Freebooting: Facebook will gründlicher gegen Missbrauch bei Videos vorgehen

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Facebook Video (Grafik: Facebook)

Der Upload von anderswo durch Nutzer zunächst heruntergeladenen Videos bei Facebook entwickelt sich zum ernsthaften Problem für das Soziale Netzwerk. Dagegen vorzugehen ist für Facebook eine delikate Aufgabe: Schließlich verdankt es den Urheberrechtsverletzungen monatlich Aufrufe im mittleren einstelligen Milliardenbereich.

Facebook wird gegen die offenbar zunehmende Praxis vorgehen, urheberechtlich geschützte Videos von Seiten wie Youtube, Vimeo, Vine und anderen Portalen herunterzuladen und diese dann in das Soziale Netzwerk hochzuladen, um sie dort als eigene Kreationen auszugeben und mit dem integrierten Player abspielen zu lassen. Dieses als “Freebooting” bezeichnete Vorgehen war in den vergangenen Wochen immer häufiger und immer heftiger kritisiert worden. Es wurde zudem nicht nur von unbekannten Privatpersonen, sondern in beachtlichem Umfang auch von Prominenten mit großer Anhängerschaft bei Facebook praktiziert. Sie – oder die Verwalter ihrer Fanpage – waren damit offenbar bemüht, die Anhängerschaft bei Laune zu halten.

Facebook Video (Grafik: Facebook)

Da die bisher verwendeten Kontrollmechanismen offenbar nicht ausreichen, sollen sie nun verschärft werden. Aktuell durchlaufen Videos, wenn sie zu Facebook hochgeladen werden, ein von Audible Magic bereitgestelltes Kontrollverfahren. Außerdem stehen Tools bereit, mit denen Urheber und Rechteinhaber Missbrauch melden können. Bei berechtigten Beschwerden verspricht Facebook die Videos dann “umgehend” zu entfernen. Außerdem sehen die Facebook-Richtlinien vor, dass Nutzer, die wiederholt bei Urheberrechtsverletzungen erwischt werden, dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Insbesondere haben sich bei Facebook offenbar Rechteinhaber beschwert, deren Videos eine große Verbreitung erfahren haben. Sie kamen wahrscheinlich mit den verfügbaren Werkzeugen gar nicht mehr mit den Beschwerdeanträgen nach. Die vorhandene Kontrollmechanismen für Audioelemente sind daher bereits um eine Technologie zum Bildvergleich ergänzt worden. Die steht aber zunächst nur einem kleinen Teil der Rechteinhaber zur Verfügung.

“Diese Technologie wurde für unsere Plattform maßgeschneidert und wird es diesen Urhebern erlauben, Uploads ihrer Videos bei Facebook über Seiten, Profile, Gruppen und Länder hinweg zu identifizieren. Unser Matching-Tool wird Millionen von Video-Uploads schnell und genau prüfen, und wenn Übereinstimmungen erkannt werden, können Publisher für sie direkt die Löschung beantragen“, erklärt Facebook.

Die Tests einer Beta-Version dieser Technologie sollen zusammen mit ausgewählten Partnern bald begonnen werden. Auch mit deren Rückmeldungen soll das System dann in den “kommenden Monaten” verbessert werden. Dann soll es auch weiteren Partnern zur Verfügung gestellt werden. “Langfristig wollen wir ein umfassendes Video-Management-System bereitstellen, dass die Anforderungen aller Partner erfüllt”, so Facebook weiter.

Auf weiterreichende Kritik, wie sie zum Beispiel von dem in den USA recht populären Youtuber Hank Green geäußert wurde, geht Facebook in der aktuellen Stellungnahme nicht ein. Green hatte Facebook zum Beispiel vorgeworfen, durch seinen Algorithmus in den nativen Player des Sozialen Netzwerks hochgeladene Videos bei der Darstellung gegenüber solchen zu bevorzugen, die zum Beispiel mit Verweis auf Youtube veröffentlicht wurden. Seinen Vorwurf untermauert er mit einer gemeinsam von der Werbeagentur Ogilvy und der Videovermarktungsplattform Tubular Labs durchgeführten Untersuchung. Demnach waren im ersten Quartal des Jahres 2015 von den 1000 bei Facebook am häufigsten betrachteten Videos 725 aus anderen Quellen dorthin hochgeladen. Diese Videos sollen dem Sozialen Netzwerk alleine 17 Milliarden Aufrufe eingebracht haben.

So gesehen ist das Problem mit Videos für Facebook nicht nur ein urheberrechtliches: Geht es effizient gegen den Missbrauch vor, brechen für Anleger und Werbekunden wichtige Kennzahlen dramatisch ein. Dulde es Urheberrechtsverletzungen auf seiner Plattform weiterhin in erheblichem Umfang, drohen zahllose rechtliche Probleme. Aufgabe des Managements ist es also nun, einen Weg zu finden, die Nutzer auf der Seite zu behalten und gleichzeitig dennoch die rechtliche Problematik zu lösen.

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