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Linux-Distributor Mandriva hat Geschäft eingestellt

Mandriva Logo (Grafik: Mandiva)
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Der Insolvenzverwalter, der die Auflösung vornehmen soll, wurde am 20. Mai gerichtlich bestellt. Die Website ist bereits nicht mehr erreichbar. Einem Eintrag in einem französischen Online-Branchenbuch zufolge hatte das Unternehmen zuletzt weniger als 20 Mitarbeiter und fuhr 2013 bei einem Umsatz von 553.600 Euro einen Verlust von 488.500 Euro ein. Zahlen für 2014 liegen nicht vor.

Linux-Distributor Mandriva hat sein Geschäft eingestellt und wird von einem Insolvenzverwalter aufgelöst. Das geht aus einem Eintrag in einem französischen Online-Branchenverzeichnis hervor. Die Website der Firma ist bereits nicht mehr erreichbar. Zum Insolvenzverwalter wurde am 20. Mai Frédérique Lévy bestellt.

Für das 1999 als Mandrake Soft gegründete und 2001 sogar an die Börse gegangene französische Unternehmen ist es nicht die erste, aber voraussichtlich die letzte Insolvenz. Bereits 2003 beantragte es einmal Gläubigerschutz. Mit geänderter Strategie expandierte das Unternehmen 2005 mit der Übernahme des brasilianischen Linux-Distributors Conectiva nach Südamerika und änderte seinen Namen in Mandriva. Es konnte dann im französischsprachigen Sprachraum und in Brasilien, sowie in einigen Schwellen- und Entwicklungsländern Achtungserfolge verbuchen, seine Vision vom Linux-Desktop allerdings nie auf breiter Basis durchsetzen – und wurde dabei schließlich von Ubuntu rechts überholt.

Den letzten vorliegenden Zahlen zufolge erwirtschaftete Mandriva 2013 mit durchschnittlich 17 Mitarbeitern bei einen Umsatz von 553.000 Euro und einen Verlust von 488.500 Euro. Es wurde seit 2012, als es schon wieder einmal kurz vor der Pleite stand, von Jean-Manuel Croset geführt, der seinem LinkedIn-Profil zufolge sich seit Mitte Mai wieder auf seine Arbeit bei seinem Unternehmen SimplyWorks, einem Schweizer IT-Beratungsunternehmen, konzentriert.

2014 dürften die Zahlen ähnlich ausgesehen haben. Die zuletzt noch vier Anteilseigner konnten sich bei einem Eigenkapital von 1,25 Millionen Euro also das Ende leicht ausrechnen und haben nun offenbar den Stecker gezogen.

Weltweite Marktanteile bei Desktop-Betriebssystemen im Jahr 2014 (Grafik: NetMarketshare)
Weltweite Marktanteile bei Desktop-Betriebssystemen im Jahr 2014 (Grafik: NetMarketshare)

Mandriva hat letztendlich einfach auf´s falsche Pferd gesetzt. Linux ist auf Servern zu einer dominierenden Kraft geworden und konnte sich auch als Embedded-Betriebssystem in vielen Bereichen etablieren. Hier ist das Ende der Fahnenstange auch noch nicht erreicht. Auf dem Desktop haben zwar andere als Mandriva inzwischen Achtungserfolge errungen, das Betriebssystem als solches konnte sich aber nicht gegen Windows – den von Anfang an erklärten Gegner – durchsetzen.

Marktanteile bei Desktop-Betriebssystemen in Deutschland im Frühsommer 2014 (Grafik: Statcounter)
Marktanteile bei Desktop-Betriebssystemen in Deutschland im Frühsommer 2014 (Grafik: Statcounter)

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Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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