Wie werden Unternehmen innovativ?

Innovation
ITespresso e(Bild: Shutterstock/tofutyklein).

Dieser Frage ist die Cambridge Judge Business School der Universität Cambridge im Auftrag von AT&T nachgegangen. Ziel war es, herauszufinden, ob erfolgreiche Unternehmen gemeinsame Merkmale besitzen. Als Ergebnis präsentieren die Forscher sechs davon.

Nein, es sind nicht die – durch welche Tools auch immer – aufgehübschten Brainstorming-Meeetings. Auch die das betriebliche Vorschlagswesen spielt nicht die entscheidende Rolle – unabhängig davon, ob es über den altgedienten Zettelkasten an der Tür des Betriebsratszimmers oder ein schickes Online-Portal umgesetzt wird. Und nein, es ist auch nicht das Anbiedern bei und Aufkaufen von Start-ups, das Firmen innovativ und dadurch letztlich erfolgreich macht. Zumindest nicht, wenn man den Ergebnissen einer jetzt vorgelegten Untersuchung der Judge Business School der Universität Cambridge im Auftrag von AT&T Glauben schenkt. Die Wissenschaftler haben sechs ganz andere Aspekte ermittelt, die heute zur DNS innovativer Unternehmen zählen. Einzige Einschränkung: Im Mittelpunkt der Studie standen Unternehmen, die mithilfe von Technologie Innovationen entwickeln. Aber wer tut das in Zeiten von Industrie 4.0 denn nicht?

Im Rahmen der Studie befragte die Cambridge Judge Business School leitende Angestellte von führenden internationalen Unternehmen aus den Branchen Öl & Gas, Bankwesen & Finanzdienstleistungen, Einzelhandel, Transport & Logistik, Bildung und Gesundheitswesen. Betrachtet wurden jeweils Trends die in diesen Branchen als Wachstumsmotoren gelten. Bedauerlicherweise wurde nicht verifiziert, ob Firmen die sich danach richten, auch wirtschaftlich erfolgreicher sind als andere. Denn nur mit Innovation stellt man die Anteilseigner ja auch nicht zufrieden.

Als die sechs Merkmale, die innovativen Unternehmen – zumindest zum Teil – gemeinsam sind, haben die britischen Forscher im Auftrag des Unternehmens, das einst eines der größten Forschungseinrichtungen der Welt unterhielt, folgende ermittelt.

  • Maßgeschneiderte Produkte und Leistungen, die die individuellen Bedürfnisse der Kunden erfüllen..
  • Nachhaltigkeit: Minimierung von Abfällen und optimiertes Management von Rohstoffkosten
  • Gemeinschaftliche Vermögenswerte. Als Beispiel nennt die Studie hier Beispiel Peer-to-Peer-Geschäfte.
  • nutzungsabhängige Bezahlung
  • effektive Überwachung von Lieferketten
  • Verwendung von Daten zur einfachen Anpassung an Kundenbedürfnisse

Laut Steve McGaw, Chief Marketing Officer bei AT&T Business Solutions, werden sich nicht alle dieser Muster in allen Branchen anwenden lassen. Allerdings bekämen Führungskräfte so Basisinformationen, in welche Richtung sie ihre Geschäftsmodelle anpassen und welche Technologien sie einsetzen können. Den kompletten Bericht bietet AT&T auf seiner Website gegen Angabe von E-Mail- und Namen zum Download an. In der Studie werden die generellen Trends auch hinsichtlich ihrer Bedeutung auf die einzelnen Branchen beleuchtet und Beispiel genannt, darunter mit dem Paketkopter von DHL, der versuchsweise die Nordseeinsel Juist beliefert, auch eines aus Deutschland.

Merkmale innovativer Firmen (Grafik: AT&T)

Generell sind es aber nicht diese Einzelprojekte, die Unternehmen innovativ machen, es ist vielmehr die Bereitschaft, etablierte Abläufe und aktuell noch funktionierende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen. Dabei muss den Verantwortlichen allerdings auch bewusst sein, dass es dabei oft nicht ohne Einbußen abgehen wird. Letztendlich müssen sie sich aber sagen, dass, falls sie den Schritt nicht machen, es ein anderer tun wird und sie dann vollkommen das Nachsehen haben.

Beispiele für Firmen auf der Suche nach Innovation

Beispiele dafür gibt es viele. In der Automobilbranche haben die wesentlichen Hersteller beispielsweise erkannt, dass – ungeachtet der teilweise noch ungelösten Sicherheitsfragen – ohne Vernetzung nicht mehr gehen wird. Die wirft aber auch weitergehende Fragen auf: Muss dann wirklich noch jeder ein eigenes Fahrzeug besitzen, oder reichen Fahrzeug-Pools? Wer bekommt die Einnahmen aus Vermietung der Fahrzeuge wenn Car-Sharing-Dienste richtig populär werden? Und fangen die Einnahmen die notwendigerweise wegfallenden Umsätze auf, wenn nicht mehr jeder Kunde ein Auto kauft, sondern viele nur gelegentlich eines nutzen?

Microsoft Logo (Bild: Microsoft)

In der Softwarebranche durchläuft Microsoft gerade einen grundlegenden Wechsel. Der Konzern kämpft darum, seinen Kunden – vor allem die profitablen in den Firmen – nicht an alle möglichen, kleinteiligen mehr oder weniger kostenlosen Dienste zu verlieren. Er kauft die allerdings nicht nur auf, wie jüngst das deutsche Start-up 6Wunderkinder oder zuvor die Entwickler der App Acompli. Er macht dazu auch – früher undenkbar – einen großen Teil seines Angebots kostenlos verfügbar, bietet andere Teile zu kalkulierbaren Kosten in Abonnements an und durchbricht demnächst sogar liebgewordene Gewohnheiten – Upgrades auf neue Betriebssystemversionen – die ganzen Legionen von treuen Vetriebspartnern ein regelmäßiges und erträgliches Einkommen sicherten.

HP Gobal Partner Conference

Ein weiteres Beispiel ist Hewlett-Packard. Der Konzern hat die Notwendigkeit zum Wandel zwar erkannt, tut sich aber mit entschlossenen Schritten schwer. Wie ernst es um den Konzern steht, zeigen die Zahlen für das zweite Quartal 2015. Sogar die langjährige Cash-Cow und mit einer Marge von über 18 Prozent immer noch profitabelste Bereich, die Druckersparte, musste einen Rückgang von sieben Prozent zugeben. Auch die Software-Sparte, in die in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge investiert wurden erzielte acht Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresquartal. Und die ausgewiesen operative Marge von 17,9 Prozent würde bei reinen Softwarefirmen umgehend zu personellen Konsequenzen führen.

Einziger Lichtblick: Die Server-Sparte, die als einzige im Vergleich zum Vorjahr zulegen konnte. Aber wer das Servergeschäft jahrelang beobachtet hat, der weiß auch, dass hier ein Auf- und Ab die Regel ist und einzelne Quartale aufgrund der Kaufgewohnheiten der Kunden wenig aussagekräftig sind.

Das alles muss man auch bei HP wissen, gibt es aber nicht offiziell zu. Denn noch muss die Zeit, bis die Geschäftsbereiche, die in Zukunft das Bestehen des Konzerns sichern sollen groß und profitabel genug sind, werden noch mindesten vier oder fünf Jahre ins Land gehen. Dazu gehört – wenn die noch bestehenden technischen Probleme in der Fertigung überwunden sind – sicherlich die neue Rechnergeneration auf Basis von Memristoren. HP arbeitet daran schon länger, hat aber in der jüngeren Vergangenheit offenbar einige Durchbrüche erzielt, die es realistisch erscheinen lassen, dass in den nächsten Jahren erste darauf basierende Geräte auf den Markt kommen. Hewlett-Packard nennt den Ansatz schlicht The Machine und erwartet, dass wohl zunächst die Vorteile im Kleinen zum Tragen kommen und der Servermarkt erst später dadurch umgekrempelt wird.

Zweiter Bereich mit echter Innovation ist das Segment 3D-Drucker. Hier hat der Konzern nach einigem Herumeiern jetzt ebenfalls eine vielversprechende Technologie im Portfolio. Sie soll schon im kommenden Jahr in den für industrielle Zwecke gedachten 3D-Druckern des Unternehmens zum Einsatz kommen.

Zuora Logo (Bild: Zuora)

Diese Giganten können den Umbruch und den Wandel aus eigener Kraft schaffen. Sicher ist das allerdings auch nicht. Kleine und mittelständische Unternehmen werden sich nach Technologielieferanten umsehen müssen, die ihnen ermöglichen, ihre Expertise auch weiterhin auszuspielen, andererseits aber den Anschluss an Entwicklungen im Markt nicht zu verpassen. Doch auch da positionieren sich schon die ersten. Im Bereich” Nutzungsabhängige Bezahlung” beispielsweise haben viele Firmen gute Ideen für ihre Produkte und Kunden – verzweifeln aber oft daran, wenn es darum geht, die dadurch deutlich komplexer gewordenen Abrechnungen und Kundenbeziehungen in den Griff zu bekommen. Hier hat sich mit Zuora in den vergangenen Monaten ein Unternehmen etabliert, dass diese Problematik früh erkannt und eine Plattform entwickelt hat, die es skalierbar und für den einzelnen Kunden kostengünstig löst.

Der Bereich Daten wird ja durch ein ganzes Heer von Anbieter im Bereich Big Data schon abgedeckt. Spannend ist nun, welche sich hier letztendlich durchsetzen werden. Macht das Rennen eher eine Firma aus dem Bereich Open Source wie Talend oder schaffen es die Softwaregiganten doch noch, dies als integralen und dennoch anpassbaren Bestandteil ihrer Suiten an den Markt zu bringen? Der Verdienst der von AT&T beauftragten Studie ist es, dass man nun weiß, in welchen Bereichen man die Augen offenhalten sollte.

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