Fintech: Der Sturm auf die Banken hat längst begonnen

Start-UpUnternehmen
Banking Technologie (Bild: Shutterstock / Oleksiy Mark)

An der Schnittstelle zwischen Hightech, Wirtschaft und Finanzen machen Fintechs den Banken Konkurrenz. Das Unternehmen Finleap fördert diese Finanz-Start-ups. Im Interview mit ITespresso erklärt Mitbegründer Ramin Niroumand, wie der Finanzmarkt funktioniert.

Das Unternehmen Finleap gehört zu den neuen und erfolgreichen Playern der Fintech-Branche. Finleap bietet allerdings selbst keine Finanzdienstleistungen an, sondern versteht sich als eine Art Business Angel. Das Geschäftsmodell besteht darin, im Fintech-Markt junge Unternehmen mit guten Ideen oder Start-ups auf dem Markt zu etablieren.

Dabei kümmert sich Finleap nicht nur um die Finanzierung, sondern will auch bei der Produktentwicklung unterstützen. Dafür stehen nach eigenen Angaben mehr als 40 Entwickler, Designer und Produktmanager bereit. Daneben stellt Finleap Kontakte zu möglichen Geschäftspartnern her und eigene Expertise bereit. Dabei ist das Unternehmen mit Sitz in Berlin selbst noch ein Start-up. Es wurde erst im Herbst 2014 von der Hitfox Group gegründet, die selbst wiederum als Business Angel agiert.

Finleap hat seinen Sitz in Berlin und San Francisco. Im Führungsteam sitzen auch viele deutsche Manager. (Screenshot: Mehmet Toprak)
Finleap hat seinen Sitz in Berlin und San Francisco. Im Führungsteam sitzen auch viele deutsche Manager (Screenshot: Mehmet Toprak).

Offenbar wächst das Unternehmen sehr schnell. Derzeit beschäftigt es 100 Mitarbeiter, bis zum Jahresende sollen weitere 150 dazukommen. Pro Jahr will man zwischen vier und sechs Fintech-Anbieter auf die Beine stellen. Für jeden steht eine Investition zwischen 500.000 und fünf Millionen Euro bereit. Im Interview mit ITespresso erklärt Finleap-Mitgründer Ramin Niroumand, wie das Unternehmen arbeitet und wie er den Startup-Markt in Deutschland sieht.

ITespresso: Deutschlands Finanzsektor – und insbesondere die Banken – gelten als konservativ. Wie sehen Sie den Markt in Deutschland?

Niroumand: Für uns ist der Finanzsektor sehr attraktiv. Es ist eine Metaindustrie. Finanzdienstleistungen durchziehen jede andere Industrie. Ein Zalando ohne eine sinnvolle Payment-Lösung funktioniert nicht. Zudem basiert das Marktumfeld im Wesentlichen auf Daten. Ausgerechnet Banken tun sich jedoch schwer, Daten sinnvoll zu nutzen. Bei der Kreditvergabe an Unternehmen beziehen Banken nicht alle verfügbaren Daten für das Scoring ein. Grundsätzlich stehen heute viel mehr Daten zur Verfügung, um die Kreditwürdigkeit besser bestimmen zu können. Diese werden von Banken aber nicht genutzt. Wir bauen Fintechs, die an solchen systematischen Schwachstellen ansetzen und bieten Kunden durch digitale Lösungen eine bessere Lösung.

ITespresso: Ist das ein Grund, warum die Fintech-Szene in Deutschland boomt?

"Fintechs sind stärker kundenzentriert als Banken". Finleap-Mitgründer und Partner Ramin Niroumand. (Foto: Finleap)
“Fintechs sind stärker kundenzentriert als Banken”, meint Finleap-Mitgründer und Partner Ramin Niroumand (Foto: Finleap).

Niroumand: Boom ist kein Wort, das auf Fintech zutrifft – auch nicht zutreffen darf. Die Finanzbranche als Metabranche muss sich konstant verändern. Unser Ziel ist es, Gründer beim Aufbau nachhaltiger, kundenorientierter und technologiestarker Unternehmen zu unterstützen und diese Veränderung zu gestalten.

ITespresso: Was ist der Vorteil von Fintech-Dienstleistern gegenüber herkömmlichen Banken?

Niroumand: Fintechs sind stärker kundenzentriert. Strukturbedingt können sie schneller Entscheidungen treffen und umsetzen. Einen wichtigen Vorteil erlangen Fintechs durch das bessere Verständnis der Kundenansprüche und damit entstehenden neuen Zugängen zu Services und Assets. Bei FinLeap haben wir mehrere Unternehmen mit einem neuartigen Zugang zu Assets gegründet: Savedo.de oder Clark.de sind gute Beispiele dafür.

ITespresso: Geraten die Banken in Bedrängnis?

Niroumand: Die Digitalisierung der Finanzbranche findet jetzt statt. Der Sturm auf die Banken hat längst begonnen. Ich kenne aber kein Fintech, das Guillotinen vor die Banktürme aufstellen will. Wir wollen nicht die Banken stürzen, sondern ihre Kunden gewinnen, indem wir mit den besseren Produkten überzeugen – gern auch als Partner einer Bank. Die Fintech-Revolution ist eine kooperative.

Wir arbeiten gern als Partner einer Bank. Die Fintech-Revolution ist eine kooperative, erklärt Finleap-Mitgründer und Partner Ramin Niroumand (Foto: Finleap).
“Wir arbeiten gern als Partner einer Bank. Die Fintech-Revolution ist eine kooperative”, erklärt Finleap-Mitgründer und Partner Ramin Niroumand (Foto: Finleap).

ITespresso: Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Unternehmen aufbauen und fördern?

Niroumand: Wer die Finanz- und Versicherungswelt verbessern will, muss sie im Detail verstehen. Nicht nur, weil Regulatoren das einfordern, sondern weil unsere Kunden absolute Verlässlichkeit erwarten. Das Expertenteam unterstützt aktiv unsere Gründungsteams und ist gleichzeitig ein Garant für Qualität der Produkte. Finleap investiert dazu zwischen 0,5 – 5 Millionen Euro Seed Funding und öffnet das Netzwerk zu weiteren Investoren.

Ebenso wichtig ist der Fast Track zu den Entscheidern der Bank: Wir können schnell unterschiedlichste Kooperationen aufbauen. Unsere Unternehmen profitieren aber nicht nur von industriespezifischen Know-how, sondern auch der Startup-DNA von Finleap. Wir bieten einen einzigartigen Zugang zu Talenten aus Technologie und Engineering, einer integrierten Entwicklungsplattform und Best-Practice-Prozessen.