Telekom kündigt für Privatnutzer kostenlose E-Mail-Verschlüsselung an

Sicherheit
Volksverschlüsselung (Grafik: Fraunhofer SIT)

Sie wird mit dem Fraunhofer SIT entwickelt. Die Partner versprechen unkomplizierte Bedienung auch durch Laien – ein Aspekt, an dem frühere Versuche gescheitert sind. Die erforderliche Client-Software soll im ersten Halbjahr 2016 verfügbar sein.

Die Deutsche Telekom und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT werden im Laufe des Jahres 2016 gemeinsam eine für jedermann nutzbare Möglichkeit zur Verschlüsselung von E-Mails anbieten. Dies haben die Partner heute im Rahmen des IT-Gipfels in Berlin bekannt gegeben. Das als Volksverschlüsselung bezeichnete Angebot basiert auf zwei Säulen: Die erste ist der Betrieb in einem Rechenzentrum der Telekom in Deutschland, die andere eine vom Fraunhofer SIT entwickelte Client-Software. Die für Mitte 2016 erwartete erste Version soll dann nach und nach erweitert und so für immer mehr Nutzer verfügbar gemacht werden.

Volksverschlüsselung (Grafik: Fraunhofer SIT)

“Die Volksverschlüsselung ist kostenlos, unkompliziert und transparent. Für uns das beste Werkzeug, um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails in der breiten Bevölkerung zu verankern. Mit jedem Entwicklungsschritt der Software wollen wir die Volksverschlüsselung für weitere Nutzer zugänglich machen und damit die Nutzerbasis verbreitern”, sagt Thomas Kremer, Datenschutzvorstand der Deutschen Telekom, in einer Pressemitteilung.

Professor Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT betont seinerseits, dass bei der Entwicklung die Prinzipien “Security by Design” und “Usability by Design” von Anfang an gleichberechtigt im Mittelpunkt gestanden hätten. “Durch die Volksverschlüsselung wollen wir kryptografische Methoden, die in der Forschung etabliert sind, endlich allen Menschen zugänglich machen. Als Institut der Fraunhofer-Gesellschaft sehen wir das als Teil unseres gesellschaftlichen Auftrags an”, so Waidner.

Die als Volksverschlüsselung bezeichnete Software generiert einerseits die notwendigen Verschlüsselungsinformationen, konfiguriert andererseits aber auch die E-Mail-Programme automatisch so, dass diese mit der Verschlüsselungssoftware zusammenspielen. Für die Verschlüsselung selbst benötigen die meisten Nutzer kein zusätzliches Programm, da die meisten E-Mail-Programme dafür bereits selbst Sorge tragen können, wenn entsprechende Schlüssel vorhanden sind. Allerdings ist die Bereitstellung der Schlüssel für Laien nicht immer ganz einfach.

Volksverschlüsselung (Screenshot: ITespresso)

Die Volksverschlüsselung wird zuerst Windows-Nutzern zur Verfügung stehen. Die können sie dann zum Beispiel über Outlook oder Thunderbird verwenden. Versionen für Mac OS X, Linux, iOS und Android sind aber bereits geplant. Zur Verschlüsselung unterstützt die Software zunächst den S/MIME-Standard. Der Support für OpenPGP soll nachgereicht werden. Fraunhofer wird den Quellcode der Software veröffentlichen. Damit soll Experten die Möglichkeit gegeben werden, sie auf Hintertüren zu überprüfen.

Die Software erzeugt kryptografische Schlüssel auf dem verwendeten Endgerät. Sie gelangen zu keiner Zeit in die Händen des Betreibers der Infrastruktur. Zur Nutzung ist eine einmalige Identifikation erforderlich. Im ersten Schritt erfolgt die Authentifizierung über die etablierten Anmeldeverfahren der Deutschen Telekom, etwa das DTAG Telekom Log-in, das dem Anmeldeverfahren im Kundencenter entspricht, oder mit Hilfe des elektronischen Personalausweises. Weitere Verfahren sollen später hinzukommen.

Die Software erzeugt laut einer FAQ-Liste zunächst auf dem Gerät kryptografische Schlüssel. Nachdem sich Nutzer erfolgreich authentifiziert haben, werden bei der Zertifizierungsstelle der Volksverschlüsselung digitale Zertifikate für Verschlüsselung, Authentisierung und Signatur erzeugt. Nach deren Empfang sucht die Software auf dem Gerät automatisch nach E-Mail-Programmen, Browsern und anderen Anwendungen, die Kryptografie unterstützen. Die Integration in Web-Mail-Dienste ist anbieterabhängig und erfordert deren Mitarbeit. Dazu fordert das Fraunhofer SIT sie aber ausdrücklich auf.

Die vorhandenen Schlüssel und Zertifikate werden dann automatisch in die Anwendungsprogramme zur Nutzung der Zertifikate eingebracht. Für Privatanwender wird die Nutzung von Infrastruktur und Software in der ersten Ausbaustufe kostenlos sein. Die Partner denken aber bereits auch an Lösungen für Unternehmen, die dann aber kostenpflichtig sein sollen.

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