Elektronischer Personalausweis: Online-Funktion kommt nicht an

AuthentifizierungSicherheit
neuer_personalausweis_foto (Bild: Bundesministerium des Innern)

Letztes Jahr machten einer GfK-Umfrage zufolge lediglich fünf Prozent der 35 Millionen Ausweisbesitzer von der Option Gebrauch, sich via eID im Netz zu identifizieren. Für digitale Behördengänge nutzten ihn jedoch immerhin 9,3 Prozent. Für kommerzielle Anwendungen setzten ihn 7,9 Prozent ein.

Die zur Einführung des neuen elektronischen Personalausweises (nPA) Ende 2010 aggressiv beworbene Online-Funktion wird bis heute offenbar kaum genutzt. Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag der Welt am Sonntag zufolge haben nur fünf Prozent der Deutschen in den letzten zwölf Monaten von der eID-Funktion Gebrauch gemacht, um sich im Netz zu identifizieren. Alles in allem sind rund 35 Millionen Bundesbürger im Besitz des nPA. Laut der Untersuchung wurde der neue Personalausweis für digitale Behördengänge 2014 immerhin von 9,3 Prozent der insgesamt 1983 Umfrageteilnehmer verwendet. Für kommerzielle Anwendungen im Internet lag die Einsatzquote bei 7,9 Prozent.

Ausweisapp2 für Personalausweis
Mit geeignetem Lesegerät und der AusweisApp2 lässt sich die “echte” Persönlichkeit mittels Personalausweis online nachweisen (Bild: Governikus KG).

Auf Anfrage der Zeitung teilte das Bundesinnenministerium mit, ihm lägen “keine konkreten Zahlen zur Nutzung der Online-Funktion vor”. Schätzungen zufolge sei sie aber bei etwa jedem dritten Ausweis mit integrierter Chipkarte aktiviert. Da die Funktion standardmäßig freigeschaltet ist und nur auf Wunsch deaktiviert wird, haben sich demnach etwa zwei Drittel der Bürger, die über den nPA verfügen, bewusst gegen die Freischaltung der Funktion entschieden.

Die Kosten können nicht der Grund für das mäßige Interesse an der eID-Funktion sein: Die erstmalige Freischaltung ist gratis, der Preis für ein Lesegerät beläuft sich auf 30 bis 150 Euro. Vielmehr dürften Sicherheitsbedenken eine Rolle spielen. Der Chaos Computer Club äußerte bereits 2010 Zweifel an der Sicherheit des Systems vor. Ihm zufolge stellen insbesondere die verwendeten Lesegeräte einen Schwachpunkt dar. Hinzu kommt, dass die für den eID-Service erforderliche, kostenlose Software in ihrer ursprünglichen Fassung erhebliche Sicherheitsmängel aufwies. Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) musste die AusweisApp vorübergehend sogar zurückziehen, ehe es im Januar 2011 eine korrigierte Variante bereitstellte.

Vielen Nutzern fehlt offenbar auch einfach nur der Anreiz, die Online-Funktion freigeschaltet zu lassen. Denn nach Recherchen der Welt am Sonntag haben bislang lediglich 55 kommerzielle und 109 behördliche Anbieter beim Bundesverwaltungsamt das Zertifikat erworben, welches sie zu einer digitalen Identitätsprüfung per nPA berechtigt.

“Der neue Personalausweis leidet bis heute unter seinen Geburtsfehlern. In vielen Bürgerämtern wurde den Leuten ja sogar empfohlen, die Online-Funktion besser nicht freizuschalten”, kritisiert Pablo Mentzinis, Bereichsleiter für den Öffentlichen Sektor beim Bitkom. Er sagt bereits im Oktober 2012, die eID werde wenig verwendet, weil das Angebot nicht bekannt genug sei. Eine mangelnde Schulung von Behördenmitarbeitern, fehlende Öffentlichkeitsarbeit und eine zu Beginn nicht benutzerfreundliche App hätten dazu geführt, dass ein an sich sinnvolles Projekt von vorneherein in das falsche Fahrwasser gelangt sei.

personalausweis (Bild: BMI)
Muster des neuen Personalausweises (Bild: BMI)

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

Tipp: Kennen Sie die größten Technik-Flops der IT-Geschichte? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 14 Fragen auf silicon.de.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen