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Zynga schreibt Verlust, streicht Stellen und baut um

Mit Dawn of Titans ist bei Zynga ein weiteres Kampf- und Strategiespiel für Mobilgeräte in Vorbereitung (Bild: Zynga)
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Der mit Facebook-Spielen große gewordene Spielentwickler Zynga steckt wie die aktuellen Quartalszahlen belegen, nach wie vor in Schwierigkeiten. Nachdem Gründer Mark Pincus vor einem Monat wieder den Posten des CEO übernommen hatte, müssen jetzt fast 20 Prozent der Belegschaft gehen. Außerdem sollen die bisher entwickelten netten Spielchen durch Action-lastigere für Mobilgeräte ersetzt werden.

Der vor einem Monat auf den Posten des CEO zurückgekehrte Gründer Mark Pincus fegt bei Zynga jetzt mit dem eisernen Besen durch: Wie das Unternehmen im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2015 bekannt gegeben hat, sollen 18 Prozent der derzeit knapp 2000 Mitarbeiter entlassen werden. Dadurch will man in den kommenden beiden Jahren offiziell fast 100 Millionen Dollar einsparen.

Andererseits sucht das Unternehmen laut Website auch eine ganze Reihe neuer Mitarbeiter. Es geht also wohl bei den Entlassungen wohl auch darum, den Umbau der Firma vom Anbieter putziger Spielchen im Web zum Entwickler Action-geladener Spiele für Mobilgeräte zu unterstützen. Aus dem Bereich kommen inzwischen 63 Prozent der Umsätze – 84 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Den jetzt vorgelegten Zahlen zufolge ist es auch dringend erforderlich, etwas zu unternehmen. Zwar liegt der Umsatz im Vergleich auf 183,3 Millionen Dollar gesteigert werden, dennoch steht nach wie vor ein Verlust von gut 46 Millionen Dollar in den Büchern. Das ist zwar weniger als im Vorjahresquartal (61,2 Millionen Dollar), aber für ein Unternehmen, das bei seinem Börsengang im Dezember 2011 mit insgesamt 8,9 Milliarden Dollar bewertet wurde und eine Milliarde Dollar einnahm, nach wie vor unakzeptabel.

Mit Dawn of Titans ist bei Zynga ein weiteres Kampf- und Strategiespiel für Mobilgeräte in Vorbereitung (Bild: Zynga)
Mit Dawn of Titans ist bei Zynga ein weiteres Kampf- und Strategiespiel für Mobilgeräte in Vorbereitung (Bild: Zynga).

Allerdings war die strukturelle Schwäche damals schon bekannt, kamen doch zu dem Zeitpunkt 94 Prozent des Umsatzes über Facebook – was sich mit der zunehmenden Entfremdung der beiden Firmen immer mehr als Nachteil erwies.

Am Vortag der Quartalszahlen zeigte das Unternehmen zudem auf, wo es künftig hin will. Das bis dahin auf neun Länder beschränkte Strategie- und Kriegsspiel Empires & Allies ist seitdem weltweit für Nutzer auf Android und iOS verfügbar. Es kann kostenlos installiert werden und verspricht Action, “Explosionen im Hollywood-Stil” sowie 3D-Grafik.

Immerhin ist es Zynga gelungen, die Zahl der aktiven Nutzer seiner Spiele zu stabilisieren. Sie legte sogar von 98 auf 100 Millionen zu. Von mobilen Geräten kommen inzwischen 63 Prozent der Einnahmen. Strategie-, Renn- und Poker-Apps sollen bei der weiteren Entwicklung dieses Jahr im Vordergrund stehen. Andere, wohl weniger erfolgreiche Spiele, etwa “Tiger Woods Golf”, sollen Berichten zufolge dagegen aufgegeben werden.

Der Ausblick auf das zweite Quartal des Geschäftsjahres lässt für ein Unternehmen, das seinerzeit den zweitgrößten Börsengang nach Google hingelegt hat, dennoch zu wünschen übrig: Der Umsatz liegt den Prognosen zufolge zwischen 175 und 190 Millionen Dollar, der Verlust immer noch zwischen 54 und 50 Millionen Dollar. Das entspricht einem Fehlbetrag von 6 Cent pro Aktie.

Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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