NSA-Chef fordert erneut Zugriff auf Schlüssel

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NSA spioniert (Bild: ZDNet)

Gerätehersteller sollen seiner Ansicht nach ab Werk Zugriff auf ihre Geräte ermöglichen. Damit keine Behörde alleine und ohne Zustimmung einer anderen auf private Daten zugreifen kann, will NSA-Chef Michael Rogers die Schlüssel auf mehrere Parteien aufteilen. Er bezeichnet das Konzept als “Vordertür mit Schlössern”.

NSA-Chef Michael Rogers hat wieder Zugriffsmöglichkeiten auf verschlüsselte Kommunikation gefordert. Allerdings hat er dazu ein neues Konmzept vorgestellt. Einem Bericht der Washington Post zufolge, verlangt er keine geheime Hintertür, sondern eine offizielle “Vordertür”. Die soll es seiner Behörde in Zusammenarbeit mit anderen Parteien erlauben, auf verschlüsselte Geräte zuzugreifen.

NSA spioniert (Bild: ZDNet)

“Ich möchte, dass die Vordertür mehrere Schlösser hat. Große Schlösser”, sagte er gegenüber dem US-Blatt. Als “Vordertür” stellt er sich einen digitalen Schlüssel vor, den Technologieunternehmen für ihre Produkte bereitstellen. Er soll es beispielsweise erlauben, Textnachrichten und andere Inhalte von einem gesperrten Gerät zu erhalten. Der Schlüssel selbst soll aber auf mehrere Parteien aufgeteilt werden, sodass ihn keine Behörde alleine benutzen kann.

Vor allem die Enthüllungen von Edward Snowden waren in den vergangenen Monaten der Auslöser dafür, dass viele Technikfirmen neue Verschlüsselungsfunktionen für Websites, Dienste und Geräte eingeführt haben. Regierungen und Geheimdienste weltweit fordern deswegen, dass Hersteller Hintertüren in die Verschlüsselung einbauen. Europol hatte Anfang März beispielsweise die Verschlüsselung als das größte Problem im Kampf gegen den Terrorismus bezeichnet. Die Terrorismusabwehr habe immer auf die Möglichkeit gebaut, Kommunikation zu überwachen. Verschlüsselte Kommunikation habe sich nun aber zu einem zentralen Werkzeug terroristischer Operationen entwickelt.

Die Technikbranche lehnt Hintertüren in ihren Produkten jedoch kategorisch ab. Als Grund nennt sie unter anderem Sicherheitsbedenken. Eine ab Werk implementierte Schwachstelle könnte schließlich auch von Hackern entdeckt und missbraucht werden. Zudem bezweifelt sie, dass die Geheimdienste berechtigt sind, jegliche Kommunikation abzuhören.

“Ich glaube nicht, dass Strafverfolger ein absolutes Recht haben, sich Zugang zu jeder Art von Kommunikation zwischen zwei Menschen zu verschaffen”, zitiert die Washington Post Marc Zwillinger, einen ehemaligen Mitarbeiter des US-Justizministeriums, der als Anwalt jetzt Technikfirmen vertritt. “Die Tatsache, dass unsere Verfassung bei einem berechtigten Grund ein Verfahren für die Erteilung eines Durchsuchungsbefehls vorsieht, bedeutet nicht, dass es illegal sein sollte, ein einbruchsicheres Schloss anzubieten.”

Die Technikfirmen kritisieren außerdem einen Vertrauensverlust in ihre Online-Dienste durch die Enthüllungen über die Abhörprogramme von NSA und GCHQ. Auch deswegen fordern sie immer wieder ein Ende der Massenüberwachung. Nur eine Reform der Abhörgesetze und mehr Transparenz können ihnen zufolge das Vertrauen wiederherstellen.

[mit Material von ZDNet.de]

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