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Französische Uber-Fahrer starten Konkurrenz-App zu Uber

VTC Cab Homepage (Screenshot: ITespresso)
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Sie reagieren damit darauf, dass ihre Proteste gegen eine deutliche Preissenkung durch Uber ungehört verhallten. Ihre App VTC Cab steht für Android und iOS zur Verfügung und erlaubt auch Buchungen im Voraus. Statt einer Kommission zahlen Fahrer eine monatliche Gebühr.

Nach einer heftigen aber fruchtlosen Auseinandersetzung mit Uber über die Höhe der Preise haben sich französische Uber-Fahrer nun mit einer eigenen App von dem US-Konzern losgesagt. VTC Cab steht inzwischen für Android und iOS bereit. Gegenüber The Verge erklärt VTC-Cab-Gründer Mohammed Radi, Ziel sei es, Uber-Fahrern die Möglichkeit zu geben, auf eigene Rechnung Geschäfte zu machen.

VTC Cab Homepage (Screenshot: ITespresso)
VTC Cab: Ein besseres Uber à la francaise (Screenshot: ITespresso)

Fahrer, die an dem Service teilnehmen wollen, müssen nicht wie bei Uber eine Kommission von 20 Prozent auf den jede Fahrt entrichten, sondern zahlen pro Monat einmalig 250 Euro. Alle durch die über die App vermittelten Fahrten erzielten Einnahmen stehen dann ihnen zu. Laut Radi sollen die Gebühren lediglich für die Pflege der App und das Personal der dahinterstehenden Vereinigung aufgewendet werden. Das ist zum Beispiel erforderlich, um die Hotline zu besetzen, die VTC Cab im Gegensatz zu dem rein auf E-Mail-Verkehr basierendem System von Uber anbieten will.

Damit unterscheidet VTC Cab letztendlich nicht viel von den in Deutschland bereits seit langem etablierten und genossenschaftlich organisierten Taxizentralen. Auch sie bieten die telefonische Vermittlung von Fahrten sowie eine eigene App an

“Uber ist für unsere Gemeinschaft nicht repräsentativ”, erklärt Radi gegenüber The Verge. “Sie sind eine Technologiefirma, die keinerlei Verbindung zum Transportwesen hat. Daher behandeln sie Menschen wie eine Nummer – wie eine Zahl auf dem Computer. Und lediglich eine Nummer zu sein, ist für die Fahrer ein sehr schlechtes Gefühl.”

Uber (Grafik: Uber)
Laut VTC-Cab-Gründer Mohammed Radi ist Uber lediglich “eine Technologiefirma, die keinerlei Verbindung zum Transportwesen hat” (Grafik: Uber).

Allerdings haben die Macher von VTC Cab einiges von Uber gelernt. So arbeitet auch ihre App mit der Lokalisierung von Nutzern und Fahrern, rufen Nutzer auch mit der VTC-Cab-App ein schwarzes Fahrzeug, können sie die Fahrer bewerten und werden während der Fahrt mit Gratis-Mineralwasser bewirtet und finden Tageszeitungen sowie kostenlosen WLAN-Zugang vor.

Außerdem sind die zugelassenen Fahrzeuge maximal vier Jahre alt, wird für Versicherung und Kontrolle der Personenbeförderungslizenz gesorgt und auf korrekte Kleidung der Fahrer Wert gelegt. Bezahlungen sind unter anderem in bar sowie mit Kreditkarten, Paypal und Apple Pay möglich. Im Gegensatz zu Uber lassen sich bei VTC Cab Fahrten aber nicht nur sofort, sondern auch im Voraus buchen.

Laut Radi haben sich in Paris bereits 1500 Fahrer für den Service registriert, Anfang 2016 sollen es rund 5000 sein. Zum Vergleich: Uber kann bislang in Paris auf rund 10.000 Fahrer verweisen. Allerdings hofft Radi, vielen von ihnen mittelfristig auf seine Seite ziehen zu können – selbst, wenn sie zu Anfang für beide Dienste arbeiten werden. Er hofft aber, Uber durch längere Wartezeiten und die durch weniger Angebote steigende Preise ausbooten zu können – letztendlich also Uber mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

Allerdings haben bisher die Android-App noch nicht einmal 5000 Nutzer installiert. Weitere will Radi zum Beispiel dadurch gewinnen, dass Nutzer quasi einen Lieblingsfahrer ermitteln und dann häufiger mit diesem fahren können. Außerdem laufen Anzeigenkampagnen im Web derzeit erst an. Um die App langfristig pflegen und den Dienst auf Dauer anbieten zu können sollten durch Gebühren der Fahrer jährlich knapp 200.000 Euro zusammenkommen. Dazu reichen bei einer Monatsgebühr von 250 Euro allerdings schon gut 60 Fahrer aus. Sobald der völlig eigenständig finanzierte Dienst, der ohne Gewinnabsicht arbeitet, sicher sein kann, dass dieses Modell funktioniert, dürften die Monatsgebühren deutlich reduziert werden – wodurch er dann für weitere Fahrer attraktiv würde.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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