Avira will verstärkt gegen die Installation von PUA vorgehen

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Avira Logo (Bild: Avira)

Die wachsende Anzahl “Potenziell unerwünschter Anwendungen” veranlasst den Sicherheitsanbieter dazu, die Erkennungsmuster seiner Antivirensoftware zu überdenken. Ein erster Schritt in diese Richtung stellen nun bereitgestellte Richtlinien für Verkäufer und Distributionspartner dar. Allein im Februar habe Avira über 22 Millionen PUA entdeckt.

Avira hat angekündigt, die Erkennungsmuster seiner Antivirensoftware zu überdenken. Anlass dafür sind die sogenannten PUA (Potenziell unerwünschte Anwendungen), aufgrund derer der Sicherheitsanbieter seinen Verkäufern und Distributionspartnern ab sofort auch schon eine Reihe an ethischen Richtlinien mitgibt. Die sollen dabei helfen, den bestmöglichen Schutz vor PUA zu bieten.

Avira Logo (Bild: Avira)

Unerwünschte Anwendungen landen laut Avira häufig als Teil eines Komponentenpakets des ursprünglich gewünschten Programms auf dem PC eines Nutzers. Der Standardinstallationsprozess führe den Anwender oftmals soweit in die Irre, dass die PUA ungewollt und ohne dessen Wissen auf den Rechner gespielt werde. Avira identifiziert eigenen Angaben zufolge jegliche Software, die bösartige Inhalte einfügt oder eine nicht gerechtfertigte Menge an privaten Informationen fordert, als PUA.

Überdies zählt der Sicherheitsanbieter auch zahlungsabwickelnde Apps, die dem Nutzer ohne dessen Einwilligung zu viel berechnen, zu dieser Kategorie. Ferner fallen nach Definition von Avira jene Programme darunter, die unnötige Zugriffsrechte erfordern, ungewollte Werbung auf das Gerät des Anwenders bringen, diesen ausspionieren oder aber ferngesteuert sind.

Allein im vergangenen Monat habe Aviras Virenlabor mehr als 22 Millionen PUA entdeckt, sodass seine Sicherheitsspezialisten eine Liste der fünf am meisten auftretenden PUA einschließlich ihrer Wirkung erstellen konnten. Die am häufigsten auftretende Variante sei im Februar demnach iLivid gewesen – eine Anwendung, die sich im Browser festsetzt und Suchanfragen auf die Website iLivid.com weiterleitet. Hat sich iLivid erst einmal auf dem System eingenistet, wird es Avira zufolge versuchen, alle sich auf dem PC befindlichen Browser zu infizieren.

Weit verbreitet sei auch die Toolbar SeaSuite, die als Add-on oder Erweiterung in Browsern installiert wird. Sie zeige Werbung an und füge selbige beim Surfen im Web ein. SoftPulse hingegen ist laut Avira ein Bundle, das ein zusätzliches Programm installiert, um Werbung anzuzeigen und ungewollte Toolbars auf dem Gerät zu installieren. Es könne auch als “in die Privatsphäre eingreifend” bezeichnet werden.

Ebenfalls störend ist demnach NextLive – ein Browser-Plug-in, das die Interneteinstellung eines Browsers, etwa die ursprünglich ausgewählte Startseite oder Suchmaschine, ändert. Diese Art der Adware soll für ungewollte Browser-Weiterleitungen sowie die Anzeige unerwünschter Pop-ups, Coupons und anderer Werbung verantwortlich sein.

Schließlich trackt OptimizerPro Avira zufolge die Webnutzung und fügt ungewollte Pop-up-Werbung ein. Gelegentlich könne es zudem die Browser-Suche und -Startseite übernehmen, um auf andere, nicht ursprünglich ausgewählte Seiten oder Suchmaschinen weiterzuleiten. Die Anwendung selbst soll angeblich die Computerperformance verbessern, tritt laut Avira aber als Scareware auf und bittet Nutzer für lediglich fiktive Optimierungen an ihren PCs zur Kasse.

PUA-Families (Grafik: Avira)
iLivid stellt die mit Abstand häufigste PUA dar (Grafik: Avira).

“Wir glauben an das kostenlose Internet und akzeptieren Werbung deswegen auch als eine Möglichkeit, Inhalte zu finanzieren. Eine kostenlose Software herunterzuladen bedeutet allerdings nicht, dass man zugestimmt hat, auch ungewollte oder gar schädliche Anwendungen auf dem Gerät zu installieren. Wir erwarten, dass Softwareanbieter und Downloadportale kein Schindluder mit ihren Nutzern treiben und ihre Absichten transparenter darlegen. Es ist unsere Pflicht, Internetnutzer nicht nur vor Malware sondern auch vor finanziellem Verlust und einem Verlust ihrer Privatsphäre zu schützen. Wir haben uns entschlossen, den Schutz unserer Nutzer zu verstärken und haben deswegen eine Liste an Richtlinien festgelegt, die unser Produkt durchsetzt”, sagt Travis Witteveen, Chief Executive Officer von Avira, in einer Pressemitteilung.

Ein Hauptziel Aviras ist es, die Anzahl der auf den Geräten von Nutzern befindlichen PUA zu reduzieren. Die neue Richtlinienliste des Sicherheitsunternehmens für Softwareanbieter sei ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung. Avira empfiehlt Anwendern aber trotzdem, auch weiterhin selbst die von dieser Software ausgehenden Gefahren zu verstehen und sich eigenmächtig davor zu schützen.

Wer übrigens tatsächliche und obendrein kostenlose Verbesserungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit seines Rechners anstrebt, kann etwa auf die von Avira angebotenen Lösungen System Speedup für Windows beziehungsweise Android Optimizer für Geräte mit Googles Mobilbetriebssystem zurückgreifen.

System Speedup ermittelt System- respektive Software-Datenmüll und entfernt diesen. Zudem optimiert die Anwendung Systemparameter und identizifiziert Programme, die im Grunde nicht benötigt werden. Die App soll indes die Leistung mobiler Geräte erhöhen und gleichzeitig für besseren Datenschutz sorgen. Auf Wunsch entfernt sie auch private Daten, reinigt den Browser-Verlauf oder löscht die Konversationsliste. Das hat Avira zufolge auch positive Auswirkungen auf das Durchhaltevermögen des Akkus. Zudem schaffe die App mehr Speicherplatz für Fotos, Videos und tatsächlich benötigte Apps.

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