Die entscheidende Rolle des Flow in der virtuellen Realität

ForschungInnovation
Virtual Reality (Bild: AMD)

Lange waren Szenarien zur Nutzung Virtueller Realitäten mehr oder weniger gut geschriebene Science-Fiction. Inzwischen ist die Branche jedoch an einem Wendepunkt angelangt. Im Expertenbeitrag für ITespresso erklärt AMD-Manager Sasa Marinkovic, wie das kürzlich von seinem Unternehmen vorgestellte SDK für LiquidVR zum Durchbruch beitragen kann.

Ich stehe auf dem Dach eines großen Gebäudes, schaue auf die Straßen hunderte von Metern unter mir, so dass mir der Atem stockt. Die Flagge auf dem Gebäude nebenan flattert im starken Wind während ich mich mit den Zehen von der Kante wegdrücke, das Gleichgewicht verliere und auf die Straße falle. Ich kann meine Verfolger die Treppe hochstürmen hören, aber ein hastiger Blick um mich herum zeigt keine Versteckmöglichkeit. Die einzige Möglichkeit ist zu springen – auf das Dach nebenan. Ich drehe mich kurz zur Seite, um einen letzten Blick zu erhaschen und dann … verwischen verpixelte Bruchstücke meine Welt. Die Magie ist vorbei.

Sasa Marinkovic, der Auor dieses Expertenbeitrags für ITespresso.de zum Thema LiquidVR, ist bei AMD Head of Software Marketing der Computing and Graphics Group (Bild: AMD).
Sasa Marinkovic, der Auor dieses Expertenbeitrags für ITespresso.de ist bei AMD Head of Software Marketing der Computing and Graphics Group (Bild: AMD).

Virtual Reality (VR) steht kurz davor, die Welt des Personal Entertainment komplett zu revolutionieren. Wie inzwischen allgemein bekannt sein dürfte, besitzt sie großes Potenzial, einen langfristigen Einfluss zu haben, der über die Fähigkeiten der meisten – von Unterbrechungen gekennzeichneten – heutigen neuen Technologien hinausgeht. Mit einem VR-Headset wird der Nutzer in eine neue Welt lebensechter Unterhaltung katapultiert, die eine täuschend echte Realität vermittelt.

Traditionelle Filmunterhaltung versetzt den Zuschauer in die Rolle eines Beobachters einer Geschichte, heutige Gaming-Technologien machen den Nutzer jedoch zu einem aktiven Teilnehmer. VR-Technologien heben alles auf eine neue Ebene, wo die virtuelle Welt so echt wird, wie die reale Welt. Dafür müssen Technologien unsichtbar, unbemerkt und unerkannt bleiben. In dem Moment, in dem Technologie durch ein kompliziertes Interface oder eine unrealistische Erfahrung sichtbar wird, zerbricht die Magie und die fragile Welt der virtuellen Realität zerfällt.

Mit VR-Technologie in den Genuss einer mit der Realität identischen Erfahrung zu kommen, ist nur aufgrund der gigantischen Verbesserungen von Prozessorleistung, Grafik-, Video- und Display-Technologien möglich. Dennoch ist der entscheidende Faktor nicht nur, den Virtual-Reality-Flow zu erreichen, sondern ihn auch zu erhalten. Wir nennen diese Regel: “Keine Unterbrechung des Flow”.

Was versteht man unter dem “Flow”?

Hierfür muss man einen Moment innehalten. Um den Anspruch “Keine Unterbrechung des Flow” zu verstehen, muss man wissen, was genau das ist, was nicht unterbrochen werden soll und was alles dazugehört, um einen “Flow” innerhalb einer virtuellen Umgebung zu erzielen.

Virtual Reality (Bild: AMD)

Virtual-Reality-Flow wird häufig mit Immersion gleichgesetzt, also einem Zustand, in dem die Wahrnehmung der eigenen Person in der Gegenwart mit einer virtuellen Welt verschmilzt, die real erscheint und sich damit auch so anfühlt. Der “Flow” kann dabei als das Maß definiert werden, bis zu dem die virtuelle Umgebung ein vertrautes Gefühl der Realität hervorruft und weder einen Anflug von Unwirklichkeit noch Misstrauen aufkommen lässt. Je gründlicher dieses Misstrauen vermieden wird, umso größer ist das Maß an “Flow”. Der “Flow” in der Umgebung erfolgt, wenn die virtuelle Welt den virtuellen Nutzer wahrnimmt und entsprechend agiert.

Entwickler von virtuellen Realitäten beschreiben das Erreichen des “Flow” so, dass eine große Bandbreite neuer Technologien und Innovationen zum Einsatz kommt, inklusive einer breiten Palette sensorischer Inputs und durch den Nutzer kontrollier- oder manipulierbarer Elemente innerhalb der virtuellen Umgebung. Außerdem tragen die Verbesserung der Geschwindigkeiten und flüssige Abläufe, die vom Nutzer gesteuert werden, zur Erreichung des “Flow” bei.

Die Rolle der Technologie in der virtuellen Realität

Eine realistische Virtual-Reality-Umgebung benötigt extrem viel Rechenleistung, um die virtuelle Realität mit den besten Leistungsparametern auszustatten. Die eingesetzten Technologien müssen eine virtuelle Umgebung schaffen und aufrechterhalten können, die einen virtuellen “Flow” möglich macht – und dabei so unauffällig und unsichtbar wie möglich sein.

Die Technologie für Virtual Reality benötigt eine schnellere Grafikleistung, eine hohe Bildauflösung, geringe Latenzzeiten und eine beeindruckende visuelle Qualität. Dabei müssen Verzögerungen, eine Nichtübertragung der von der Grafikkarte erzeugten Bilder (Frame Dropping) oder langsame Reaktionszeiten auf Aktionen innerhalb der virtuellen Welt ausgeschlossen werden.

Das finale Ziel von Technologien für die Virtual Reality ist es, all den magischen Zauber der Immersion, also die Erfahrung des “Flow” als zentrale Nutzererfahrung in einer virtuellen Welt, aufrecht zu erhalten. Dabei muss die dafür notwendige Technologie für den Nutzer absolut im Hintergrund arbeiten. Die schnellsten PCs heutzutage sind kurz davor, diese Anforderungen absolut zu erfüllen. Sie bilden den Grundstein, diese Kunst zur Perfektion werden zu lassen.

Die einzige Option ist zu springen – auf das Dach nebenan. Ich drehe mich um für einen letzten Blick und… springe. Es fühlt sich an wie Fliegen und dann eine elegante Landung auf dem Dach. Die Verfolger sind mir immer noch auf den Fersen. Vor mir liegt ein Treppenhaus und ich renne so schnell wie der Wind.



In einem Video erklärt AMD etwas ausführlicher, wie es mit der Anfang März vorgestellten ersten Version von LiquidVR Virtual Reality “echter” machen will.