Messenger Jestit erlaubt den Versand komplett anonymer Nachrichten

IT-ManagementIT-ProjekteMobilePolitikRechtÜberwachung
Jestit-icon (Bild: Jestit)

Die vom gleichnamigen Start-up entwickelte App ist kostenlos für iOS ab sofort erhältlich, soll aber demnächst auch für Android verfügbar sein. Laut Anbieter werden sämtliche Nachrichten komplett anonym über einen sicheren Server in der Schweiz versendet. Für den Versand selbst sei nur die Mail-Adresse des Empfängers erforderlich.

Das von fünf Schweizer Unternehmern im August 2014 gegründete Start-up Jestit AG hat eine ab sofort erhältliche Messenger-App vorgestellt, die sich sowohl für den Einsatz im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld eignen soll. Das Besondere daran ist dem Anbieter zufolge, dass sich Nachrichten komplett anonym über einen sicheren Server in der Schweiz versenden lassen. Aktuell steht die Anwendung ausschließlich für iOS in einer kostenlosen und einer Premium-Variante zur Verfügung, soll aber noch in diesem Frühjahr auch für Android erhältlich werden.

Jestit-icon (Bild: Jestit)

Laut Jestit enthält sein Messenger im Gegensatz zu bekannten Vertretern wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Threema neuartige Funktionen. Zum Beispiel wird für den Versand einer Nachricht nicht die Handynummer des Empfängers, sondern lediglich dessen Mail-Adresse benötigt.

Nach dem Download und der anschließenden Installation muss sich ein Anwender zur Einrichtung der App daher auch über seine Mail-Adresse anmelden. Alternativ funktioniert das über den eigenen Facebook-Account. Im Anschluss erhält der Nutzer noch eine kostenlose Anmeldebestätigung per E-Mail, kann daraufhin einen Empfänger aus den Kontakten wählen, den gewünschten Nachrichtentext eingeben und ihn schließlich abschicken.

Als Sender bleibt man laut Anbieter dabei vollständig anonym, der Empfänger kann aber trotzdem auf die jeweilige Nachricht antworten. Auf diese Weise kann ein Angestellter beispielsweise seinem Chef anonym Verbesserungsvorschläge für das Unternehmen unterbreiten und entsprechend Rückmeldung dazu erhalten, ohne erkannt zu werden.

Wie etwa bei WhatsApp gibt es auch bei Jestit eine Lesebestätigung, mit der der Sender erfährt, ob und wann seine Nachricht gelesen wurde. Außerdem wird ein Auszug einer anonymen Nachricht auch dann zugestellt, wenn ein Empfänger die Messenger-App noch nicht auf seinem Smartphone installiert hat. Stattdessen erfolgt der Versand dann via E-Mail.

Ferner besteht die Möglichkeit, die Kommunikation anderer Anwender als “Follower” zu verfolgen. Wer das nicht möchte, kann eine Konversation auch als “privat” markieren und damit dafür sorgen, dass kein anderer Nutzer Zugriff auf den Gesprächsverlauf erhält.

Jestit finanziert sich über In-App-Werbung sowie eine kostenpflichtige, mittels In-App-Käufen aktivierbare Produkterweiterung. Mit der lässt sich Werbung dauerhaft deaktivieren und können destruktive Feedback-Sender blockiert werden. Die Premium-Variante kostet einmalig 99 Cent.

Jestit-Feedback (Screenshot: Jestit)
Mit Jestit können Nutzer beispielsweise anonym Feedback zu ihrem Hotelaufenthalt geben. Hierfür benötigen sie lediglich die Mail-Adresse des jeweiligen Hotels (Screenshot: Jestit).

Nicht anonym, aber immerhin verschlüsselt werden die Nachrichten mit der von der Deutschen Post kostenlos angebotenen Chat-App SIMSme für Android und iOS übertragen. Diese eignet sich – wie Jestit – ebenfalls sowohl für das private als auch das geschäftliche Umfeld. Der Anbieter versichert, dass er keinerlei Daten für Werbezwecke nachverfolge. Wer dennoch misstrauisch ist, kann eine kostenpflichtige Selbstzerstörungsfunktion für seine Nachrichten aktivieren. Ein integrierter Infokanal – laut Deutscher Post vergleichbar mit einem externen Content-Kanal – kann zudem genutzt werden, um Informationen unternehmensweit zu verteilen.

Der deutsche Anbieter Teamwire bietet hingegen eine rein für Firmenkunden konzipierte Messaging-Lösung an. Dessen Anwendung Teamwire Secure Enterprise Messaging verlagert die Verwaltung verschlüsselter Instant-Mobilkommunikation vom Smartphone auf die Firmen-IT sowie hinter die Firewall. Das erlaubt es der IT-Abteilung, die Messaging-Lösung für die Mitarbeiter sowohl in der eigenen Infrastruktur als auch in einer dedizierten Umgebung eines Server-Hosters zu betreiben.

Auch das Konkurrenzunternehmen Vogeler AG offeriert für seine Chatmode genannte Messaging-App eine Enterprise-Version, die es IT-Managern ermöglicht, firmeninternen Unterhaltungen verschlüsselt auf einem eigenen Unternehmensserver zu sichern und zu verwalten. Dieses Privileg kostet dann allerdings 1500 Euro. Wer sich damit abfinden kann, dass die Kommunikation auf dem Server des Anbieters gespeichert wird, kann sich auch die weitaus günstigeren Varianten für iOS (2,99 Euro), Android (1,30 Euro), Windows Phone (umgerechnet 1,36 Euro) oder Windows (umgerechnet 1,17 Euro) installieren.

Das Besondere bei Chatmode: Die verschlüsselte Kommunikation läuft über einen einzigen Server – so können zum Beispiel die unterwegs mit dem iPhone begonnenen Chats später auch auf dem Arbeitsplatzrechner unter Windows fortgeführt werden. Chatmode kann zudem auch alle auf dem Handy gespeicherten Benutzerdaten chiffrieren.

Unabhängig von den Beteuerungen und Versprechungen der jeweiligen Anbieter kam die US-Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation (EFF) im Januar zu dem Ergebnis, dass nur 6 der von ihr untersuchten 40 Messaging-Dienste wirklich Sicherheit bei der Kommunikation bieten. Demnach erfüllen lediglich die Anwendungen ChatSecure + Orbit, Cryptocat, Signal/RedPhone, Silent Phone und Silent Text von Silent Circle sowie TextSecure alle von der EFF an einen Messaging-Dienst gestellten Anforderungen.



In einem Youtube-Video erklärt das Schweizer Start-up Jestit das Konzept seiner Messenger-App.

Tipp: Wissen Sie alles über Edward Snowden und die NSA? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen