Sky erprobt 360-Grad-Fernsehtechnologie FreeD von Replay

Innovation
Sky Logo (Grafik: Sky)

Damit bekommen Abonnenten im Rahmen eines Pilotprojekts die Möglichkeit, bei Sportübertragungen entscheidende Szenen noch während der Veranstaltung aus jedem Blickwinkel zu betrachten. In Europa ist das eine Premiere, in Brasilien gibt es die Möglichkeit schon, in den USA wurde sie bereits 2013 ausprobiert.

Sky bietet im Rahmen eines Pilotprojektes Abonnenten in Deutschland und Österreich die Möglichkeit, bei Sportübertragungen wichtige oder strittige Szenen noch während der Veranstaltung aus frei wählbaren Blickwinkeln zu betrachten. Erstmals erprobt wurde das Angebot beim DFB-Pokalfinale, die nächste Gelegenheit haben Fernsehzuschauer bei Finale der UEFA Champions League. In welchem Umfang und zu welchen Konditionen die Möglichkeit danach zur Verfügung steht, ist derzeit noch nicht abschließend entscheiden, wie ein Sky-Sprecher ITespresso auf Anfrage mitgeteilt hat.

Für das – allen Abonnenten zugängliche – Angebot greift der Bezahlsender auf eine FreeD genannte Technologie des US-amerikanischen Unternehmens Replay Technology zurück und arbeitet bei der im Hintergrund erforderlichen Rechenkapazität mit Intel zusammen.

Das Ergebnis sieht dann ungefähr so aus, wie man es aus der Analyse durch die Moderatoren und Experten aus dem Fernsehen kennt – nur dass eben jeder Nutzer selbst den für ihn entscheidenden Blickwinkel und die seiner Ansicht nach strittige Sequenz auswählen kann.

Die beim Fußball bereits vom brasilianischen Fernsehsender Globo TV eingesetzte und in den USA bei Basketball, American Football, Baseball-Spielen und 2014 sowie dem Tennisturnier in Indian Wells bereits erprobte und bei Baseball-Spielen der New York Yankees verwendete Technologie FreeD erzeugt einen Videostream mit 360-Grad-Bildern. Dazu sind im Stadion 32 Kameras mit 5K-Auflösung installiert.

Deren einzelne Videostreams werden dann von Rechnern mit Intel-Prozessoren (Xeon E5 und Intel Core i7) weiterbearbeitet, um aus den Streams die gewünschten Ansichten zu errechnen. Die 32 Kameras rund um das Spielfeld erzeugen pro Sekunde bis zu ein Terabyte an Daten. Um die binnen weniger Sekunden aufzubereiten, ist eine enorme – allerdings von den Beteiligten nicht näher spezifizierte – Rechenleistung erforderlich.

Sparsamer mit Rechenleistung geht die vom Heinrich Hertz Institut entwickelte OmniCam 360 um. Auch sie bietet die Möglichkeit, einen Rundumeindruck von Sport- und anderen Großereignissen aufzuzeichnen. Da das vergleichsweise kompakte Mehrkameragerät jedoch von einem Standort aus aufnimmt, ist kein Wechsel des Blickwinkels möglich. Dafür bekommt der Zuschauer den Eindruck vermittelt, sich mitten im Geschehen zu befinden. Allerdings ist hier offenbar die unmittelbare Wiedergabe nicht vorgesehen: So soll zum Beispiel das mit der OmniCam 360 aufgenommene Finale der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im vergangen Jahr bei der Eröffnung des derzeit im Aufbau befindlichen “FIFA World Football Museum” in Zürich gezeigt werden.


Der brasilianische TV-Sender Globo TV nutzt die FreeD-Technologie von Replay schon länger. Diese Aufnahmen aus dem Maracana-Stadion von Ende 2014 veranschaulichen die damit möglichen Effekte.

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