Fraunhofer-Forscher machen Panoramaaufnahmen auf dem Tablet nutzbar

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fraunhofer-HHI-tablet (Bild: Fraunhofer HHI)

Das funktioniert mit der App Ultra-HD-Zoom. Sie erlaubt es, hochauflösende Ausschnitte von Panoramabildern auszuwählen und darin zu navigieren. Das Panorama wird in Segmente aufgeteilt, um die übertragene Datenmenge klein zu halten. Der Nutzer kann dann etwa eine bestimmte Kameraeinstellung aussuchen und in das gewünschte Segment hineinzoomen.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut, HHI) in Berlin haben eine App namens “Ultra-HD-Zoom” entwickelt, die es Nutzern erlaubt, auf ihrem Mobilgerät hochauflösende Ausschnitte von Panoramabildern selbst auszuwählen und darin zu navigieren. Während das Tablet als sogenannter Second Screen zur Steuerung dient, können die Panoramaaufnahmen parallel auf einem größeren Bildschirm wie dem eines Smart-TVs gelegt werden. Ihre Anwendung wollen die Forscher auf der CeBIT vom 16. bis 20. März in Hannover vorstellen (Halle 8, Stand E40).

Die vom Fraunhofer-HHI entwicklte OmniCam (Bild: Fraunhofer-Institut HHI).
Die vom Fraunhofer-HHI entwicklte OmniCam (Bild: Fraunhofer-Institut HHI).

Videopanoramen setzen sich aus Aufnahmen mehrerer hochauflösender Kameras zusammen. Beim OmniCam-System des HHI sind es beispielsweise zehn HD-Kameras. Die Technologie ist in der Lage, in Echtzeit 360-Grad-Panoramabilder zu schießen. Das macht sie laut HHI auch für Live-Veranstaltungen interessant. Mit der OmniCam zeichneten die Forscher im vergangenen Jahr beispielsweise das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft sowie das Konzert der Berliner Philharmoniker zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer auf. Die Aufnahmen haben eine Auflösung von 2000 mal 10.000 Bildpunkten.

Am Messestand auf der CeBIT werden die Forscher nach eigenen Angaben dann das komplette Szenario aufbauen: Der Besucher kann sich über die App eine bestimmte Kameraeinstellung von aufgezeichneten Live-Aufnahmen aussuchen. Sie werden auf der einen Displayseite angezeigt, während auf der anderen das Übersichtsbild zu sehen ist. Wählt der Besucher eine der OmniCam-Kameras aus, kann er selbst in den Inhalten navigieren.

“Leider hat keiner von uns ein Panorama-Kino zuhause. Und die Endgeräte in unseren Wohnzimmern und Taschen können diese Datenmenge nicht verarbeiten”, erklärt HHI-Forscher Christian Weißig in einer Pressemitteilung. Einzelne Ausschnitte eines Panoramas ließen sich allerdings übertragen. Dafür genügten die aktuell verfügbaren LTE-Netze. Weißig zufolge wird das Panorama dabei in eine feste Anzahl von Segmenten aufgeteilt. Diese sollen gleichzeitig jedem Nutzer zur Verfügung stehen. Die App wählt dann wiederum die Segmente aus, die für den gewünschten Ausschnitt erforderlich sind.

Fraunhofer-App App Ultra-HD-Zoom (Bild: Fraunhofer HHI)
Mittels einer durch das Fraunhofer Institut auf der CeBIT gezeigten App sollen Nutzer auf dem Tablet in Panorama-Aufnahmen navigieren können (Bild: Fraunhofer HHI).

Mit diesem Ansatz sei es technisch möglich, dass eine sehr große Anzahl von Anwendern gleichzeitig ein Panoramabild nutzen kann – zwar nicht mit der vollen Auflösung des Panoramas, aber mit individuellen Ausschnitten in der Auflösung des jeweiligen Endgeräts. “Das ist ein weiterer Schritt Richtung personalisiertes Fernsehen: Am ‘Second Screen’ wird der Nutzer selbst zum Kameramann oder übernimmt die Bildregie – zum Beispiel, indem er in das ausgewählte Segment hineinzoomt. Bisher sind lediglich Apps auf dem Markt, die eine Auswahl verschiedener, statischer Kameraeinstellungen anbieten oder ein gesamtes Panorama in HD-Auflösung übertragen”, so Weißig weiter.

Auch Inhalteanbieter oder TV-Sender profitieren laut HHI davon. Demnach könnten sie die neuen Möglichkeiten selbst als Dienstleistung anbieten. “Wir arbeiten bereits mit Partnern zusammen, die die Technologie einsetzen wollen, um zum Beispiel Live-Konzerte besser zu vermarkten”, sagt Weißig. Die Investitionskosten für Panorama-Aufnahmen seien nach wie vor hoch. Aber nun könnten sie auf eine große Anzahl von Nutzern umgelegt werden – und zwar über den Preis der App, der sich für jeden Einzelnen im Rahmen halte. Noch im Laufe des Jahres soll die Forschungsarbeit in Form eines Produktes auf den Markt kommen und bis dahin noch an schnelleren Übertragungsgeschwindigkeiten gefeilt werden.

Die vom Fraunhofer-HHI entwicklte OmniCam im Einsatz bei einem Fußballspiel (Bild: Fraunhofer-Institut HHI).
Die vom Fraunhofer-HHI entwicklte OmniCam im Einsatz bei einem Fußballspiel (Bild: Fraunhofer-Institut HHI).

Den Vorwurf, dass für Panoramaaufnahmen nach wie vor entsprechend geeignete Inhalte fehlten, bestreitet Weißig: “Der Trend geht eindeutig zu den sehr hohen Auflösungen. Ich denke da an die neuen 4K-TV-Modelle oder auch an die 8K-Offensive des japanischen Fernsehsenders NHK. Und auch bei den Panorama-Technologien tut sich gerade wieder einiges”. Es werde künftig mehr entsprechende Endgeräte und Inhalte geben. Die App Ultra-HD-Zoom sei eine erste konkrete Anwendung, die wohl auch in Kürze zur Verfügung stünde. “Sie kann einen Weg zeigen, wo die Reise zukünftig für die Panorama-Technologie hingeht”, so Weißig weiter.

Die Technologie selbst existiert bereits seit einigen Jahren und kommt etwa beim Kinosystem IMAX zum Einsatz, welches dafür sorgt, dass das Blickfeld des Zuschauers nahezu vollständig ausgefüllt ist. Damit soll ihm das Gefühl vermittelt werden, mitten im Geschehen und Teil der Szenerie zu sein. Allerdings schien der Zenit der Technologie bereits überschritten, da sie sich laut den Forschern als zu teuer und nicht wirtschaftlich erwies. So machte bereits 2010 das erste deutsche IMAX-Kino in München dicht. Die 3D-Technologie hatte dem Format den Rang abgelaufen. Die App des Fraunhofer-Forschungsteams könnte das nun wieder ändern.

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