Mad Business – eine Woche im Leben eines Top-Managers

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Cover Mad Business (Bild: Campus Verlag)

Die Satire “Mad Business” zeichnet den alltäglichen Wahnsinn in einem Großkonzern nach. Der Manager-Prototyp “Paul Hecht” nimmt uns mit auf die Reise in die Welt der Meeting-Marathons und Präsentations-Bullshit-Bingos, erklärt, wie man Personal korrekt einstellt und zum “begleiteten Abgang” führt. Gewürzt ist jedes Kapitel mit tatsächlichen, allerdings anonymisierten Zitaten von deutschen Top-Managern aus allen Branchen.

Cover Mad Business (Bild: Campus Verlag)

Statussymbole stellen die Macht der ganz Großen zur Schau: Maßanzug, Persönliche Assistentin (PA) oder ein Schlüssel zum “Toplift” – dem Manageraufzug – der ohne Halt ins obere Stockwerk fährt. Protagonist Paul Hecht, die Blaupause für einen “echten Topmanager”, nimmt uns in der Satire “Mad Business” mit in den Aufzug – hinauf in den Wahnsinn des Konzernalltags. Egomanisch, selbstsicher und rücksichtslos schildert die fiktive Figur Paul eine Woche im Leben eines Top-Managers. Dazu gehören der Kampf um die Zielzahl in der Budgetplanung ebenso wie das Ringen mit der “Prozess-Polizei”, Meeting-Marathons und Silo-Denken.

Die Autoren Jörg Bartussek und Oliver Weyergraf sind selbst gestandene Manager. Man merkt, dass sie sie in “Mad Business” beschriebene und überzeichnete Welt aus eigener Anschauung heraus kenenn. Ihre Erfahrungen verknüpfen sie mit denen von Kollegen zu einem bunte und verrückte Bild von der Arbeit in den Management-Etagen der Top-Konzerne.

Neben Paul Hechts Weisheiten ist die Satire gespickt mit anonymisierten Originalzitaten von 25 deutschen Top-Managern der IT-Branche, der Automobilindustrie oder dem Banken- und Versicherungswesen. Sie hauchen jedem Kapitel und jeder Situation noch zusätzliche Authentizität ein und zeigen, dass Paul Hechts Welt leider realer ist, als man vermutet. Konzernmitarbeiter werden sich wiederfinden, aber auch andere zum Schmunzeln gebracht. Schönstes Beispiel des Konzernalltags: Die Budgetplanung. So kommentiert Paul Hecht:

“Die Königsdisziplin all dieser konzerninternen Zahlenwettkämpfe ist die Budgetplanung: Mein heutiges 9-Uhr-Meeting! Jetzt wird festgelegt, wie hoch meine virtuelle Zielzahl für das kommende Quartal ist. Was muss ich erreichen und wie viel Geld bekomme ich, um es zu schaffen? Merke: So verdienen die Bereiche ihr Geld! Nicht durch den erfolgreichen Verkauf von Produkten, wie man annehmen möchte, sondern durch das geschickte Aushandeln ihrer Zielzahl! Der Gewinner des Budgetmeetings ist derjenige, der die höchsten Investitionen bekommt, mit denen er aber nur ein lächerliches Ziel schätzen muss.”

(Bild: Shutterstock/RioPatuca)
Der ganze Erfolg hängt von der Budgetplanung ab. Gewonnen hat der Manager, der die beste “Zielzahl” für sich ausgehandelt hat, nicht wer am härtesten gearbeitet oder die meisten Produkte verkauft hat (Bild: Shutterstock/RioPatuca).

Eine schöne Karikatur moderner Umsatzsteigerung ist das Programm “Raue See” von Paul Hechts Proto-Unternehmen. Es soll durch Kosteneinsparungen Umsatz steigern. Sobald Paul Hecht davon erfährt, stellt er spontan zwölf Leute ein, die er dann im Rahmen des Programms direkt wieder entlassen kann – und somit keinen Personalverlust erleidet. Der ganzen Belegschaft wird das Programm zum “Fluch der Karibik”-Soundtrack von einem Unternehmensberater vorgestellt, den das Unternehmen eingeschaltet hat:

“In seiner perfekt gestalteten ‘Kickoff-Präsentation Raue See’ drückte es der schmierige Ober-Consulter so aus: ‘Unser Ansatz entspricht internationalen Best Practices! Ihr Unternehmen ist ein global führender Player. Wenn sie ihre Strukturen mit unserer erprobten Hilfe marktkonform verschlanken, dann werden wir die erforderliche strategische Neuorientierung in Rekordzeit gemeinsam erfolgreich implementieren!’ Hut ab: Ein Dutzend Bullshit-Begriffe in nur drei Sätzen, das nötigt sogar mir Respekt ab!”

Kernpunkte des Programms sind neben Personalentlassungen, Einsparungen bei Kaffee, Kopien, Büropflanzen und Toilettenpapier. Selbst Paul Hecht, der Stromberg des Topmanagements, ist entsetzt. Wie er versucht sich herauszuwinden, Vorteile für sich herauszuschlagen und seine Position als selbst-designierten “Kronprinz des Vorstands” zu verteidigen, ist einfach nur großartg mit anzusehen.

“Mad Business” ist eine charmante Satire, die die Absurdität der Arbeit im “Staate Konzernien” skizziert und am Top-Management kein gutes Haar lässt. Kurzum: Mad Business ist das perfekte Buch, wenn man von der Arbeit gerade selbst genug hat, und sich diebisch über den Wahnsinn der anderen freuen will. Mad Business von Jörg Batussek und Oliver Weyergraf erscheint im Campus Verlag und kostet 22,99 Euro.