Hamburger Start-up will mit eBlocker digitale Spuren im Netz verhindern

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eBlocker Logo (Bild: eBlocker)

Dazu wird demnächst eine Sofware zur Verfügung stehen, die sich auf dem Raspberry Pi oder Banana Pi installieren und für ein Heimnetzwerk nutzen lässt. Eine massentauglichere Kombination aus Software und angepasster Hardware soll noch dieses Jahr folgen. Sie erlaubt dann anonymes Surfen, blockiert übertriebenes Nutzertracking und darauf basierende Werbung und bietet eine Kindersicherung.

Das Hamburger Start-up eBlocker ist jetzt mit seinem gleichnamigen Produkt erstmals an die Öffentlichkeit gegangen. Basis ist die eBlocker-Software, die Nutzern anonymes Surfen ermöglichen soll und gleichzeitig hilft, unerwünschtes Tracking zu verhindern. Sie soll ab dem vierten Quartal 2015 in Kombination mit einer passenden Hardware – also als Appliance auf Basis eines Banana Pi – für alle Nutzer erhältlich sein und richtet sich private Anwender, die die Funktionen allen Benutzer des Heimnetzwerks zur Verfügung stellen wollen.

eBlocker Logo (Grafik: eBlocker)

Ab Juli werden in einer “Early Access”-Phase Unterstützer einer dann anlaufenden Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo die Software herunterladen und auf einem Banana Pi oder Raspberry Pi installieren können. Da sie den allerdings selbst erwerben und ins Netzwerk einbinden müssen, richtet sich dieses Angebot eher an erfahrene Nutzer. Die Kosten für das Recht auf einen Download wird bei einem “kleinen zweistelligen Euro-Betrag” liegen, wie das Unternehemn auf Anfrage mitteilt.

Einmal eingerichtet soll der eBlocker sämtliche Drittanbieter-Dienste und Online-Werbung blockieren. Die Hamburger heben hervor, dass dies ohne Installation von Software auf den Endgeräten und bei Nutzung sämtlicher Browser und Apps funktionieren wird. Das sei auch das wesentliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber herkömmlichen Browser-Plug-ins.

Das Gerät selbst soll keine Daten erfassen. Es richtet sich in wenigen Minuten automatisch ein und ist danach betriebsbereit. Wer möchte, kann für jedes Familienmitglied anschließend spezifische Einstellungen zur Privatsphäre vornehmen. Damit ist dann zum Beispiel auch für Spielekonsolen eine Kindersicherung, wie man sie von den besseren Versionen gängiger Antiviren-Software her kennt, einrichtbar. Optional kann eBlocker zudem die sichtbare IP-Adresse des Nutzers über das Tor-Netzwerk anonymisieren.

Plan der Hamburger ist es derzeit, die eBlocker-Box samt 12 Monaten Updates für weniger als 200 Euro anzubieten. Zum Beginn des Vorverkaufs über Indiegogo wird eine limitierte Anzahl der Boxen für 149 Euro angeboten werden. Die Appliance ist ausschließlich für den Heimgebrauch gedacht. Bildungseinrichtungen oder Firmen können aber auf Anfrage eine Installation der Software auf ihren Servern bekommen.

Der eBlocker aktualisiert Software und Filterlisten täglich automatisch. Er greift dazu auf Open-Source-Filterlisten für Profil-Tracker und Online-Werbenetzwerke entwickelt zurück. Ergänzend liefert der Hersteller eigene Listen und will mit den von ihm entwickelten lernfähigen Verfahren einen Mehrwert bieten. Als Netzwerkgerät lasse sich der eBlocker am Anschluss jedes Internet-Providers nutzen und sei kompatibel zu Geräten mit allen Betriebssystemen, Apps und Browsers – neben Smartphones, Tablets und Desktop-Rechnern also zum Beispiel auch Smart-TVs und Spielekonsole oder Wearables.

“Mit dem eBlocker wird anonymes Surfen mit einem Klick Realität. Erst die Kombination von Blockieren und Anonymisieren bietet umfassenden Schutz der Privatsphäre im Internet. Denn diese gehört den Nutzern und nicht den Internetkonzernen“, erklärt eBlocker-Gründer Christian Bennefeld. Bennefeld ist übrigens auch am Angebot Etracker beteiligt, dass sich an Website-Betreiber richtet und diesen die Optimierung ihrer Sites durch Personalisierung verspricht. Das sieht Bennefeld jedoch nicht als Widerspruch. Auch bei Etracker gehe es darum, Webseiten ohne Ausschnüffeln privater Daten zu optimieren kann. “Es geht dort zwar auch um Tracking, aber es findet keine Datenverknüpfung zwischen Websites statt und daher werden keine Website-übergreifenden Nutzerprofile angelegt”, erklärt er.

Christian Bennefeld, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von eBlocker (Bild: eBlocker).
Christian Bennefeld, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von eBlocker (Bild: eBlocker).

Die Ansicht, erfolgreiche Online-Werbung erfordere zwangsläufig die Erfassung personenbezogener Daten sei “Unsinn”. Dennoch würden bei Laptop, Tablet und Smartphone, bei jeder App und jedem Update Offenbarungseide verlangt. Dass die Nutzer diese bereitwillig abgeben, um die gewünschten Diente zu nutzen, ist zwar gang und gäbe, muss aber laut Bennefeld nicht sein.

Einen Haken hat die Box im Heimnetzwerk allerdings noch: Da auf den Geräten keine Software installiert wird, kann sie nur funktionieren, wenn der Internet-Traffic durch die Box hindurch geht. Verlässt der Nutzer zum Beispiel mit dem Smartphone sein heimisches WLAN, profitiert er nicht mehr davon. Möglicherweise greift er dann zu ergänzenden Produkten, etwa der von F-Secure entwickelten Privatsphäre-App Freedome oder der im Herbst 2014 von John McAfee, dem Gründer der gleichnamigen Security-Firma, präsentierten App D-Vasive. Allerdings wurde die Problematik bei eBlocker auch schon erkannt. “Wir werden ab 2016 eine Lösung dafür anbieten, dass man auch von unterwegs und mit seinen eBlocker-Privatsphärepräferenzen surfen kann”, teilt das Start-up auf Anfrage mit. Man wisse bereits, wie man das machen wolle – jetzt müsse es “nur noch” implementiert werden.

Tipp der Redaktion: Max Schrems war vor drei Jahren Jurastudent in Wien – einer von vielen. Das änderte sich, nachdem er durch seine Klage gegen Facebook bekannt geworden war. Er warf dem Konzern vor, zu emsig Daten zu sammeln. Mit “ Kämpf um deine Daten” hat er jetzt sein erstes Buch vorgelegt – ein Weckruf für alle Internet-Nutzer.

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