Standortwahl von Start-ups: Förderprogramme verpuffen meist nutzlos

Start-UpUnternehmen
Start-up (Bild: Shutterstock/Rwapixel)

Herbe Schlappe für alle Feigenblatt-Programme der Politik: Das beste Förderprogramm hilft nichts, wenn es dem Gründer zuhause gut gefällt. Einer Umfrage des Bitkom zufolge sind Gründer die Nähe zu Freunden und Lebensqualität deutlich wichtiger als Förderinstrumente wie Start-up-Netzwerke, Veranstaltungen und Gründerstammtische.

Gründer lassen sich bei der Wahl des Standorts für ihr Start-up vor allem von persönlichen Faktoren leiten. Die Nähe zu Freunden und zur Familie sowie die Lebensqualität vor Ort spielen einer Umfrage des Bitkom zufolge eine deutlich größere Rolle als Faktoren wie Qualifikation und Kosten von Personal oder Verfügbarkeit und Kosten von Gewerberäumen. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Umfrage des Bitkom unter 227 Gründer von IT- und Internet-Start-ups hervor.

Standortwahl von Start-ups: Berlin zieht Gründer am ehesten wegen der Rahmenbedingungen an - hat jedoch wenig Chancen, Gründer aus Hamburg oder München für sich zu begeistern (Grafik: Bitkom).
Berlin zieht Gründer am ehesten wegen der Rahmenbedingungen an – hat jedoch wenig Chancen, Gründer aus Hamburg oder München für sich zu begeistern (Grafik: Bitkom).

Allerdings offenbart die Umfrage auch deutliche Unterscheide zwischen den drei Start-up-Hochburgen Berlin, München und Hamburg: Berliner Gründer geben vor allem das Start-up-Netzwerk und die Lebensqualität (je 76 Prozent) als Ursache dafür an, warum sie die Hauptstadt als Standort für ihr Unternehmen gewählt haben. An dritter und vierter Stelle werden die Personalsituation (73 Prozent) und persönliche Gründe (70 Prozent) genannt.

In Hamburg geben 85 Prozent der Befragten an, die Infrastruktur, zu der etwa Verkehrsanbindung und Verfügbarkeit von schnellen Breitbandanschlüssen zählen, habe bei der Standortwahl die größte Rolle gespielt. Persönliche Gründen (81 Prozent) und die wahrgenommene Lebensqualität (77 Prozent) folgen auf Rang zwei und drei.

Vertreter in München gegründeter Start-ups sind dagegen – je nach Sichtweise – entweder besonders heimatverbunden oder hängen am stärksten am Rockzipfel: Für 92 Prozent von ihnen waren persönliche Gründe ausschlaggebend für die Standortwahl. Auffällig ist zudem, dass andere Faktoren wie die Infrastruktur (68 Prozent) oder die Personalsituation (60 Prozent) hier mit deutlich größerem Abstand folgen als in Berlin oder Hamburg. Die vielgerühmte Lebensqualität spielt mit 52 Prozent in der bayerischen Landeshauptstadt für Start-up-Gründer übrigens eine eher untergeordnete Rolle.

Deutschlandweit spielt immer hin für nahezu jedes zweite Start-up ein Netzwerk mit Veranstaltungen oder Gründerstammtischen (49 Prozent) eine zentrale oder wichtige Rolle. Auch die Qualität der Bildungseinrichtungen wie Universitäten und Schulen (45 Prozent) sowie die Verfügbarkeit und Kosten von Gewerberäumen (44 Prozent) werden in die Überlegungen einbezogen. Das Marktumfeld, also zum Beispiel die räumliche Nähe zu Kunden und Lieferanten (38 Prozent), Investoren (34 Prozent) oder lokalen beziehungsweise regionalen Förderprogrammen für Gründer (33 Prozent) spielen nur für jeden Dritten Gründer eine Rolle. Und lediglich jeder Siebte hat bei der Wahl des Standorts die Unterstützung durch Ämter berücksichtigt oder in Betracht gezogen, wo die bürokratischen Hürden am niedrigsten sind.

Das ist letztlich eine gewaltige Ohrfeige für viele Initiativen und Förderprogramme. Ihnen kann unterstellt werden, eher den Beteiligten bei ihrer Profilierung zu helfen, als wirklich zur Neugründung von Firmen im IT-Bereich beizutragen. Denn selbst, wenn sie als Faktor in eine Überlegung einbezogen werden, so durch nur nachrangig. Der Verdacht liegt daher nahe, dass sie eher mitgenommen werden, wenn sich die Gelegenheit ergibt, als dass sie tatsächlich Auslöser und Anstoß für Neugründungen sind.

Bitkom-Vizepräsident Ulrich Dietz kommt daher in einer Pressemitteilung auch zu dem Schluss: “Wenn sich Politiker für bezahlbare Büroräume, gute Schulen und ein funktionierendes Gründer-Netzwerk einsetzen, dann ist das eine hervorragende Start-up-Hilfe und wirkt besser als ein weiteres kleinteiliges Förderprogramm vor Ort.”

Tipp der Redaktion: Alle sind begeistert von innovativen Start-ups. Doch die Realität sieht weniger rosig aus. Immer noch tun sich Gründer schwer, ihre Projekte zu finanzieren. ITespresso befragt Experten nach der Misere und zeigt, wo sich Start-ups selbst helfen können.

Europäischer Erfinderpreis 2015: Finalisten und Gewinner

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Europäischer Erfinderpreis 2015 - Andreas Manz
Für sein Lebenswerk wurde der Schweizer Andreas Manz ausgezeichnet. Er gilt als Pionier auf dem Forschungsgebiet der Mikrofluidik. Seiner Arbeit ist es zu verdanken, das sich heute komplexe medizinische, biologische und chemische Analysen schnell und effizient durchführen auf Mikrochips lassen. Dies wiederum ist die Grundlage dafür, dass für Diagnosen erforderliche Analysen nicht nur im Labor, sondern auch nah am Patienten möglich sind – und dieser nicht tagelang auf das Ergebnis zu warten braucht. Ein Beispiel, wo dies heute zum Einsatz kommt, ist der DNA-Schnelltest zur Prävention von Erbkrankheiten (Bild: EPO)
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