So kommen Firmen mit Publikumsverkehr zum eigenen WLAN-Hotspot

Netzwerke
WLAN-Hotspot (Bild: Shutterstock/Georgejmclittle)

Vor allem die Kabelnetzbetreiber und die Telekom investieren in jüngster Zeit verstärkt in schlüsselfertige WLAN-Hotspot-Pakete für Hotels, Gastronomiebetriebe oder Kleinfirmen. Doch auch Hardwareanbieter wie TP-Link, D-Link und Lancom verfügen über ein entsprechendes Portfolio. ITespresso gibt einen Überblick.

Aufgrund der bislang nicht geklärten sogenannten Störerhaftung, aufgrund der Betreiber von öffentlichen WLAN-Hotspots für die über ihren WLAN-Zugang erfolgten Rechtsverstöße haftbar gemacht werden können, finden sich in Friseursalons, Arztpraxen oder Gastronomiebetrieben – also in Unternehmen mit Publikumsverkehr – hierzulande kaum kostenlose Wifi-Angebote für deren Kunden und Gäste. Das soll sich nun ändern. Denn Provider und Hardwareanbieter umgehen das Problem inzwischen mit ihren eigenen Methoden. Dadurch, dass der Datenverkehr der Nutzer von dem der Anschlussinhaber getrennt wird, und sie sich um den Betrieb kümmern, sollen die Geschäftskunden zum einen rechtlich abgesichert sein, zum anderen der Sorgen um die Technik enthoben sein.

Mit mehr als 750.000 WLAN-Zugangspunkten im Verbreitungsgebiet ist Kabel Deutschland nach eigenen Angaben einer der größten Hotspot-Anbieter Deutschlands – und damit zumindest unter den Kabelnetzbetreibern einer der Vorreiter im Bereich der öffentlichen WLAN-Access-Points. Bereits seit längerem bietet die Vodafone-Tochter mit dem Paket “Hotspot Business Basic” “Managed WLAN Services” für kleine Unternehmen wie Cafés oder Restaurants an. Technische Grundlage hierfür ist ein Kabel-Internetanschluss mit einer Bandbreite von maximal 100 MBit/s im Downstream.

kdg-wlan-hotspot-logo (Bild: Kabel Deutschland)

Mittlerweile hat Kabel Deutschland sein öffentliches WLAN-Angebot jedoch um weitere, angepasste Hotspot-Lösungen für Unternehmen ergänzt. Namentlich handelt es sich hierbei um das Produkt “Hotspot Business Pro”, dessen Zielgruppe größere Firmen mit Publikumsverkehr sind, die dementsprechend größere Flächen oder mehrere Räume mit WLAN versorgen wollen. So erhalten etwa Hotels auf der Basis mehrerer Kabel-Internetanschlüsse bis zu 200 MBit/s im Downstream.

Zusätzlich kümmert sich der Kabelnetzbetreiber um die Umsetzung von Sicherungsmaßnahmen zur Vermeidung von Haftungsrisiken. Weiterhin bleibt es abhängig vom jeweiligen Tarif dem Unternehmen überlassen, ob den Anwendern der öffentlichen WLAN-Hotspots ein zeitlich begrenzter Zugang zur Verfügung steht oder aber unbegrenzt kostenfreies Surfen möglich ist. Ferner stellt Kabel Deutschland auch die erforderliche Hardware bereit, also WLAN-Router, Access Points und Repeater.

Kabel Deutschland WLAN-Hotspot-Business (Bild: Kabel Deutschland)
Kabel Deutschlands aktuelle und kommende WLAN-Hotspot-Angebote für Geschäftskunden im Überblick (Bild: Kabel Deutschland)

Ab August will auch der in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia ein eigenes WLAN-Hotspot-Netz aufbauen und Kabel Deutschland somit nacheifern. Bis Ende des Jahres soll das Angebot namens WifiSpot rund 100 Städte umfassen.

Mit “PowerSpot” wird der Kabelnetzbetreiber zudem einen Dienst anbieten, der sich ebenfalls speziell an Firmen mit Publikumsverkehr richtet. Diese sollen in die Lage versetzt werden, ihren Kunden kostenloses WLAN anbieten zu können. Wie Kabel Deutschland stellt Unitymedia dafür auch die erforderliche WLAN-Infrastruktur bereit. So installiert das Unternehmen seinen PowerSpot-Kunden auf Wunsch etwa mehrere professionelle WLAN-Zugangspunkte. Als Provider übernimmt es überdies ebenso die Störerhaftung.

Voraussichtlich ab Ende des Jahres wird Unitymedia es seinen Kunden ermöglichen, die WLAN-Infrastruktur ohne Zeit- und Volumenbegrenzung mit bis zu fünf Geräten gleichzeitig zu nutzen. Verbraucher mit einem WLAN-fähigen Endgerät sollen das öffentliche Unitymedia-Netz dann an der SSID “Unitymedia Public WifiSpot” erkennen. Wählen sie diesen aus, erhalten sie nach einer Registrierung per SMS einen Zugangscode, der pro Endgerät zwei Jahre lang für das gesamte Unitymedia-WLAN-Angebot verwendet werden kann.

Unitymedia Logo (Grafik: Unitymedia )

Auch die Telekom hatte zur CeBIT im März ein vergleichbares Angebot angekündigt. Das Paket “Hotspot Plug’n’Play” können Unternehmen – ebenso wie die Angebote von Kabel Deutschland und Unitymedia – dazu nutzen, um ihren Besuchern und Gästen kostenloses WLAN anzubieten.

Der Unterschied liegt jedoch darin, dass die Firmen den Internetzugang mit ihren Kunden teilen. Der enthaltene Router der Telekom, der von Cisco stammt, sorgt nämlich dafür, dass der Datenverkehr der Nutzer von dem des Anschlussinhabers getrennt wird. Damit soll unabhängig davon, wie die Diskussion um die WLAN-Störerhaftung ausgeht, auf andere Art und Weise sichergestellt sein, dass Business-Kunden der Telekom rechtlich auf der sicheren Seite stehen. Die WLAN-Nutzung ist für die Gastnutzer zudem ohne Anmeldung möglich. Das erspart dem nutzenden Unternehmen die Administration.

Hotspot-Pakete ausgewählter Hardwareanbieter

Ein ähnliches Konzept verfolgt in puncto Störerhaftung auch der Hardwareanbieter TP-Link. Gemeinsam mit dem Start-up Socialwave bietet das Unternehmen ein Hotspot-System an, das das Gäste-WLAN sicher vom bestehenden Netzwerk trennen soll, an dem beispielsweise die Kassensysteme hängen. Die Hardware wird bereits vorinstalliert ausgeliefert.

Im Angebot ist entweder ein einfacher WLAN-Router oder ein Dual-Band-Gerät enthalten. Hinzu kommt ein Power-over-Ethernet-Switch. Der Hotspot-Betreiber muss das jeweilige Gerät laut TP-Link dann nur noch an die Steckdose sowie die bestehende Internetverbindung anschließen, damit der WLAN-Zugangspunkt einsatzbereit ist.

Gäste und Besucher authentifizieren sich anschließend mit einem Klick über ihren Facebook-Account oder melden sich alternativ per traditionellem Log-in über ein Formular an. Nutzen Personen die erste Authentifizierungsoption, bringt dies für ein Unternehmen laut Anbieter nebenbei noch Marketingvorteile, da diese damit etwa Kundendaten auswerten oder die Anzahl ihrer Facebook-Fans steigern können.

Public_Spot_lancom (Screenshot: ITespresso via Lancom)
Die Public-Spot-Option von Lancom richtet sich speziell an Hotelbetreiber (Screenshot: ITespresso).

Ein speziell auf Hotels zugeschnittenes Hotspot-Angebot offeriert der deutsche Netzwerkspezialist Lancom mit seiner Public-Spot-Option. Wie die Hotspot-Systeme der Telekom und von TP-Link lässt sich die in zwei Varianten erhältliche Lösung – Public Spot (PDF) und Public Spot XL (PDF) – über eine vorhandene Lancom-Infrastruktur derart konfigurieren, dass das Haus- vom Gastnetz virtuell getrennt ist und beide Netze dennoch parallel betrieben werden können.

Die Hotelgäste können sich statt über papiergebundene Zugangstickets (“Voucher”) komplett eigenständig über per E-Mail oder SMS verschickte Log-in-Daten am WLAN-Zugangspunkt anmelden. Auch ein Mehrfach-Log-in ist möglich, sodass sich Nutzer nicht nur mit ihrem Notebook, sondern auch mit Smartphone und Tablet in das Hotel-WLAN einwählen können. Darüber hinaus erkennt der Public Spot bereits bekannte Clients und authentifiziert regelmäßige Gäste für einen konfigurierbaren Zeitraum nach erstmaliger Anmeldung automatisch über deren Mac-Adresse. Während sich bei der normalen Public-Spot-Option maximal 64 gleichzeitig aktive Nutzer im WLAN befinden dürfen, unterstützt die XL-Variante bis zu rund 2500 parallel in das WLAN eingeloggte Nutzer.

Ebenso bietet Netgear eine speziell auf Hotels zugeschnittene WLAN-Lösung an. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Komplettpaket, der Netzwerkanbieter offeriert Hotelbetreibern lediglich die WLAN-Infrastruktur in Form von Wireless-Controllern und Access Points sowie als Zusatzoption eine kostenlose Standortanalyse. Die Installation und Konfiguration übernehmen dann die Vertriebspartner.

D-Link_DWC_1000 (Bild: D-Link)
Der WLAN-Controller DWC-1000 erlaubt das Erstellen von Tickets für einen WLAN-Gästezugang über ein Frontend (Bild: D-Link).

Einen ganz eigenen Ansatz hinsichtlich eines “Managed WLAN Service” verfolgt D-Link. Der Netzwerkausrüster stellt Unternehmen mit Publikumsverkehr den WLAN-Controller DWC-1000 zum Preis von 553 Euro zur Verfügung. Das Gerät, das die Verwaltung von bis zu 24 Access Points erlaubt, bietet seit dem jüngsten Firmware-Update (ab Version 4.2.x.x), die Möglichkeit, Tickets für Gäste zur WLAN-Nutzung zu generieren. Diese können etwa von Mitarbeitern an einer Hotel-Rezeption über ein Frontend auf dem Controller erstellt werden.

Nutzungsdauer respektive Zeitraum der Gültigkeit des Tickets lassen sich individuell festlegen. Der Gast kann sich dann mit den ihm bereitgestellten Ticketdaten mittels Username und Passwort am jeweiligen WLAN-Zugangspunkt über einen Browser anmelden. Ähnlich wie bei der Hotspot-Lösung von Lancom ist der Nutzer in der Lage, sich optional über mehrere Geräte mit dem gleichen Ticket am Hotspot einzuloggen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Daten und Fakten zu ausgewählten WLAN-Hotspot-Lösungen für Unternehmen mit Publikumsverkehr – getrennt nach Netzbetreibern und Hardware-Lieferanten – in Form von zwei Übersichtstabellen noch einmal exemplarisch zusammengefasst.

Netzbetreiber Tabelle (Grafik: ITespresso)

Hardwareanbieter Tabelle (Grafik: ITespresso)

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