VDE-Umfrage: Industrie 4.0 ist in zehn Jahren da

IT-Projekte
zahlen-analyse (Bild: Shutterstock / Denphumi)

Einer Umfrage des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik unter Mitgliedern und Hochschulen zufolge sind für Deutschland die USA und Japan die größten Konkurrenten in dem Bereich. Hierzulande befasst sich aktuell jedes dritte befragte Unternehmen konkret mit Industrie 4.0.

Der Verbandes der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) hat anlässlich der Hannover Messe die Ergebnisse einer Befragung seiner Mitgliedsunternehmen und von Hochschulen zum Thema Industrie 4.0 vorgestellt. Den Ergebnissen zufolge befasst sich aktuell knapp ein Drittel der befragten Unternehmen mit operativen Einzelprojekten, eine Planungs- respektive Testphase läuft bei etwa einem Viertel. 70 Prozent befinden sich in der Analysephase.

VDE Logo (Grafik: VDE)

Dreiviertel der Befragten gehen davon aus, dass die “Smart Factory” bis spätestens 2025 umgesetzt sein wird und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in großem Maß verbessert. Am meisten werden ihnen zufolge Automobil- und Maschinenbau profitieren, gefolgt von Elektrotechnik und Logistik. Die Hälfte geht zudem davon aus, dass sich vor allem der Mittelstand bei Industrie 4.0 Vorteile verschaffen kann.

Allerdings ist die Mehrheit der Befragten auch davon überzeugt, dass sich der internationale Wettbewerb um die Technologieführerschaft in der Produktion in den nächsten Jahren stark verschärfen wird und Deutschland aufpassen muss, angesichts der US-Dominanz bei der technischen Software und Internet-Plattformen beziehungsweise deren Verknüpfung zu Anwendungen in Handel und Industrie (“Big Data“) im Innovationswettlauf um Industrie 4.0 nicht zurückzufallen. Jeder vierte Befragte befürchtet, dass die deutsche Industrie zu lange an klassischen Produktionsmethoden festhält.

Waren vor zwei Jahren noch 51 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass Deutschland zum Leitanbieter für Industrie 4.0 wird, glauben dies aktuell nur noch 40 Prozent. 30 Prozent sehen die USA als künftigen Vorreiter, 25 Prozent Japan. Grund: Jeder zweite Befragte glaubt inzwischen, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig in Erforschung und Entwicklung investiert.

Vor diesem Hintergrund plädieren 61 Prozent dafür, den Mikroelektronik-Standort Deutschland zu stärken. Denn 51 Prozent der befragten VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen sind davon überzeugt, dass Industrie 4.0 ein wichtiger Pfad zur anhaltenden Re-Industrialisierung Europas sein wird. Vor zwei Jahren glaubten dies nur 39 Prozent.

“Wir müssen uns unserer Stärke in der Automatisierungstechnik und der Prozess- und Fertigungsindustrie bewusst sein. Das positive Abschneiden der USA fußt sicherlich auf der Wahrnehmung des hohen Tempos der US-Industrie bei der Vorstellung neuer Ideen im Bereich der Office- und Consumer-IT und entsprechenden Initiativen in der Öffentlichkeit. Die Subventionspolitik asiatischer Länder im Bereich Mikroelektronik tut ihr Übriges”, kommentiert VDE-Vorstandsvorsitzender Hans Heinz Zimmer.

Zimmer ist allerdings doch überzeugt, dass Deutschland letztendlich seine Stärken in der Elektroindustrie ausspielen kann. Allerdings müsse dafür noch einiges getan werden. Das derzeit größte Hindernis für Industrie 4.0 in Deutschland ist für 70 Prozent der Befragten der Aspekt IT-Sicherheit. Jedem zweiten Befragten fehlen Normen und Standards. Außerdem sehen die Umfrageteilnehmer Migrationsprobleme von klassischer Industrie zu Industrie 4.0 sowie unzureichende branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Hohe Investitionskosten und Komplexität sind für jeden dritten große Hindernisse.

Tipp der Redaktion: Nach Cloud Computing und Big Data gehört Industrie 4.0 zu den wichtigsten Trends 2015. Die Hersteller sind begeistert, IT-Experten denken noch nach und Endkunden sind ratlos. Wo liegen die Chancen und die Risiken des Trends?

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