Stiftung Warentest zeigt Mängel deutscher Mobilfunknetze auf

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Business-Nutzer mit Smartphone (Bild: Shutterstock / TATSIANAMA)

Alle drei Netzbetreiber – Telekom, Telefónica und Vodafone – bieten in Städten gute Netzabdeckung. Allerdings waren die Tester auch 3800 Kilometer mit dem Auto und 3400 Kilometer mit dem Zug unterwegs. Dabei waren telefonieren und mobile Internetnutzung oft schwierig.

Die Stiftung Warentest hat für die aktuelle Ausgabe ihrer Zeitschrift die Abdeckung durch die Mobilfunknetze in Deutschland untersucht. Dem groß angelegten Test zufolge haben Nutzer aller drei Mobilnetzbetreiber in den Ballungszentren meist sehr gute Verbindungen und gute Netzqualität. Auf dem Weg von einer Stadt in die andere, lässt die Netzqualität aber schnell nach. Das gilt insbesondere bei Zugreisen. Dabei blieb fast ein Drittel der im Rahmen des Tests getätigten Anrufversuche erfolglos. Außerdem brachen Gespräche plötzlich ab und gab es Probleme beim Laden von Internetseiten.

Stiftung Warentest zeigt Mängel deutscher Mobilfunknetze auf (Grafik: Stiftung Warentest)

Für den Test wurden in Deutschland insgesamt 3800 Kilometer mit dem Auto und 3400 Kilometer mit Zügen zurückgelegt. Bei ihren Reisen telefonierten die Tester, riefen Webseiten auf und versuchten über das Mobilfunknetz Videos anzuschauen. Getestet wurden dabei die Netze von Telekom, Vodafone und das neue kombinierte Angebot von O2 und E-Plus. Die Tester hatten dafür ein Mess­system mit zwölf Smartphones – für jedes Netz drei Geräte – entwickelt. Diese Geräte bauten ständig Sprach- und Daten­verbindungen auf und riefen Webseiten oder Videos auf. Neben Aufbauzeiten von Telefonverbindungen und der Ladezeit von Seiten wurden auch Sprachqualität und Datenrate gemessen.

In Städten und Ballungsräumen liegen die Anbieter etwa gleichauf. Alle drei liefern in den allermeisten Fällen gute Netzabdeckung. Bei den Überlandfahrten sieht das jedoch anders aus. Bei Zugfahrten konnte kein Anbieter die Stiftung Warentest wirklich überzeugen. Das liegt aber offenbar nicht nur an der Infrastruktur der Anbieter, sondern auch daran, dass die Waggons teilweise mit metallbedampften Scheiben ausgerüstet sind, die den Verbindungsaufbau erschweren. Allerdings schneiden die Netze von Vodafone und Telekom dennoch deutlich besser abschneiden als die Konkurrenten.

Das Problem ist grundsätzlich bekannt. Im September hatten die Deutsche Bahn und die Mobilfunkprovider es bereits indirekt bestätigt, indem sie Ausbaupläne für die WLAN-Infrastruktur vorlegten. Damit wird dann die zumindest die mobile Internetnutzung deutlich verbessert und dadurch letztlich auch die Qualität der Mobilfunknutzung, da die dann überwiegend der Sprachkommunikation zur Verfügung stehen kann.

Das Mobilfunknetz entlang der Bahnstrecken wird aktuell von den drei Mobilfunkbetreibern unterhalten. Dabei betreut zwar jeder sein eigenes Netz, die eigentlich konkurrierenden Unternehmen gehen in der Praxis jedoch immer wieder pragmatisch vor und nutzen Basisinfrastruktur – etwa Sendemasten – gemeinsam. Üblicherweise tritt dabei einer federführend als Generalunternehmer auf und richtet für die anderen dann nach deren Plänen Infrastruktur für sie mit ein.

Über alle Bereiche hinweg hat die Telekom die Tester am ehesten überzeugt. Doch diese Qualität lasse sich die Telekom auch bezahlen. Die Untersuchung hat zudem auch gezeigt, dass O2-Anwender besonders von der Fusion mit E-Plus profitieren: In 20 Prozent der Fälle wählten sich O2-Geräte über das UMTS-Netz von E-Plus ein. Weil aber E-Plus das deutlich bessere UMTS-Netz hat, wichen die E-Plus-Geräte nur in einem Prozent der Fälle in das Netz von O2 aus.

Bereits im September legte eine Untersuchung von OpenSignal nahe, dass es um die Netzabdeckung in Deutschland nicht besonders gut bestellt ist. Bei der allerdings auf LTE beschränkten Untersuchung liegen asiatische Länder mit bis zu 97 Prozent Abdeckung vorne. Spitzenreiter ist Korea mit einer Abdeckung von 97 Prozent, gefolgt von Japan mit 90 Prozent und Hongkong mit 86 Prozent. Die USA halten sich mit noch ordentlichen 78 Prozent.

Die beste LTE-Abdeckung in Europa gibt es demnach in den Niederlanden mit 80 Prozent. Aber auch Flächenstaaten wie Schweden mit 78 Prozent und Norwegen mit 72 Prozent schneiden noch ordentlich ab. Deutschland folgt hingegen erst hinter vielen weiteren Ländern mit bescheidenen 53 Prozent. Es liegt damit in Bezug auf die LTE-Abdeckung in der Rangliste zwischen Spanien und Marokko. Mit einer Abdeckung von 69 Prozent liegt auch in diesem Test die Telekom vorne, Vodafone erreichte 58 Prozent und O2 46 Prozent.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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