Megatrend Video: Perfekte Firmen-Videos selbst gemacht

IT-ManagementIT-ProjekteKarriereWorkspaceZubehör

Egal, ob Imagefilm, Produktdemo oder Messebericht, am Medium Video kommt kaum ein Unternehmen vorbei. ITespresso zeigt, wie auch kleine Unternehmen und Selbstständige mit knappem Budget hochwertige Videos produzieren können.

Für kleine Unternehmen, die sich gut präsentieren wollen, hält das Web immer neue Herausforderungen bereit. Vor zehn Jahren ging es noch darum, eine ordentliche Homepage aufzubauen. Seit einigen Jahren muss die Homepage auch für die Displays von Mobilgeräten optimiert werden. Hinzu kommt der Siegeszug von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Auch hier gilt es Präsenz zu zeigen.

Und dann wäre da noch das Thema Video. Fast alle großen Unternehmen produzieren inzwischen eifrig Firmen-Videos, die sie auf ihre Website, auf Youtube oder auch auf Facebook posten. Denn Videos werden nun mal gerne geklickt.

Laut einer Studie des Open-Source-Videodienstleisters Kaltura zählen Tutorial-Videos inzwischen zu den beliebtesten Videoanwendungen in Unternehmen, gefolgt von “Eventberichten und Videokonferenzen”. 78 Prozent der großen Konzerne nutzen Videos als Marketinginstrument, 77 Prozent stellen ihre Produkte damit vor.

Mehr als ein Drittel setzt Firmen-Videos sogar ein, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. “Videos werden künftig als Kernkompetenz gelten, genauso wie Powerpoint oder Excel”, mit diesen Worten lässt sich der Direktor eines Mediendienstleisters in der besagten Studie zitieren.

Was man mit Videos machen kann

Anwendungen gibt es genug. So kann man Tutorials erstellen, die den Gebrauch eines Produkts oder eines Programms erklären. Das Video wird auf die Website gestellt und erklärt den Umgang mit dem Produkt. Oder es dient innerhalb der Firma als Schulungsvideo für neue Mitarbeiter, die beispielsweise die Bedienung eines Programms erlernen.

Panasonics 4K-Camcorder HC-X1000 kostet 3000 Euro. Für die Produktion von Imagevideos ist so ein Profigerät aber gar nicht nötig (Foto: Panasonic).
Panasonics 4K-Camcorder HC-X1000 kostet 3000 Euro. Für die Produktion von Imagevideos ist so ein Profigerät aber gar nicht nötig (Foto: Panasonic).

Auf hausinternen Events, Konferenzen oder Betriebsausflügen läuft in der Regel eine Kamera mit oder ein Mitarbeiter macht Fotos. Das Material lässt sich dann zu einem Video zusammenfügen. Der Messeauftritt des Unternehmens gibt sicher genug Stoff für einen kurzen Videoclip.

Daneben machen sich auch Demos neuer Produkte auf Facebook gut. Oder der Chefentwickler gibt ein Interview zum neuen Produkt. Wer sich an Imagevideos wagt, sollte aber schon etwas mehr Erfahrung und Geschick im Umgang mit dem Medium haben.

Externe Videodienstleister

Eine Menge Gründe also, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Doch kleine Unternehmen oder Startups haben oftmals weder das nötige Kleingeld noch das Know-how, um hier problemlos mit den Großen mithalten zu können. Sicher gibt es Agenturen, die gerne Aufträge für Produkt- oder Imagevideos entgegennehmen und dann mit Profi-Ausrüstung anrücken. Doch ein externer Dienstleister ist teuer. Zumal Imagevideos von Agenturen zwar immer professionell aussehen, aber leicht klischeehaft und wenig authentisch wirken.

Videoschnittprogramme für Endanwender bringen viele fertige Vorlagen und Effekte mit, für das Business-Umfeld sind die aber nur selten geeignet. Der Screenshot zeigt Pinnacle Studio (Bild: Pinnacle).
Videoschnittprogramme für Endanwender bringen viele fertige Vorlagen und Effekte mit, für das Business-Umfeld sind die aber nur selten geeignet. Der Screenshot zeigt Pinnacle Studio (Bild: Pinnacle).

Wer sein Geld nicht für nichtssagende Werbefilmchen ausgeben will, braucht einen Dienstleister, der sich Zeit nimmt, das Unternehmen, seine Mitarbeiter und die Produkte kennenzulernen. Nur so entsteht ein interessantes Video. Das wiederum ist noch teurer, für Start-ups oder kleine Unternehmen oftmals unbezahlbar. Trotzdem kein Grund aufzugeben, denn mit etwas Know-how kann man das Thema Video auch selbst anpacken.

Die nötige Ausrüstung

Die erforderliche Grundausstattung ist gar nicht mal so teuer. Auch ohne professionelle Camcorder, Studiomikrofone und Postproduction-Studio lassen sich ansehnliche Videoclips herstellen. Im Folgenden stellt ITespresso Hardware und Software vor, die sich für die Videoproduktion eignet.

Digicams mit Videotalenten

Für Firmenvideos genügt meistens schon eine gute Digicam, die mindestens Full-HD-Videos oder eventuell schon 4K beherrscht. Diese Digicam kann man für Fotos und Videos gleichermaßen benutzen.

Sinnvoll ist ein bewegliches Display, so kann man die Kamera beim Videodreh weiter weg vom Körper halten und hat das Display und die Umgebung gleichzeitig im Blick.

Wichtig ist ein externer Mikrofonanschluss, denn die eingebauten Mikrofone nehmen alle Geräusche vor, neben und hinter der Kamera auf. Will man beispielsweise den Geschäftsführer beim Messeauftritt interviewen, benötigt man ein externes Mikrofon mit Richtcharakteristik, das den Hintergrundlärm ausblendet.

Daneben gilt: Ein größerer Sensor begrenzt bei gleicher Blende und Brennweite die Tiefenschärfe. Das ist sinnvoll, wenn die Schärfe auf ein bestimmtes Objekt, beispielsweise das Produkt konzentriert sein soll, während der Hintergrund in der Unschärfe verschwimmt.

Gut, aber auch teuer sind lichtstarke Objektive mit einer Blendenöffnung von 2.0 oder besser. Das erspart in vielen Fällen die Videoleuchte. Außerdem hilft eine offene Blende bei der Begrenzung der Tiefenschärfe. Hier drei Beispiele für Digicams, die auch Filmer zufriedenstellen.

Panasonic Lumix GH3 (Bild: Panasonic)

Panasonic DMC-GH3HE

Panasonics Systemkamera Lumix DMC-GH3HE genießt bei Hobbyfilmern einen guten Ruf. Auch professionelle Videoprojekte wurden schon mit der GH3 realisiert. Das Display ist frei beweglich, die Größe des Bildsensors (17,3 mal 13,0 Millimeter) entspricht dem Micro-Four-Thirds-Standard. Die Lumix ermöglicht den Einsatz von Wechselobjektiven.

Da die GH3 unterschiedliche Formate wie AVCHD, MP4 und MOV und unterschiedliche Bildraten wie 50p, 25p und 24p beherrscht, eignet sie sich auch für anspruchsvolle Projekte. Die Lumix kostet 1499 Euro, ein Zoomobjektiv ist da auch schon dabei.

Canon EOS 760D (Bild: Canon)

Canon EOS 760D

Erst im Mai 2015 soll die EOS 760D in den Handel kommen, der Preis inklusive Kit-Objektiv wird bei 750 Euro liegen. Eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera, die sich aber dank des dreh- und schwenkbaren Displays und des Mikrofonanschlusses (3,5 Millimeter) gut für Videos einsetzen lässt. Full-HD-Filme dreht sie mit 30 Bildern pro Sekunde, das ist nicht gerade ein Spitzenwert, reicht aber für die allermeisten Zwecke. Der Autofokus wird während der Aufnahme ständig nachgeführt. Erfahrene Videofilmer nutzen allerdings eher die manuelle Scharfstellung über das Objektiv. Der CMOS-Sensor im APS-C-Format (22,3 mal 14,9 Millimeter) liefert 24 Megapixel.

Sony Alpha7 (Bild: Sony)

Sony Alpha 7

Eine kompakte Systemkamera mit Vollformatsensor (35,8 mal 23,9 Millimeter), der 24,3-Megapixel liefert. Durch den Vollformatsensor sind Aufnahmen mit geringer Tiefenschärfe möglich, was den begehrten “Kino-Look” ergibt. Daneben verspricht der Vollformatsensor natürlich auch bei Fotos eine exzellente Bildqualität.

Die Sony Alpha 7 filmt Full HD mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, fängt damit also auch schnelle Bewegungen ein. Laut Hersteller ist der Hybrid-Autofokus, der sowohl Kontrast- als auch Phasenmessung beherrscht, besonders schnell. Ein bewegliches Display und der Mikrofonanschluss unterstreichen die Eignung als Videokamera.

Die Alpha 7 kostet ohne Objektiv 1299 Euro. Angesichts des Vollformatsensors und der vielen Hightechfunktionen ist das sogar recht preiswert.

Mikrofon und Stative

Sennheiser MKE 400

Die Bedeutung des Tons wird bei Videos meistens unterschätzt. Eine gute Tonspur zeichnet das Qualitäts-Video aus, Filme mit dilettantischem Ton werden schnell nervig. Daher gehört ein externes Mikrofon zur Grundausstattung der Videoproduktion.

Manfrotto

Das Sennheiser MKE 400 ist ein Richtmikrofon, das auf den Blitzschuh der Kamera aufgesteckt wird. Das Mikrofon kostet 219 Euro. Ideal für Sprachaufnahmen in unruhiger Umgebung, weil es seitlich einfallende Geräusche stark dämpft.

Auch ein gutes Videostativ mit Fluid-Schwenkkopf ist in vielen Fällen sinnvoll, wenn auch nicht zwingend nötig. Ein Beispiel wäre das Manfrotto MVT502AM mit dem Schwenkkopf MVH502A (Bild links).

Der Fluid-Schwenkkopf wird durch Kugellager unterstützt wird, die Reibung ist einstellbar. Doppelrohre aus Aluminium sorgen für stabilen Stand. Das Stativ kostet komplett mit Tasche 570 Euro.

Schwebestative, auch Steadycam genannt, sind eine ideale Möglichkeit, die Kamera frei zu bewegen, ohne dass das Bild ständig ruckelt. Ein Beispiel ist Rolleis Big Wild Cat für 400 Euro. Die Handhabung eines Schwebestativs erfordert allerdings ziemlich viel Übung.

Post-Production am PC

Mit Videobearbeitungsprogrammen kann man die Videoclips schneiden, in die richtige Reihenfolge bringen, mit Effekten wie Überblendung oder Farbfiltern aufpeppen, Titel einfügen und dann in alle möglichen Formate exportieren. Der Haken dabei: Professionelle Videoschnittsoftware wie beispielsweise Adobes Premiere ist nicht nur teuer, sondern bietet auch Funktionen, die für einfache Webvideos gar nicht nötig sind.

Man kann aber durchaus auf Videosoftware für Privatanwender zurückgreifen. Diese Programme gibt es schon für deutlich weniger als 100 Euro. Die Sorge, dass man diese Programme nicht für kommerzielle Zwecke verwenden darf, ist unbegründet. Sowohl die Programme von Magix als auch die von Corel oder Cyberlink sind auch kommerziell nutzbar.

Eine Ausnahme machen die Effektvorlagen, die den Programmen meistens als Plug-in beiliegen. Dabei handelt es sich um animierte Grafiken, Überblendung oder Titelvorlagen. Auch Soundtracks und Musikschnipsel, die man für Intros oder Hintergrundmusik verwenden könnte, sind in der Regel nicht für den gewerblichen Einsatz freigegeben. Bei Magix-Produkten beispielsweise ist die kommerzielle Verwendung dieser “Musik-, Video- oder Foto-Dateien sowie entsprechender Vorlagen” in der EULA untersagt.

Das ist allerdings kein Schaden, die meisten dieser effektvollen Vorlagen passen ohnehin nicht ins Business-Umfeld. Wer trotzdem solche Vorlagen verwenden will, sollte sich die Videoprodukte von Cyberlink oder Corel ansehen, da sind auch Effektvorlagen für den kommerziellen Gebrauch freigegeben. Gegebenenfalls sind hier allerdings Copyright-Hinweise zu beachten.

Magix 2014 Premium (Bild: Magix)

Magix Video de Luxe

Umfangreiches Videoschnittprogramm mit vielen Funktionen, darunter auch Bildschirmaufnahme zum Erstellen von Softwareschulungen oder Video-Tutorien als. Bereits die Plus-Version beherrscht Multicam-Editing und den hochauflösenden Videostandard 4K. Durch die vielen Funktionen erfordert die Bedienung eine gewisse Einarbeitungszeit, allerdings bietet Magix einen sehr umfangreichen Support, darunter auch Schulungen und Workshops. Preis: 100 Euro (Video Deluxe Plus), 130 Euro (Video Deluxe Premium)

Cyberlink PowerDirector (Bild: Cyberlink)

Cyberlink Power Director

Bei Cyberlinks umfangreicher Videoschnittsoftware Powerdirector 13 darf man im Unternehmen auch fertige Vorlagen aus der sogenannten “Director Zone” benutzen. Allerdings beherrscht Powerdirector keine Bildschirmaufnahme. Dafür gibt es vom gleichen Hersteller das Programm Youcam für 30 Euro. Preis: 60 Euro (Ultra), 95 Euro (Ultima)

Cyberlink Director Suite

Cyberlink PowerDirector Suite (Bild: Cyberlink)

Für Unternehmen ist unter Umständen die Director Suite 3 interessant. Neben der Videobearbeitung Powerdirector sind auch die Programme Photo-, Audio- und Color-Director enthalten, man bekommt also ein komplett ausgestattetes Softwarepaket zum Bearbeiten von Videos, Fotos und Audiodateien sowie zur Farbgestaltung an die Hand.

Hinzu kommen Apps für die Bearbeitung von Fotos und Videos auf dem Tablet. Die Apps sind für Android oder Windows Phone erhältlich. Durch die Kombination aller Programme lässt sich ein kompletter Workflow aufbauen.

Zudem gibt es 20 Gigabyte Speicherplatz auf einem Cloudspeicher von Cyberlink (im ersten Jahr kostenlos). Auf diese Weise kann man Projekte auch unterwegs abrufen, auf dem Tablet bearbeiten und wieder speichern. Preis: 175 Euro.

Pinnacle Studio

Umfangreiche Videosoftware, die in der Version 18 vorliegt. Die Versionen Studio Plus und Studio Ultimate unterstützen auch die Bildschirmaufnahmen zum Erstellen von Software-Tutorials. Die Ultimate-Version beherrscht auch 4K-Videomaterial. Das Videoschnittprogramm darf ebenfalls in Unternehmen genutzt werden

Pinnacle Studio (Bild: Pinnacle)

Das gilt auch für Vorlagen wie Cliparts oder grafische Animationen, die im Programm als Plug-in bereitgestellt werden, allerdings sind dann Copyright-Vermerke anzubringen. Vor der Nutzung solcher Vorlagen sollte man die aktuelle EULA lesen. Preis: 100 Euro (Studio 18 Plus), 130 Euro (Studio 18 Ultimate)

Corel Videostudio 8 (Bild: Corel)

Corel Video Studio

Leistungsfähiges Videoschnittprogramm, das in den Versionen Pro X8 und Ultimate X8 die Bildschirmaufnahme beherrscht. Somit lassen sich auch Software-Tutorials umsetzen. Die Nutzung von fertigen Vorlagen im kommerziellen Bereich ist laut EULA ebenfalls erlaubt, allerdings sind entsprechende Copyright-Vermerke einzufügen. Vor der Nutzung sollte man auf alle Fälle die aktuellen Lizenzbedingungen lesen. Für den Einsatz im Unternehmen reicht die preiswerte Version Pro X8 aus. Preis: 70 Euro (Pro X8), 90 Euro (Ultimate X8)

Movavi Video Suite 14 (Bild:Bvh)

Movavi Videosuite

Bedienfreundliche Videosoftware für Einsteiger, die aber alle wichtigen Funktionen bereithält. Bildschirmaufnahmen sind ebenfalls möglich. Ein Highlight sind die zahlreichen Konvertiermöglichkeiten zwischen verschiedenen Video- oder Audioformaten. Das Movavi-Programm wird in Deutschland von BHV vertrieben. Preis: 50 Euro

Movavi Screen Capture

Ideal für die Erstellung von Video-Tutorials ist der Bildschirmaufnahme-Recorder Screen Capture, der von BHV vertrieben wird. Ein Videobearbeitungsprogramm zum Schneiden und Einfügen von Titeln ist integriert. Die Software kostet 40 Euro.