HP stößt Security-Abteilung TippingPoint ab

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HP TippingPoint Logo (Grafik: HP)

Die auf Intrusion-Prevention-Systeme spezialisierte Abteilung der HP-Netzwerksparte geht für 300 Millionen Dollar an Trend Micro. Das darf sich über ein Schnäppchen freuen: Nachdem die eigenständige Firma TippingPoint 2005 für 430 Millionen Dollar von 3Com aufgekauft worden war, kam sie 2010 mit dessen Übernahme durch HP zu dem Konzern.

Hewlett-Packard verkauft im Zuge seiner Aufspaltung in zwei unabhängige Firmen zum ersten November seine Tochter TippingPoint für 300 Millionen Dollar an Trend Micro. Wie HP mitgeteilt hat umfasst die Transaktion die TippingPoint-Sicherheitstechnologie für Intrusion-Prevention-Systeme, das geistige Eigentum, das Fachpersonal sowie die Kundenbasis der HP-Tochter.

Zehn Jahre, drei Logos: Mit dem Kauf durch Trend Micro geht für TippingPoint eine Odyssee zu Ende (Grafik: ITespresso)
Zehn Jahre, drei Logos: Mit dem Kauf durch Trend Micro geht für TippingPoint eine Odyssee zu Ende (Grafik: ITespresso)

Trend Micro will TippingPoint in den im Aufbau befindlichen Unternehmensbereich “Network Defense” eingliedern. Der soll dann künftig mehr als 3500 Enterprise-Kunden bedienen. Außerdem bekommt Trend Micro auch TippingPoints Digital Vaccine Labs (DVLABS), das Daten zu neuen Bedrohungen bereitstellt sowie die als HP Zero-Day Initiative bekannte Abeilung, die Sicherheitslücken aufspürt und erforscht.

Mit der Transaktion stärkt Trend Micro seine Position im Enterprise-Markt und kann seine auf zentral vorgehaltenen Informationen basierenden Sicherheitsdienste ausbauen. Hewlett-Packard dagegen verabschiedet sich aus dem Bereich netzwerkbasiernder Sicherheitslösungen – in dem es nie richtig angekommen war.

Laut Eva Chen, CEO von Trend Micro, liegen die Stärken des Unternehmens derzeit vor allem beim Schutz von Rechenzentren und Endpunkten. Durch die Übernahme von TippingPoint bewege man sich hin zu einem mehrstufigen Ansatz, um auch hochentwickelte Angriffe abwehren zu können. Die Integration der TippingPoint-Produkte dürfte zügig vonstatten gehen, da das Unternehemn mit HP seit 2014 eine Partnerschaft unterhält und die TippingPoint Advanced Threat Appliance (ATA) Technologie von Trend Micro nutzt. Der Kauf soll daher- die Genehmigungen der zuständigen Behörden vorausgesetzt – auch noch im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden.

“Diese Akquisition ergänzt Trend Micros bisherige Expertise in Bedrohungsabwehr und erweitert die Stärken bei Endpunkt-, Cloud- und Rechenzentrumssicherheit sowie Breach Detection um den Bereich Netzwerke”, kommentiert Mike Spanbauer, Vice President of Research der NSS Labs von Trend Micro. “Der Schritt, zwei starke Marken zu vereinen, verbessert Trend Micros Position im Enterprise-Umfeld um ein Segment ohne Mitbewerber. Trend Micro bietet damit großen und sehr großen Unternehmen, eine zentrale und vollständige Lösung zur Bedrohungsabwehr.”

Das Marktumfeld für TippingPoint aus Sicht von Gartner im Jahr 2008  (Grafik: Gartner).
Das Marktumfeld für TippingPoint aus Sicht von Gartner im Jahr 2008 (Grafik: Gartner).

“TippingPoint war eine wichtige Komponente unseres Sicherheitsangebots, aber wir haben uns entschlossen, bei Netzwerksicherheit Partnerschaften einzugehen und diese nicht selbst anzubieten. Damit können wir in anderen Bereichen unseres Sicherheitsportfolios investieren”, erklären Sue Barsamian, Senior Vice President und General Manager der Enterprise Group Worldwide Indirect Sales, und Art Wong, Senior Vice President und General Manager Enterprise Security Services bei HP.

Cisco, HPs großer Konkurrent im Netzwerkmarkt, geht dagegen derzeit genau den umgekehrten Weg: Nach einigem Hin und Her hat sich das Unternehmen seit der Übernahme von Sourcefire Ende 2013 für 2,7 Milliarden Dollar investiert der Konzern wieder verstärkt in den Bereich. Welcher der beiden Konkurrenten mit seiner Strategie Recht hat, wird sich dann in zwei oder drei Jahren zeigen.

Das Marktumfeld für TippingPoint aus Sicht von Gartner 2013/2014 (Grafik: Gartner).
Das Marktumfeld für TippingPoint aus Sicht von Gartner 2013/2014 (Grafik: Gartner).

Bei HP schrumpft der Bereich IT-Sicherheit damit im Wesentlichen noch aus den Produktfamilien HP Fortify und HP Data Security an. Außerdem bietet HP Produkte und Services für Penetrationstest, Identity- und Acces- Management sowie Data Loss Prevention an und bedient den Bereich Security Information and Event Management (SIEM) mit HP ArcSight. Sie alle basieren auf zugekaufter Software und richten sich an sehr große Unternehmen.

Für TippingPoint geht mit dem Kauf durch Trend Micro und die angekündigt Integration in dessen Unternehmensbereich “Network Defense” eine wahre Odyssee zu Ende. Die Firma war 2005 für 430 Millionen Dollar von 3Com übernommen worden. Wie zuletzt bei HP war es auch dort eine eigene Unternehmenseinheit für Netzwerksicherheit und Intrusion-Prevention-Systeme. Im April 2010 kaufte HP dann 3Com für 2,7 Milliarden Dollar und kam so auch in den Besitz der Sicherheitstochter TippingPoint. Auch wenn unklar ist, wieviel es für HP im Zuge der Gesamtübernahme von 3Com wert war, muss TippingPoint angesichts des jetzigen Verkaufswerts von 300 Millionen Dollar unterm Strich ein erheblicher Wertverlust bescheinigt werden. Wettbewerber entwickelten sich in der Zwischenzeit wesentlich positiver.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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