzer damit schnell einen auf sie zugeschnittenen Cloud-Service finden können. Zudem habe das Unternehmen sämtliche Messwerkzeuge für jedermann einsehbar im Internet zur Verfügung gestellt.

“Satelliten” als technische Überprüfungsbasis

Die technische Basis für die Messungen bildet ein Web-Dienst, der bei den zu bewertenden Dienstanbietern virtuelle Ressourcen anmietet und auf diesen dann sogenannte “Satelliten” installiert. Dabei handelt es sich um Java-basierte Prüfsoftware, die je nach Bedarf konfigurierbare Nutzungsmuster simuliert, um beispielsweise die Auslastung von CPU- oder Netzwerkressourcen eines Services abzubilden.

ASCAMSO__Compare_-Ansicht - Preisvergleich (Screenshot: Ascamso)
Die Ascamso-Plattform erlaubt unter anderem auch einen Preisvergleich der verschiedenen IaaS-Provider basierend auf zuvor festgelegten Kriterien (Screenshot: Ascamso).

Des Weiteren wird die tatsächliche Verfügbarkeit und Leistung des jeweiligen Dienstes gemessen. Die entsprechenden Testresultate finden sich dann in einem Dashboard wieder. Die Test-Tools lassen sich auch kombinieren, um etwa die Rechengeschwindigkeit unterschiedlicher Cloud-Dienste wie Azure oder Amazon Web Services (AWS) zu vergleichen oder um verschiedene Instanzen desselben Anbieters – zum Beispiel die Netzwerklatenz oder die Speicherinfrastruktur – zu überprüfen.

Unterstützung durch Ascamso-eigene Expertenbewertungen

Zusätzlich greift die Plattform auf Bewertungen von Fachleuten zurück, die von Ascamso beauftragt wurden. Deren Prüfungen umfassen dem Start-up zufolge “hunderte Bewertungspunkte” zu Merkmalen wie IT-Sicherheit, Datenschutz, Nachhaltigkeit oder auch einen geringen “Overload” respektive eine niedrige “Überladung”.

Letztere liegt etwa dann vor, wenn mehrere auf physischer Hardware erzeugte virtuelle Ressourcen wie virtuelle Server, Speicherplätze und Software-Umgebungen jeweils gleichzeitig auf einem “echten” Gerät laufen und sich zum Beispiel zehn schwächere, virtuelle Server Rechenleistung und Arbeitsspeicher eines physischen Hochleistungs-Servers teilen müssen. In diesem Fall kann es zu Schwankungen in der Performance kommen, etwa dann wenn einer der zehn virtuellen Server kurzzeitig besonders viel Prozessorleistung beansprucht. Dadurch erhalten Käufer in der Tat nicht mehr das, wofür sie bezahlen.

Ende November hat Ascamso die zu Beginn des Monats gestartete offene Beta-Phase verlassen. Nach einer abschließenden Auswertung der Testphase plant das Start-up nun im Januar den Regelbetrieb aufzunehmen. Der Zugang zu dem Angebot selbst ist gratis. Mittels eines Credit-Systems sollen sich bei Bedarf Credits erwerben und nach dem “Pay-per-Use”-Prinzip gegen Dienste auf der Plattform einlösen lassen.

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