Aktienkurs abgerutscht: Groupon wird bald selbst zum Schnäppchen

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Groupon (Grafik: Groupon)

Das Schnäppchenportal hat auch im dritten Quartal keinen Gewinn erwirtschaftet. Die Anleger waren mehr als enttäuscht: Der Kurs an der NASDAQ sackte um über 27 Prozent auf gut 2,90 Dollar ab. Vor vier Jahren startete das Papier an der Börse mit zunächst etwas über 26 Dollar.

Groupon hat mit den heute vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal 2015 (PDF) die Anleger gründlich enttäuscht. Der vor vier Jahren mit viel Vorschusslorbeeren und nach noch höheren Prognosen schließlich mit einer Bewertung von 13 Milliarden Dollar an die Börse gegangene Schnäppchenvermittler ist aktuell noch gut 1,9 Milliarden wert. Die schlechten Zahlen für das dritte Quartal und vor allem der schlechte Ausblick auf das kommende Jahr sorgten dafür, dass der Kurs heute um über 27 Prozent absackte. Er liegt aktuell bei etwas unter 3 Dollar.

Die Tendenz der Zahlen für das dritte Quartal unterscheidet sich kaum von der der Zahlen des zweiten Quartals. Lediglich in Nordamerika kann sich Groupon auf niedrigem Niveau etwas verbessern. Die dort erzielten Zuwächse werden aber vom Rückgang in Europa und anderen Regionen, aus denen es sich ohnehin schon weitgehend zurückgezogen hat, wieder zunichte gemacht.

Durch den aktuellen Kursrutsch hat die Groupon-Aktie einen neuen Tiefpunkt erreicht (Screenshot: ITespresso bei Yahoo Finance).
Durch den aktuellen Kursrutsch hat die Groupon-Aktie einen neuen Tiefpunkt erreicht (Screenshot: ITespresso bei Yahoo Finance).

Bereits gestern kündigte das Unternehmen an, dass Mitgründer Eric Lefkofsky mit sofortiger Wirkung den Posten als CEO aufgibt und als Chairman of the Board weitermacht. Seine Nachfolge tritt Rich Williams an, der erst seit Juni 2015 COO war und 2011 als Marketingleiter zu dem Unternehmen kam. Ihm wird wohl eine Wende zugetraut, da er seit 2014 das Nordamerikageschäft verantwortete, das ja noch vergleichsweise gut läuft.

Williams erklärte, er wolle zunächst drei Punkte in den Griff bekommen. Erstens wolle man mehr Geld für die Gewinnung neuer Kunden ausgeben. Denn derzeitige Kunden sind zwar loyal und geben regelmäßig Geld aus, sind offenbar nicht dazu zu bewegen, mehr über Groupon zu kaufen. Die monatlichen Ausgaben pendeln sich bei etwa 80 Dollar ein.

Die aktuelle Umsatzverteilung zeigt deutlich, dass es Groupon außerhalb der USA besonders schwer fällt, den Abwärtstrend aufzuhalten (Grafik: Groupon)
Die aktuelle Umsatzverteilung zeigt deutlich, dass es Groupon außerhalb der USA besonders schwer fällt, den Abwärtstrend aufzuhalten (Grafik: Groupon).

Zweitens will Williams das verbliebene Geschäft außerhalb der USA offenbar erneut auf den Prüfstand stellen. Die Aktivitäten in Marokko, Panama, den Philippinen, Puerto Rico, Taiwan, Thailand und Uruguay hatte man schon kürzlich eingestellt.Ebenso das Geschäft in Griechenland sowie der Türkei. Außerdem wurde der Mehrheitsanteil an Groupon Indien an den Investor Sequoia verkauft und etwa zehn Prozent der Belegschaft insgesamt entlassen.

Drittens will Williams das Schnäppchenangebot weg von Produkten mit niedrigen Margen, hin zu solchen mit höheren Margen verlagern. Das dürfte allerdings nicht so einfach sein. Denn Händler mit hochpreisigen, begehrten Produkten haben ausreichend Absatzmöglichkeiten und sind nicht auf Groupon angewiesen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Und da die Händler das wissen, werden sie versuchen, sich die Präsenz bei Groupon von der Plattform entsprechend vergolden zu lassen.

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