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Forscher: 2023 bricht das Internet wegen Überlastung zusammen

Internet (Bild: Shutterstock/LanKS)
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Andrew Ellis von der Aston University in Birmingham macht dafür zwei Tendenzen verantwortlich. Erstens gelange man dann an die physikalischen Grenzen von Glasfaserkabeln, zweitens erreiche der Stromverbrauch nicht mehr vertretbare Ausmaße. Auf einer Konferenz wollen sich britische Forscher kommende Woche überlegen, wie sich das verhindern lässt.

Professor Andrew Ellis von der Aston University in Birmingham hat mit einer gewagt erscheinenden Aussage für Wirbel gesorgt: Ihm zufolge ist das Internet in seiner heutigen Form spätestens 2023 – also bereits in acht Jahren – erstens komplett überlastet und benötigt zweitens bald mehr Strom, als überhaupt erzeugt wird. Boulevardblätter bezeichnen ihn dafür als “irren Professor”, seine Kollegen in diversen Gremien der IEEE und den wissenschaftliche Einrichtungen dürften das anders sehen. Außerdem hat Ellis seine Einschätzung bereits im vergangenen Jahr ausführlich dargelegt (PDF), fand damals aber nur bei Experten Gehör.

Andrew Ellis: 2023 bricht das Internet wegen Überlastung zusammen(Bild: Shutterstock/Syda-Productions)

Die Aufmerksamkeit, die ihm jetzt zuteil wird, ist auch darauf zurückzuführen, dass sich kommende Woche britische Forscher zusammensetzen werden, um die von ihm skizzierten Probleme zu diskutieren. Auch das würden sie vermutlich nicht tun, wenn Andrew Ellis lediglich ein “Irrer” wäre.

Kurz gesagt, prognostiziert Ellis aufgrund der heute bekannten Entwicklungen, dass dann die Menge der Daten, die Menschen und Maschinen übertragen, die Kapazitäten des Internets schlichtweg übersteigt. Das wiederum liege daran, dass auch Glasfaserkabel physische Beschränkungen aufweisen. Wie Forscher von Lucent bereits 2001 festgestellt haben, liegen die bei 100 Terabits/s – was man allerdings damals für ausreichend erachtete und vielfach wohl auch heute noch tut.

Allerdings stieg der Bedarf doch schneller an, als damals angenommen. Bisher gelang es auch im Labor nicht, die Leistungsfähigkeit der Übertragung über Glasfaser zu steigern. Professor Andrew Ellis fordert daher jetzt “radikale neue Ideen”. Denn derzeit stecke die Forschung in einer Sackgasse. Und dabei wird ihm die nun geweckte Aufmerksamkeit nur willkommen sein, denn um öffentliche Forschungsgelder etwa für Projekte wie PEACE (Petabit Energy Aware Capacity Enhancement), UNLOC (Unlocking the Capacity of Optical Communications) oder Hyperhighway zu erhalten, muss auch das Problem in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

 Seine Prognose zum Internet-Kollaps begründet Ellis in einer Präsentation einerseits mit der begrenzten Leistungsfähigkeit von Glasfaserkabeln ... (Grafik: Andrew Ellis).
Seine Prognose zum Internet-Kollaps begründet Ellis in einer Präsentation einerseits mit der begrenzten Leistungsfähigkeit von Glasfaserkabeln … (Grafik: Andrew Ellis).

Eine andere Möglichkeit wäre es, die Glasfasernetze drastisch auszubauen. Aber das alleine hält Ellis auch nicht für zielführend, da sich dadurch ein weiteres Problem in den Vordergrund schiebt: der Stromverbrauch. Es dauert dann lediglich etwas länger – nämlich etwa 15 Jahre – bis der Kollaps droht. Der Betrieb des Internets würde dann so viel Energie benötigen, dass für andere Aufgaben nicht mehr genug übrig bleibt.

Zunehmender Energiebedarf für den Betrieb  des Internets (Grafik: Andrew Ellis).
… andererseits mit dem stark zunehmenden Energiebedarf für den Betrieb des Internets (Grafik: Andrew Ellis).

Aktuell werden zwei Prozent der weltweit jährlichen produzierten Elektrizität für das Internet aufgewendet. In den westlichen Ländern liegt dieser Wert deutlich höher. Setzt sich die in den vergangenen Jahren beobachtete Tendenz fort, wären es beispielsweise in Großbritannien im Jahr 2030 bereits rund 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Landes, 2040 dann so viel, wie heute dort insgesamt erzeugt wird.

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Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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