Schwedisches Start-up Mapillary fordert Google Street View heraus

Start-UpUnternehmen
Mapillary (Screenshot: ITespresso)

Es setzt dabei auf Bilder, die von den Nutzern via App bereitgestellt werden. Die Mapillary-App gibt es für Android, iOS und Windows Phone. Bisher wurden bereits über 40 Millionen Bilder in die Datenbank hochgeladen. Finanziert wird das alles durch Business-Angebote.

Das vor gut zwei Jahren gegründete Start-up Mapillary aus dem schwedischen Malmö beschäftigt derzeit neun Mitarbeiter, fordert aber mit seinem Angebot in der Nische 3D-Ansichten der Welt dennoch den größten Web-Konzern der Welt heraus. Chancengleichheit mit Google soll ein in den Augen der Schweden modernerer Ansatz herstellen: Anstatt wie Google eigene Mitarbeiter mit Fahrzeugen, speziellen Tagegestellen oder Vehikeln Städte, Sehenswürdigkeiten und Naturwunder abzufotografieren setzt man auf eine große Gemeinschaft freiwilliger Helfer.

Mapillary (Grafik: Mapillary)

Da nicht alle von ihnen mit teuren Spezialkameras ausgestattet werden können, sorgt die Software auf den Mapillary-Servern dar, dass auch aus Smartphone-Aufnahmen ansehnliche Rundumsichten entstehen. Alternativ lassen sich auch Aufnahmen von Actionkameras, etwa von GoPro oder Garmin verwenden. Vorteil des Crowd-Ansatzes ist es, dass Nutzer in der Regel zunächst damit beginnen, ihre Lieblingsplätze in der Nähe ihres Wohnortes aufzuzeichnen. Damit bekommt Mapillary für 3D-Ansichten eine vergleichbare Komponente wie Geochacing: Statt ausgetretene Pfade zu kartieren, entdecken Nutzer kleine aber feine Orte.

Im Gegensatz zu anderen Angeboten, wie beim russischen Google-Wettbewerber Yandex oder dem etwas in Vergessenheit geratenen Bing Streetside von Microsoft, versucht Mapillary Google also nicht direkt zu kopieren, sondern geht einen neuen Weg. Die Ergebnisse können sich – wenn man die geringe Größe der Firma berücksichtigt – durchaus sehen lassen.

Zwar ruckelt und wackelt die Web-Ansicht etwas und sind die Übergänge beim Zoomen nicht so elegant und fließend wie bei Street View oder Yandex Maps, aber bereits durchaus brauchbar. Auch die Navigation ist nach einer kurzen Eingewöhnung weitgehend intuitiv. Und anders als bei Yandex aber ebenso wie Google verpixelt man Autokennzeichen und Gesichter.

Mapillary (Screenshot: ITespresso)

Geld verdienen möchte Mapillary mit der Integration seiner Dienste in Business-Angebote. Dafür stehen vier Pakete zur Auswahl. Das “Basic”-Paket ist kostenlos und umfasst den erforderlichen Viewer, sowie Such- und Graph-APIs. Es ist für Einsätze gedacht, wo bis zu 1000 Nutzer pro Monat zugreifen.

Die russische Suchmaschine Yandex bietet schon seit längerem Panoramaansichten an - hier ein Kreisverkehr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew - geht dabei aber ähnlich wie Google vor (Screenshot: ITespresso)
Die russische Suchmaschine Yandex bietet schon seit längerem Panoramaansichten an – hier ein Kreisverkehr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew – geht dabei aber ähnlich wie Google vor (Screenshot: ITespresso).

In drei Stufen kommen dann unter anderem Daten-APIs, die Möglichkeit, mehrere private Nutzer anzulegen und höhere Abrufzahlen hinzu. Die Preise liegen bei 99 und 999 Euro beziehungsweise sind beim größten Paket verhandelbar. Wen man damit erreichen möchte, macht man mit der Liste der Referenzkunden auf der Website deutlich.

Einer davon ist zum Beispiel die schwedische Stadt Gävle. Deren Mitarbeiter können Mapillary-Ansichten Abteilungsübergreifend für Zwecke der Stadtplanung nutzen. Das auf Beratung im Bereich Architektur- und Umwelttechnologien spezialisierte Unternehmen Sweco dagegen nutzt Mapillary, um seine eigenen Fotos zu verwalten und im Unternehmen zugänglich zu machen. Es ist damit einer der Anwender, die die Funktion der privaten Bilder und Nutzer verwenden.

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