Berliner Datenschutzbeauftragter: XP-Rechner sind Gefahr für die Daten der Bürger

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Windows XP (Grafik: Microsoft)

In der Verwaltung der Bundeshauptstadt laufen wahrscheinlich noch rund 29.000 Rechner mit dem Betriebssystem. Eine Support-Verlängerung wurde bereits für 300.000 Euro bei Microsoft erworben. Dennoch hadert der Datenschutzbeauftragte Alexander Dix mit der Verwaltung. Ab Mittwoch will er den Online-Betrieb von Rechner mit Windows XP beanstanden.

Die noch rund 28.000 in der Berliner Verwaltung betriebenen Rechner mit Windows XP sind nach Auffassung des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix eine Gefahr für die Daten der Bürger. Sie sollen notfalls abgeschaltet werden. “Ich halte die Gefahr von Hackerangriffen für erheblich. Es sind Hackerangriffe auf die Rechner der öffentlichen Verwaltung permanent zu beobachten und das Risiko ist ja schon seit mehr als einem Jahr bekannt”, erklärte Dix gegenüber dem Informationsradio des RBB. Er habe jetzt erneut nachgefragt, welche Maßnahmen ergriffen wurden, aber die Verwaltung reagiere äußerst schwerfällig.

Brandenburger Tor (Bild: Peter Marwan)

Dix weiter: “Wir haben bis jetzt noch keinen Überblick, wie die Situation der Umstellung tatsächlich ist, aber wir werden den Online-Betrieb von Rechner mit Windows XP ab Mittwoch beanstanden. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Das ist ein unverantwortliches Risiko, dem die Bürgerdaten hier ausgesetzt werden.”

Weil die Umstellung der PCs auf ein neueres System nicht fristgerecht umgesetzt werden konnte, hatte das landeseigene IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) hatte für die Verlängerung des Supports durch Microsoft rund 300.000 Euro bezahlt. Bis Ende 2015 hat das ITDZ zudem noch die Sicherheitssoftwar von Intel Security für die Rechner lizenziert.

Microsoft bietet seit 8. April vergangenen Jahres keine Unterstützung für Windows XP mehr an. In der Berliner Stadtverwaltung laufen 28.902 von insgesamt 70.223 Windows-Systemen – also rund 38 Prozent – mit dem Betriebssystem. Bekannt wurde diese Zahl am 31. Oktober 2014 wieder durch eine Antwort des Innenstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Thomas Birk.

Einer weiteren Antwort des Stadtsenates zufolge laufen vor allem in der Finanzverwaltung und der Justizabteilung Rechner noch mit Windows XP. Dort werden 9097 respektive 2146 Rechner mit Windows XP betrieben. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport nutze demzufolge noch 1708 PCs mit Windows XP. Zudem sind in den Bezirksämtern Friedrichshein-Kreuzberg, Pankow und Tempelhof-Schöneberg jeweils noch über 1500 XP-Rechner im Einsatz. Auch weitere Bezirksämter arbeiten noch im erheblichen Umfang mit XP. Für die Pflege der Rechner sind in Berlin jeweils die Bezirks- oder Senatsverwaltungen selbst verantwortlich, sofern sie nicht den standardisierten IT-Arbeitsplatzservice des ITDZ Berlin nutzten.

In der Antwort des Innensenators heißt es zu der Gefährung, die von den XP-Rechnern ausgeht: “Konkret bestehen für Verwaltungen, die zu diesem Termin noch nicht auf ein aktuelles Betriebssystem gewechselt haben mögliche Sicherheitsrisiken für alle mit dem Betriebssystem Windows XP betriebenen Arbeitsplatz-PC (APC) und für die verbundenen Datennetze. Die größte Gefahr liegt in der Verbindung der XP-Rechner mit dem Internet. Betroffene Arbeitsplatzcomputer sollten sich nicht mehr mit dem Internet verbinden. Ist das aus dienstlichen Gründen nicht möglich, sollten technische und organisatorische Maßnahmen zur Absicherung umgesetzt werden.”

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[Mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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