Deutsche Vorschläge für künftige Internetverwaltung vorgelegt

Politik
Netzwerk Internet (Bild: Shutterstock)

An deren Ausarbeitung waren neben dem Bundeswirtschaftsministerium der eco Verband, die DeNIC und die deutsche Sektion der Internet Society (ISOC) beteiligt. Die sechs Handlungsempfehlungen betreffen im Wesentlichen technische und administrative Aspekte. In ihnen geht es darum, was geschehen soll, wenn das ICANN-Mandat der US-Regierung im September 2015 ausläuft.

Bundeswirtschaftsministerium, eco Verband, DeNIC, und die deutsche Sektion der Internet Society (ISOC) haben ein Positionspapier zur Internetverwaltung (PDF) vorgelegt. Die Einrichtungen bereiten sich damit auf den September 2015 vor: Dann läuft das Das ICANN-Mandat der US-Regierung aus. Die hatte bereits angekündigt, dies nicht länger ausüben zu wollen. Ein konsolidierter Vorschlag wird bis Juni 2015 erwartet. Mit dem nun vorgelegten Positionspapier haben die deutschen Einrichtungen auch ihre Hausaufgaben für das ICANN-Treffen im April in Brasilien gemacht, auf dem die nächsten Schritte beratschlagt werden sollen.

ICANN LOgo (Grafik: ICANN)

Die ICANN verwaltet unter anderem das Domain Name System (DNS), das die numerischen IP-Adressen im Internet in die gewohnten Domainnamen – etwa ITespresso.de – umwandelt. Sie betreibt außerdem die Root-Server, die die DNS-Daten speichern. Überdies ist sie für die Vergabe von Top-Level-Domains zuständig. Zu den Gruppen, die künftig diese Aufgaben übernehmen könnten, zählen die Internet Engineering Task Force (IETF), das Internet Architecture Board (IAB), die Internet Society (ISOC) sowie die regionalen Internet-Registrare, die IP-Adressen für neue Domainnamen zuteilt. Die hatten bereits in einer gemeinsamen Erklärung ihre Bereitschaft signalisiert: “Die technische Community ist stark genug, um ihre Rolle weiter auszufüllen und zusätzliche Kontrollfunktionen zu übernehmen, die die US-Regierung abgibt.”

Außerdem betonten sie damals, “sich zu offenen und transparenten Prozessen”, zu bekennen – womit sie darauf anspielten, dass die US-Regierung die Kontrolle letztendlich wohl auch wegen des enormen Vertrauensverlustes abgeben will, den sie durch die Enthüllungen auf Grundlage der Dokumente von Edward Snowden erlitten hat. Anfangs hatte das US-Handelsministerium relevante Bereiche des Internets kontrolliert. Aufgrund eines Vertrags übergab es die Aufgaben dann schrittweise an die ICANN. Dieser Vorgang begann 1997 unter Präsident Bill Clinton.

“Aus Sicht der Internetwirtschaft muss bei der Überleitung der Aufsicht über die IANA-Funktionen vor allem die Sicherheit, Stabilität und Robustheit der Netzarchitektur sichergestellt bleiben. Für uns steht im Mittelpunkt, dass die Organisation weiterhin effektiv und effizient arbeitet und für alle Interessengruppen tätig wird”, erklärt eco-Vorstandsmitglied Oliver Süme in einer Pressemitteilung.

Die jetzt vorgelegten Handlungsempfehlungen zielten daher unter anderem auf eine Ausweitung der Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten für alle Interessengruppen. Beispielsweise soll ein Überprüfungsverfahren für Einzelfallentscheidungen bei der Domainvergabe eingeführt werden. Auch die regelmäßige Überprüfung die Geschäftsabläufe der ICANN ist vorgesehen. Regelungen bezüglich der länderspezifischen Top-Level-Domains sollen wie auch bisher Ländersache bleiben und nach den jeweils geltenden Gesetzen vorgenommen werden.

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