Google Ventures reorganisiert sich und investiert vorsichtiger

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Finanzierung (Shutterstock/Gorillaimages)

Die bisher getrennten Abteilungen für die USA und Europa werden zusammengelegt. Außerdem will man sich weniger als Seed-Investor betätigen. Google-Ventures-Chef Bill Maris drängt Start-ups zum IPO, was zusammen mit seinen anderen Äußerungen kein gutes Zeichen für die Szene ist.

Bill Maris, Leiter der nun als Teil von Alphabet agierenden Sparte Google Ventures, hat in einem Interview mit dem Wall Street Journal einige Änderungen angekündigt und einen Ausblick auf die Start-up-Szene insgesamt gegeben. Neben der wenig spektakulären Umbenennung in GV, die diese Woche vollzogen werde soll, ist aus europäischer Sicht vor allem bemerkenswert, dass der mit viel Getöse aufgelegte, 100 Millionen Dollar schwere, europäische Fonds von Google Ventures zum Jahresende sang- und klanglos eingestampft wird. Aufgefallen ist das als erstem Robin Wauters von Tech.eu. Dem Portal gegenüber hat Google den Sachverhalt inzwischen bestätigt.

Bill Maris (Bild: Google Ventures)
Bill Maris, CEO von Google Ventures (Bild: Google Ventures)

In einem weiteren Gespräch mit der Financial Times verteidigte Maris die Europaaktivitäten. Der Fonds habe keineswegs enttäuscht, obwohl er seine Ziele nicht exakt erreicht habe. Wenn überhaupt, dann sollten jedoch künftige Investitionen in Europe vom weltweiten Fonds gesteuert werden.

Für Deutschland ändert sich dadurch nicht viel. Denn trotz seines Namens hat sich Google Ventures Europe in erster Linie auf Firmen in Großbritannien beschränkt. Wie Tech.eu aufzählt, sind fünf der sechs Investments – Kobalt, Lost My Name, Yieldify, Oxford Science Innovation Fund und Secret Escapes – britische Unternehmen. Ausnahme ist lediglich der in Stockholm ansässige Virtual-Reality-Spezialist Resolution Games, aber diese Entscheidung sei offenbar dem US-Fonds zuzurechnen.

Google Ventures firmiert nun als GV (Grafik: GV)
Google Ventures firmiert nun als GV (Grafik: GV)

Im Interview mit WSJ erklärte Maris zudem, man werde sich künftig weniger stark bei Seed-Investments engagieren. Er sieht darin weniger Nutzen für Google und hält das Segment für “überhitzt”. Zahlen nannte er nicht, führte jedoch aus, dass man 2015 bei Beteiligungen im Bereich zwischen 100.000 und 300.000 Dollar zurückhaltender gewesen sei.

Das mag allerdings auch daran liegen, dass sich die Vorstellungen der Start-ups davon, was ein “Seed-Investment” ist, gewandelt haben. Während es früher eben wirklich aus Sicht der Investoren kleine Beträge waren, werden heute schon mal bis zu 5 Millionen Dollar veranschlagt. Beobachter sehen das als kein gutes Zeichen und interpretieren es als Vorboten eines baldigen Platzens der aktuellen Blase.

132 Start-ups wurden im November laut Wall Street Journal von Venture-Capital-Firmen mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet und dürfen sich somit zu den sogenannten „Unicorns“ zählen. Das entspricht einem Anstieg von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil dieser Unternehmen ist in den USA beheimatet, 31 stammen aus Asien, lediglich 13 aus Europa (Grafik: Statista).
132 Start-ups wurden im November laut Wall Street Journal von Venture-Capital-Firmen mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet und dürfen sich somit zu den sogenannten “Unicorns” zählen. Das entspricht einem Anstieg von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil dieser Unternehmen ist in den USA beheimatet, 31 stammen aus Asien, lediglich 13 aus Europa (Grafik: Statista).

Aber obwohl sich Google Ventures verstärkt auf Investitionen in reifere Start-ups konzentrieren will, kritisiert Maris einen Teil dieser Firmen auch dafür, dass sie nicht schnell genug den IPO anstreben. “Ich sehe dass derzeit Firmen, aus Gründen die für mich schwer nachvollziehbar sind, zögern, mit allem was sie haben an die Börse zu gehen. Sie würden allerdings von der Ordnung und Disziplin, die der Markt erfordert, erheblich profitieren“, erklärt Maris.

Ähnlich hatte sich übrigens vor Kurzem auch Salesforce.com-CEO Marc Benioff, geäußert. Er lehnte es gegenüber Bloomberg ab, in Firmen zu investieren, die mit über einer Milliarde Dollar bewertet werden. Diese sogenannten Unicorns, von denen es derzeit fast 150 gibt, sollten vielmehr den Börsengang wagen, damit der Markt ihre Bewertung einordnen könne. „Eine börsennotierte Firma zu sein ist gut. Es zwingt uns einen gewissen Rhythmus beizubehalten und unsere Augen auf den Ball zu richten. Die Unicorn-Mania die wir derzeit beobachten, ist gefährlich für die Wirtschaft im Silicon Valley“, so Benioff.

Von den weltweit aktuell knapp 150 sogenannten Unicorns, also Start-ups, die von Venture-Capital-Firmen mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet werden, haben nur knapp zehn Prozent ihre Wurzeln in Europa 13. Neben dem schwedische Unternehmen Spotify gehören mit Delivery Hero und HelloFresh, CureVac und Home24 auch vier deutsche Firmen dazu (Grafik: Statista).
Von den weltweit aktuell knapp 150 sogenannten Unicorns, also Start-ups, die von Venture-Capital-Firmen mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet werden, haben nur knapp zehn Prozent ihre Wurzeln in Europa 13. Neben dem schwedische Unternehmen Spotify gehören mit Delivery Hero und HelloFresh, CureVac und Home24 auch vier deutsche Firmen dazu (Grafik: Statista).
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