Drivr erhält 3 Millionen Euro und will in Deutschland gegen Uber antreten

Start-UpUnternehmen
Drivr Logo (Grafik: Drivr)

Das dänische Start-up bietet Taxi- und Mietwagenunternehmen cloud-basierende Technologie an, die ihnen beim Kampf gegen reine Vermittler wie Uber helfen soll. In Skandinavien, Großbritannien und den Baltischen Staaten ist Drivr bereits vertreten, mit dem frischen Kapital will man nach Deutschland und Spanien expandieren.

Das Taxi-Start-up Drivr hat in einer neuen Finanzierungsrunde 3 Millionen Euro eingenommen. Das Geld stammt im Wesentlichen von The Danish Growth Fund, aber auch die bisherigen Investoren haben sich noch einmal beteiligt. Insgesamt hat Drivr bislang somit 9 Millionen Euro Wagniskapital bekommen. Die aktuelle Finanzierung soll dazu verwendet werden, die Präsenz in Großbritannien und den bereits bedienten Ländern in Skandinavien und dem Baltikum auszubauen, sowie bis spätestens im Januar auch das Geschäft in Deutschland und Spanien aufzunehmen.

Di Gründer von Drivr, eine rin Dänemark und Litauen entwickelten, in Skandinavien, Großbritannien und dem Baltikum bereits eingeführten Plattform für Taxiunternehmen (Bild: Drivr)
Die Gründer von Drivr, einer in Dänemark und Litauen entwickelten, in Skandinavien, Großbritannien und dem Baltikum bereits eingeführten Plattform für Taxiunternehmen (Bild: Drivr).

Drivr funktioniert kurz gesagt wie Uber – nur anders. Denn anstatt auf freiberuflich tätige Fahrer zu setzen, will das dänische Start-up Taxi- und Mietwagenunternehmen mit seinem Komplettsystem Waffengleichheit mit dem Start-up aus Kalifornien ermöglichen. Die drei wesentlichen Stützpfeiler sind neben Technologie, lokales Marketing und die – zumindest angestrebte – weltweite Marke.

“Wir arbeiten mit den fortschrittlichsten Taxiunternehmen der Welt und vereinen diese auf einem globalen Netzwerk, das auf exzellenten Service, sicheren Transport, Klimafreundlichkeit und günstigere Preisen ausgerichtet ist. So können wir ein deutlich höheres Serviceniveau aufrechterhalten, da wir nicht auf freiberufliche Fahrer mit ihren Privatfahrzeugen zurückgreifen müssen und stattdessen mit den jeweils besten örtlichen Taxiunternehmen rund um den Globus kooperieren”, wirbt Søren Halskov, CEO und Mitgründer von Drivr in einer Pressemitteilung für sein Unternehmen.

Drivr Logo (Grafik: Drivr)

Flottenpartnern verspricht Drivr eine vollständig automatisierte Vermittlung auf Grundlage aktueller Daten zur Nachfrage. Sie könnten so Fahrer vorausschauend in Stadtteile mit hohem Fahrgastaufkommen steuern. Mit drei Partnerfirmen in Großbritannien habe man so errechnet, dass durch weniger Leerfahrten rund 12 Prozent Benzin eingespart werden konnte. Und während das automatisierte Vermittlungssystem die Zentralen entlaste, hätten diese nach wie vor die Möglichkeit, manuell in die Vermittlung einzugreifen, zum Beispiel, um Vorbestellungen zu berücksichtigen.

Braucht Deutschland Drivr?

Das klingt gut. Die Frage ist aber, ob der behauptete, große Bedarf in Deutschland überhaupt besteht. Schließlich ist hierzulande bereits eine ordentliche Infrastruktur vorhanden. Da ist einerseits die App myTaxi, andererseits das Angebot von Taxi Deutschland. Beides sind bereits gut eingeführte Angebote zur Vermittlung von Taxis via Smartphone-App.

Während sich myTaxi eher an Taxifahrer richtet, hat Taxi Deutschland, dass von der Taxi Deutschland Servicegesellschaft für Taxizentralen eG bereitgestellt wird, eher die Taxifirmen im Blick. Insbesondere Taxi Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten vehement gegen Uber gewehrt – und ist bisher erfolgreich – vor Gericht gegen den Anbieter vorgegangen.

App von Taxi Deutschland (Bild: Taxi Deutschland eG)

Daher dürfte auch die von Drivr als fortschrittliche beworbene Funktion seiner Plattform zur dynamischen Anpassung von Fahrpreisen an Angebot und Nachfrage oder die Einrichtung von Fixpreisen für bestimmte Strecken zumindest in absehbarer Zeit hierzulande nicht wirklich zum Tragen kommen. Die Vermittlungsplattform, die Leerfahrten minimiert, ist Taxis Deutschland e.G. zufolge “in den Taxizentralen längst Standard”. Alles andere wäre unwirtschaftlich. Gerade in Städten sei das daher “ein alter Hut”.

Eine weitere, technische Spezialität von Drivr, die wahrscheinlich mit deutscher Gesetzgebung kollidiert, ist der “virtuelle Taxameter”. In Deutschland müssen Taxameter jährlich geeicht werden. Ob das beim “virtuellen Taxameter” von Drivr möglich ist, darf bezweifelt werden. Immerhin werden nach Angaben des Start-ups auch eingebaute Taxameter unterstützt. Damit ist der regelkonforme Betrieb möglich, aber kommt eben eine Besonderheit hierzulande nicht zum Tragen.

Struktur des Taxigewerbes in Deutschland

Nach Angaben der Branche gibt es in Deutschland rund 700 Taxizentralen, 21.000 Kleinunternehmer mit durchschnittlich zwei bis drei Fahrzeugen und insgesamt 255.000 Taxifahrer. Die Genossenschaft der Taxizentralen stellt seit 2010 eine kostenlose App zur Verfügung. Sie bietet Ortung, Fahrpreisrechner und auf Wunsch auch Online-Payment. Angeschlossen sind dem Anbieter zufolge alle Orte in Deutschland mit mehr als 5000 Einwohnern und deren Taxizentralen – insgesamt also 2594 Städte und Gemeinden.

mytaxi Logo (Bild: myTaxi)

Die App war auch eine Reaktion auf die seit 2009 angebotene App myTaxi. Die eröffnete Taxifahrern eine Möglichkeit, unabhängig von den Taxizentralen Fahrgäste zu akquirieren. 2011 expandierte man erstmals ins Ausland (nach Wien), später dann nach Barcelona und Warschau. Seitdem lag der Schwerpunkt der internationalen Expansion auf Spanien: Neben Madrid noch 2012 kamen dann in diesem Jahr Valencia und Sevilla dazu. Mit dem Start in Mailand erfolgte zudem der Markteintritt in Italien.

“Grundsätzlich begrüßen wir jedes Unternehmen, dass das gleiche Ziel wie wir verfolgt: Die Digitalisierung der Taxibranche voranzutreiben. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies der einzige Weg für die Taxibranche ist, wettbewerbsfähig und auch in Zukunft noch relevant zu sein”, erklärt Sprecher Stefan Keuchel auf Anfrage von ITespresso. Mit und 45.000 bei mytaxi angeschlossenen Taxifahrer sieht man dem Wettbewerb aber gelassen entgegen. Schließlich biete man den Fahrern die Möglichkeit, sich von anderen Vermittlern unabhängig zu machen. Da dies ohne Vertragsbindung, Fixkosten und Anschaffungskosten möglich ist, sei es auch risikolos.

Die Chancen für Drivr in Deutschland

Rytis Jakubauskas, bei Drivr für Business Development zuständig, gibt das Lob zunächst einmal an mytaxi zurück. Der Anbieter der App habe im Hinblick auf die Technologie gute Arbeit geleistet. Allerdings gehe eben Drivr nicht direkt auf Taxifahrer zu, sondern nehme bereits existierende Flotten und Zentralen auf seine Plattform auf. Für die will man den Umstieg auch dadurch attraktiv machen, dass man ihnen neben den Apps auch weitere Produkte zur Verfügung stellt, etwa zum Flottenmanagement, ein Call Center und eine eigene Plattform für deren Groß- und Unternehmenskunden.

Die Drivr App (Bild: Drivr)
Die Drivr-App (Bild: Drivr)

Ob das klappt, bleibt nun abzuwarten. So wie es aktuell aussieht, kann Drivr in erster Linie in Ballungsräumen etwas für Taxiunternehmen tun. Auf der Website werden Modelle durchgerechnet, wonach beim Einsatz von mehreren hundert Fahrzeugen Einsparungen bis zu 30 Prozent möglich sind. Der oben dargestellten Struktur des Taxigewerbes in Deutschland entspricht das aber nicht.

Um eine etwas martialische Analogie zu bemühen: Die rund 21.000 Kleinunternehmer der Branche in Deutschland können sich im Kampf gegen Uber jeder höchstens ein Buschmesser leisten, Drivr bietet ihnen aber Kampfpanzer an. Das wird so nicht funktionieren. Ob die großen Taxizentralen in Frankfurt und Umgebung, Hamburg, München, Dortmund und Bremen der ja von ihnen mitgetragenen Genossenschaft den Rücken kehren, darf getrost bezweifelt werden. Bleiben für Drivr also noch Städte wie Berlin, Köln, Leipzig oder Stuttgart. Ob es da klappt, wird sich dann 2016 zeigen.

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