US-Konzerne sprechen sich erneut gegen Hintertüren in Technologieprodukten aus

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(Bild: Shutterstock/Slavoljub Pantelic)

Mehr als 140 Unterzeichner sehen durch die vom Geheimdienst geforderte Möglichkeit die Sicherheit von Smartphones und anderen Kommunikationsgeräten gefährdet. Unternehmen, gemeinnützige Organisationen sowie Computerexperten erwarten durch Hintertüren und die geschwächte Verschlüsselung überdies einen beträchtlichen Schaden für die US-amerikanische Wirtschaft.

Zahlreiche Unternehmen, Experten und Nonprofit-Organisationen haben in einem offenen Brief Präsident Barack Obama aufgefordert, sich dem Druck der Sicherheitsbehörden zu widersetzen und deren Forderungen nach Hintertüren zurückzuweisen. Mehr als 140 Unterzeichner sehen durch die Pläne die Sicherheit von Smartphones und anderen Kommunikationsgeräten gefährdet. Sie rechnen zugleich mit einem beträchtlichen Schaden für die US-amerikanische Wirtschaft.

(Bild: Shutterstock/Slavoljub Pantelic)

“Wir bitten Sie dringend, jegliche Vorschläge zurückzuweisen, die darauf hinauslaufen, dass US-Firmen absichtlich die Sicherheit ihrer Produkte schwächen”, heißt es in dem Brief. “Wir fordern das Weiße Haus stattdessen auf, sich auf die Entwicklung einer Politik zu konzentrieren, die eine breite Adoption starker Verschlüsselungstechnik fördert und nicht unterminiert. Solche Anstrengungen wiederum werden sowohl hier wie auch im Ausland helfen, Cybersicherheit, wirtschaftliches Wachstum und die Menschenrechte zu fördern sowie zu schützen.”

Neben Branchenverbänden und gemeinnützigen Organisationen gehören Adobe, Apple, Dropbox, Evernote, Google, Facebook, LinkedIn, Microsoft, Mozilla, Rackspace und Yahoo zu den Unterzeichnern. Auch zahlreiche prominente Sicherheits- und Rechtsexperten haben sich daran beteiligt. Das unter anderem bei Techdirt in voller Länge publizierte Dokument haben des Weiteren drei der fünf Mitglieder eines von Obama eingesetzten Expertengremiums unterzeichnet, das bereits Ende 2013 einstimmig das Ende der NSA-Telefonüberwachung forderte.

Darüber hinaus sind auch als eher konservativ bekannte Politiker dabei. “Wenn ich tatsächlich glaubte, dass sich eine Hintertür nur für die US-Regierung einrichten ließe, dann ließe ich mich vielleicht überreden”, zitiert die Washington Post Paul Rosenzweig, der in der Regierung von George W. Bush eine ranghohe Stellung im Heimatschutzministerium bekleidete. “Aber das entspricht einfach nicht der Realität.”

Die Technologieunternehmen sowie die anderen Unterzeichner versuchen mit dem offenen Brief Gegendruck aufzubauen, nachdem die Vertreter von Sicherheitsbehörden immer wieder unmissverständlich Hintertüren in Verschlüsselungssystemen fordern. So verlangte etwa FBI-Direktor James Comey in Anbetracht der zunehmenden Verschlüsselung von privaten Daten auf Mobiltelefonen eine Zugriffsmöglichkeit. Vergleichbar argumentierte NSA-Direktor Mike Rogers. Wie der Chef der US-Bundespolizei wollte er aber bevorzugt von “Vordertüren” sprechen, da der Begriff “Hintertür” zu zwielichtig klinge.

In Großbritannien gibt es ganz ähnliche Bestrebungen. Für den Fall seiner Wiederwahl kündigte Premierminister David Cameron bereits im Januar ein Verbot chiffrierter Kommunikation an. Er will ein Gesetz einbringen, das jede Form von digitaler Kommunikation untersagt, die sich von Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten nicht abfangen lässt.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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