Atelco Computer und Hardwareversand.de haben Insolvenzantrag gestellt

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Atelco-Filiale in Aachen (Bild: Atelco)

Der in 21 Filialen in Deutschland vertretene Computerhändler und seine beiden Online-Töchter Hardwareversand.de und Anobo.de stehen vor einer tiefgreifenden Restrukturierung. Absprachen mit den Lieferanten sollen sicherstellen, dass Kunden auch weiterhin beliefert werden. Die Mitarbeiter können aus Insolvenzgeld noch mindestens drei Monate bezahlt werden.

Der Computerhändler Atelco hat beim Amtsgericht Arnsberg am 23. Juli Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Denselben Schritt machten an dem Tag auch die zugehörigen Onlinehändler Hardwareversand.de und Anobo.de. In allen drei Fällen wurde Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er strebt die langfristige Sanierung beziehungsweise Restrukturierung der Unternehmen an. Allerdings ist auch der Verkauf oder der teilweise Verkauf an einen Investor möglich.

Auf den Webseiten erklären Atelco, Hardwareversand.de und Anobo.de übereinstimmend, dass alle Kunden die vor dem 23. Juli 2015 bestellt haben, und deren Aufträge noch nicht vollständig abgearbeitet wurden, persönlich informiert werden. Außerdem habe man mit den Lieferanten die erforderlichen Absprachen getroffen, so dass die weitere Belieferung des Unternehmens gewährleistet sei. Als erstes seien Warenbestellungen mit Vorkasse in Kürze wieder möglich. Für diese sei der Erhalt der Ware sichergestellt. Bei der Abwicklung der Herstellergarantie für über die Portale oder in den Atelco-Filialen gekaufte Produkte unterstütze man die Kunden auch weiterhin.

Hardwareversand.de (Screenshot: ITespresso)
Auch die Atelco-Tochter Hardwareversand.de musste am 23. Julki Insolvenzantrag stellen (Screenshot: ITespresso).

Nach Angaben des Unternehmens arbeiten bei Atelco aktuell rund 350 Mitarbeiter in den rund 21 Filialen und der Zentrale in Möhnesee. Deren Löhne und Gehälter seien für die nächsten drei Monate über Insolvenzgeld sichergestellt. Atelco wurde 1988 in Essen gegründet und eröffnete in den folgenden Jahren zunächst einige Filialen in Nordrhein-Westfalen. 1992 verlegte man den Unternehmenssitz nach Möhnesee. Die Anzahl der Filialen wuchs danach rasch an und lag zwischenzeitlich bei 27. Inzwischen ist Schwerpunkt der Filialtätigkeit ist nach wie vor Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, es finden sich aber auch Ladengeschäfte in Bremen, Hamburg, Berlin, Nürnberg, Mannheim und Kaiserslautern.

Anobo.de (Screenshot: ITespresso)
Trotz der Ausrichtung auf hochwertige und eher margenstarke Produkte erwirtschaftete auch die zweite Atelco-Online-Tochter Anobo.de keine Gewinne (Screenshot: ITespresso).

Dem im Bundesanzeiger veröffentlichten letzten Geschäftsbericht für das am 31. März 2014 endende Geschäftsjahr zufolge drückten vor allem die beiden Online-Töchter auf die Bilanz. Während die Atelco Computer Event GmbH, die mit der Filialverwaltung betraut ist, einen Überschuss von 209.000 Euro erzielte und die Atelco Immobilien GmbH, der die Liegenschaften gehören, gar 421.000 Euro erwirtschaftete, stehen bei der hwv Hardwareversand.de GmbH und der Anobo.de Deutschland GmbH, ein Minus von 82.000 respektive 56.000 Euro in den Büchern.

Bereits seit längerem arbeitet die Geschäftsführung daher an einem Restrukturierungskonzept. 2013 wurde mit der Unternehmensberatung Ebner Stolz Mönning Bachem GmbH eine grundlegende strategische Neuausrichtung erarbeitet. Dabei wurde das organische Wachstum in den Vordergrund gestellt und eine Umsatzsteigerung auf 220 Millionen Euro für 2018 angepeilt. Die sollte durch eine Konzentration auf margenstarke Artikel sowie stärkere Differenzierung und Konzentration im Bereich des Online-Geschäfts erreicht werde.

Allerdings wurde bereits Anfang 2014 deutlich, dass die Vorgaben des Konzepts nicht eingehalten werden konnten. Daher wurde damals eine verstärkere Konzentration auf margenstarke Artikel beschlossen. Umsatzrückgänge sollten dabei in Kauf genommen werden. Außerdem wurden Kosteneinsparungen, insbesondere im Personalbereich, beschlossen.

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